Pferd grausam gequält: Die Polizei ermittelt

Pferd grausam gequält: Die Polizei ermittelt

Es klingt unglaublich. Unglaublich grausam. Eine Islandstute wurde vor kurzem auf ihrer Weide in Neuheilenbach (Eifelskreis Bit-burg-Prüm) angeschossen. Bevor die Besitzerin die Polizei einschalten konnte, schlugen die Täter nachts noch einmal zu: Um Spuren zu beseitigen, schnitten sie dem Tier die Kugel ohne Betäubung aus der Brust. Inzwischen ermittelt die Kriminalpolizei.

Neuheilenbach. Schockierend, ekelerregend, grausam. Die Fotos, die Bärbel Haase aus Neuheilenbach von ihrer kleinen Islandstute "Litlar Siða" aufgenommen hat, sind derart erschütternd, dass sie an dieser Stelle nicht gezeigt werden. Sie offenbaren die abscheulichen Wunden eines gequälten Tieres. Wunden, bei deren Anblick sich der Betrachter fragt, wie jemand so etwas einem Lebewesen antun kann. Schlimm genug, dass auf die zweijährige Stute geschossen wurde, als sie abends auf ihrer Weide in Neuheilenbach graste. Der Schuss traf das Trier in den Muskel des rechten Schulter-Halsbereichs. Besitzerin Haase konnte es kaum glauben, als sie die verletzte Stute fand: "Ich habe noch nie so leblose Pferdeaugen gesehen."
Mehrfach sind Schüsse gefallen


Um sicherzugehen, dass da wirklich jemand auf ihr Pferd geschossen hatte, zog sie einen Jäger und einen Waffenexperten zurate. Beide bestätigten ihren Verdacht: Es handelte sich tatsächlich um eine Schussverletzung. Noch auf der Weide wurde besprochen, was zu tun ist: Die Kripo sollte benachrichtigt werden und auch die Tierklinik, um die Kugel herauszuoperieren und sicherzustellen.
Was allerdings danach passierte, klingt so unglaublich, dass man es für nicht real halten würde, gäbe es da nicht Haases Fotos: Sie zeigen wiederum den verletzten Brustkorb der Islandstute. Allerdings ist darauf kein Einschussloch zu sehen, sondern abgestorbene Hautfetzen sowie tiefe, teils vereiterte Schnittwunden. Der oder die Täter müssen zurückgekommen sein und die Kugel aus der Stute herausgeschnitten haben. Für die Züchterin ist klar: Es waren mehrere Personen beteiligt. "Kein Pferd bleibt freiwillig stehen, wenn ihm ohne Betäubung entsetzliche Schmerzen zugefügt werden." Und sie ist überzeugt, dass es Ortsansässige gewesen sein müssen: "Es muss jemand sein, der mitbekommen hat, dass wir die Polizei einschalten wollen."
Inzwischen ermittelt die Wittlicher Kriminalpolizei wegen Verstoßes gegen das Tierschutz- sowie gegen das Waffengesetz. Der Stute wurde eine Blutprobe entnommen. "Sollten wir einen Tatverdächtigen haben und die Tatwaffe finden, können wir die darauf gefundenen Spuren mit dem Blut des Tieres vergleichen", sagt Kriminalhauptkommissar Wolfgang Angsten. Zudem habe er einige Leute aus Neuheilenbach zur Vernehmung geladen.
Bevölkerung ist gefragt


Das Erschreckende: Es ist wohl nicht das erste Mal, dass in der Gegend geschossen wurde. Anfang Juli wurde im benachbarten Neustraßburg eine Katze durch einen Schuss verletzt, zudem hat es laut Auskunft der Polizei in Bitburg in der Vergangenheit Vorfälle gegeben, bei denen in Neuheilenbach nachts auf Verkehrsschilder geschossen wurde. Auch der Kreisverwaltung sind derlei Meldungen bekannt. Sie hat die Polizei gebeten, ihre Präsenz vor Ort zu verstärken. "Auch die Bevölkerung ist gefragt", betont Pressesprecherin Heike Linden, "sie sollte verdächtige Personen sofort der Polizei melden."
Pferdezüchterin Haase vermutet "Mutproben" von Jugendlichen hinter den Vorfällen und macht sich große Sorgen: "Wer weiß, ob es nicht demnächst eine Oma oder ein kleines Kind trifft?" Ihre Islandstute "Litlar Siða" ist mittlerweile außer Lebensgefahr. Allerdings sei sie traumatisiert, sagt Haase, die nicht ruhen will, bis der Vorfall aufgeklärt ist.
Zeugen werden gebeten, sich an die Kriminalpolizei in Wittlich, Telefon 06571/95-000, oder an die Bitburger Polizei, Telefon 06561/9685-0, zu wenden.

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