Piepmatz in Not

STADTKYLL. (fpl) Piepmatz mit Problemen – was macht man da? Von einer nachmittäglichen Rettungsaktion berichtet TV-Mitarbeiter Fritz-Peter Linden.

Das hier wäre eigentlich etwas für die Rubrik "mein Tier und ich". Obwohl: Isch 'abe gar keine 'austiere. Sieht man einmal von regelmäßigen Visiten diverser Fremdkatzen ab, von Hunden, die in den Garten machen und von der straff durchorganisierten Ameisen-Guerilla, die seit Jahren gnadenlos das Fundament unseres Hauses zu untertunneln versucht. Aber vor ein paar Tagen wurde es richtig spannend: Raschelraschel, kratzkratz, machte es irgendwo im Haus. Erster Verdacht: Da ist ein Vogel ins Schlafzimmer geraten. Ab nach oben: Vorsichtig öffne ich die Tür einen Spalt breit und spähe in alle Ecken. Nichts. Also wieder runter, weiter lauschen. Kratzkratz... eine Maus, ganz klar! Die Lebendfalle (man ist doch kein Unmensch), die vor Jahren schon einmal einen unerwünschten Untermieter festsetzte, rausgeholt, Stück Käse rein (mittelalt), aufgestellt, gewartet. Raschelraschel - Tump! Tump? Das müsste ja eine Riesenmaus sein. Oder eine Ratte, igitt. Und es kommt auch nicht von oben, sondern - aus dem Kamin? Tatsächlich, da hat sich was verfangen. Also doch ein Vogel? Oder gar was vieeeel Schlimmeres? Ich rufe Nachbarin Helga an. Die muss sofort lachen: "Haste Angst?" Ich: "Achwatt!" Sie: "Warte, ich komm' mal 'rüber." Wir öffnen die Kamin-Klappe, halten die Taschenlampe hinein - und da sitzt er auch schon auf der Kante, der gefiederte Gast. "Das ist ein Star", sagt Helga. Ich habe nicht die geringste Ahnung. Egal: Auf jeden Fall hat er Schiss und ist total K.o. Helga holt ihren Fahrradkorb, der Vogel hüpft hinein und lässt sich, nicht ohne ein paar Angsthäuflein in der Küche zu hinterlassen, nach draußen bugsieren. Aber anstatt die neu gewonnene Freiheit zu genießen, setzt sich der Schornstein-Flieger - Amsel, Dohle oder Star? - in unseren Clematis-Strauch und macht erst einmal Pause. Schon haben wir das nächste Problem: die Nachbarskatzen! Aber dann klettert unser kleiner Freund durch den Strauch hinauf auf die Fensterbank, trällert kurz zu uns rüber und fliegt davon... aufs nächste Dach, zum nächsten Kamin. Der wird doch wohl nicht wieder...? Nein, er trippelt kreischend auf dem First hin und her. "Der ruft nach seiner Mama, der Arme", sagt Helga. Immerhin: Er hat's geschafft. Und dann flattert er fort. Viel Glück! Und für Frau Nachbarin gibt's jetzt einen Kaffee.