Petersplatz ist Fundgrube für Archäologen

Geschichte : Petersplatz ist Fundgrube für Archäologen

Das Grabungsteam hat drei römischen Bauperioden entdeckt, mittelalterliche Bestattungen,  eine Scheibenfibel aus dem 7. Jahrhundert und sogar Relikte aus der Eisenzeit.

9 Uhr auf dem Petersplatz in Bitburg. Hinter dem Bauzaun wimmelt es nur so von Menschen mit weißen Schutzhelmen und gelben Westen. Doch anders als in Paris, geht es in Bitburg nicht um Protest, sondern um die Rettungsgrabungen der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, Außenstelle Trier (GDKE). Es sieht aus wie auf einer normalen Baustelle, doch hier entsteht nichts Neues, sondern es wird nach Altem gesucht. Genauer gesagt, stehen die einstige Peterskirche und ihre römischen und mittelalterlichen Vorgängerbauten im Mittelpunkt des Archäologen-Interesses. Da es kürzlich geregnet hat, gibt es auch einige Pfützen auf dem holprigen Gelände. Die Wasserlachen müssen verschwinden. Eine Grabungshelferin kümmert sich und taucht gerade Schaumstofflappen in die Pfützen, um das Wasser aufzusaugen. Dann wringt sie den Lappen über einem Eimer aus. Das ist bei wenigen Graden über Null sicher nicht so angenehm. „Das geht nicht anders, denn das Wasser sickert wegen des Lehmbodens hier nicht ab“, erklärt die Grabungsleiterin Katharina Milkovic. Die anderen Helfer – alle mit Handschuhen ausgestattet – kratzen mit ihren Kellen und Schaufeln im Erdreich wie Matthias Heinz, Grabungsarbeiter vom GDKE Trier. Er untersucht den Unterbau von einem dort freigelegten Estrich. Außerdem legt er Reste des Südturms eines Kirchenbaus aus dem 15 Jahrhundert frei.

Und ganz unten auf der Grabungssohle entdeckt er schwarze Scherben und zeigt sie dem wissenschaftlichen Leiter der archäologischen Grabungen, Lars Bloeck. Der sagt mit Bestimmtheit: „Das ist aus vorrömischer Zeit – aus der Eisenzeit.“ Er erklärt beim Rundgang, dass man sich hier im Vorfeld des spätrömischen Kastells unweit vom Südtor befindet. Und er berichtet, was das Grabungsteam bisher schon alles entdeckt hat. Die römischen und mittelalterlichen Estriche, mittelalterliche Bestattungen - sogar einige vier nahezu komplette Skelette. „Die erste urkundliche Erwähnung einer Kirche ist hier auf das Jahr 1030 datiert, wahrscheinlich gab es schon früher ein entsprechendes Bauwerk“, sagt Bloeck.

Auf jeden Fall gab es einen Bestattungsplatz sowie drei römische Bauperioden – so viel ist sicher. Der herausragendste Fund ist die Scheibenfibel aus einer Kupferlegierung, wie Bloeck vermutet, mit Glas-Elementen. Die Fibel ist eine Grabbeigabe und sie hat sicherlich einer Frau gehört. Um den guterhaltenen Fund kümmert sich nun der Restaurator des Landesmuseums. Auch eine einfache Form von Wandmalerei hat das Grabungsteam im Bereich eines römischen Kellers jetzt entdeckt. Bloeck zeigt auf eine Nische im Grabungsfeld, die mit roter Farbe umrandet ist. „Möglicherweise standen hier Kerzen, um im Keller Licht zu haben“, vermutet der Archäologe und versichert: „Diese Grabung hier gibt uns Wahnsinns-Einblicke.“ Aber nicht mehr lange, denn Ende des Jahres müssen die Archäologen ihr Werkzeug einpacken, denn dann machen die Bauarbeiter mit der Umgestaltung des Petersplatzes weiter.

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