Phosphorbombe kommt Ortsgemeinde teuer zu stehen

Gemeinde : Phosphorbombe kommt Irrel teuer zu stehen

Die Entsorgung des kontaminierten Erdreichs kostet fast 50 000 Euro. Geld, das die Gemeinde nicht hat.

Der Irreler Ortsbürgermeister Heinz Haas kann seinen Ärger nicht verbergen. Denn im Augenblick sieht es so aus, als würde die Gemeinde auf knapp 50 000 Euro Kosten für die Entsorgung von Phosphor belasteten Erdreichs sitzen bleiben.

Was ist passiert? Ende September 2017 wurde bei der Verlegung von Kabeln in Irrel eine detonierte Phosphorbombe auf einem öffentlichen Parkplatz gefunden (der Trierische Volksfreund berichtete). Das Grundstück an der Kreuzung Ewerhartstraße/Hauptstraße gehört der Ortsgemeinde. Der Bombenfund kommt sie nun teuer zu stehen.

Denn der Kampfmittelräumdienst hat seinerzeit lediglich die Reste der amerikanischen Bombe entsorgt, nicht aber das mit weißem Phosphor kontaminierte Erdreich drum herum. „Die Bombe hat gequalmt und gezischt. Das Zeug musste schnell entsorgt werden“, sagt Haas.

Um die Sicherheit der Menschen vor Ort nicht zu gefährden wurden 8,5 Tonnen verseuchtes Erdreich von einem Entsorgungsbetrieb aus Rittersdorf abgetragen und zwischengelagert, Kosten: rund 7500Euro.

Danach begann die lange Suche nach einem Unternehmen, das den kontaminierten Boden übernehmen kann. Schließlich wurde ein Unternehmen in Niedersachsen gefunden, das für rund 40 500 Euro den Boden entsorgen könnte.

Auf diesen Kosten bleibt die Ortsgemeinde Irrel jetzt vermutlich sitzen. Denn laut Sitzungsunterlagen haben sowohl Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Trier, Umweltministerium Rheinland-Pfalz als auch Gemeinde-  und Städtebund übereinstimmend gesagt, dass die Verantwortung beim Grundstückseigentümer liege, also in diesem Fall bei der Ortsgemeinde.

Auch die Anfrage der Verbandsgemeinde Südeifel, ob die hoch verschuldete Gemeinde auf einen Hilfefond zurückgreifen könne, wurde abgelehnt. Finanzielle Zuschüsse und Kostenerstattungen würden weder von Seiten des Bundes noch des Landes erfolgen, heißt es.

„Wir sind in eine Situation geraten, die kein Mensch der Gemeinde verschuldet hat. Die uns aber in die Bredouille bringt. Bei unserer Schuldenlast und dem anstehenden Neubau des Kindergartens haben wir dicke Sorgen und müssen jetzt alle Register ziehen“, sagt Heinz Haas. Er will die  Entscheidung so nicht hinnehmen. „Ich möchte, dass mir Frau Höfken (rheinland-pfälzische Umweltministerin, Anmerkung der Redaktion.) sagt, ob wir damit allein gelassen werden“, fordert der Bürgermeister.

Zurzeit habe die Ortsgemeinde 3,5 Millionen Euro Schulden. „Wenn wir den Kindergarten bauen, wie geplant, haben wir 6,5 Millionen Euro Schulden.“ Für Heinz Haas eine fatale Situation.

„Das ist geradezu eine Bestrafung von Kriegsfolgeschäden“, sagt Moritz Petry, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Südeifel. Die Problematik könne jeden treffen, „wer weiß schon, was noch im Boden schlummert?“

Ärgerlich sei zudem, dass es kaum technische Möglichkeiten gebe, das Erdreich in der Umgebung entsorgen zu lassen. In Rheinland-Pfalz habe man niemanden gefunden. „Das hat den Preis noch in die Höhe getrieben“, sagt Bürgermeister Petry.

Mit diesem Thema muss sich der Ortsgemeinderat Irrel in seiner nächsten Sitzung am Donnerstag, 25. Oktober, 19 Uhr in der Gemeindehalle in Irrel befassen

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