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Piloten übernehmen am Flugplatz das Steuer

Piloten übernehmen am Flugplatz das Steuer

Sie nennt sich Interessengemeinschaft Flugplatz Bitburg (IFB): Eine Gruppe von sechs Unternehmern, allesamt auch Piloten, die den 40-Prozent-Anteil von Frank Lamparski an der Flugplatz GmbH ersteigert hat.

Am Dienstag hat die IFB Notartermin für den Kauf des 38-Prozent-Anteils des Eifelkreises. Es war von Anfang an das Ziel. Aber daran, dass es noch zu erreichen wäre, haben nach der Bruchlandung von Frank Lamparski mit seinen hoch fliegenden Plänen nur noch wenige geglaubt. Weil es dem Projektentwickler missglückt ist, seine Vision eines Bit-Airports umzusetzen, wurde der Weg frei für das, was den Initiatoren der Entwicklungs- und Betriebsgesellschaft Bitburg mbH um den ehemaligen Brauerei-Chef Axel Simon schon 1994 vorschwebte: Der Flugplatz wird privat - und zwar, das zeichnet sich ab, zu 100 Prozent.

Die Interessengemeinschaft Flugplatz Bitburg (IFB), hinter der sechs Eifeler Unternehmer stehen (siehe Extra), die allesamt eine Leidenschaft zum Fliegen verbindet, hat bereits im Juni bei der Versteigerung des ehemaligen 40-Prozent-Geschäftsanteils von Lamparski mit einem Gebot von 23 600 Euro das Rennen gemacht. Nun will die IFB auch den 38-Prozent-Anteil des Eifelkreises Bitburg-Prüm kaufen - und zwar zum Preis des ermittelten Verkehrswerts von rund 20 000 Euro. Am Dienstag ist Notartermin.

Da EIFB-Geschäftsführer Eugen Wallesch derzeit in Urlaub ist, wird Friedhelm Nau, ein Unternehmer aus Landscheid, den Kauf besiegeln. Warum die Gruppe weitere Anteile erwirbt, ist für ihn schnell erklärt: "Wir wollen eine qualifizierte Mehrheit in der GmbH, um diese nach unseren Vorstellungen gestalten zu können." Das Ziel hätte die IFB nach dem Erwerb der Anteile des Eifelkreises erreicht. Dann hält die Gruppe 78 Prozent. Doch die IRB will mehr. Nau sagt: "Unser Ziel ist es, die Gesellschaft vollständig zu privatisieren." Geplant sei, auch die Anteile der Stadt Bitburg von rund 16 Prozent zu erwerben. Die Stadt hat im Juni entschieden, diese zu verkaufen.

Hauptziel der IFB ist es, die Infrastruktur mit Landebahn und Rollfeldern zum Fliegen zu erhalten. "Wir werden versuchen, in kleinen Schritten Unternehmen aus dem flugaffinen Bereich in Bitburg anzusiedeln", sagt Nau. Es gebe auch bereits Interessenten wie etwa eine Firma, die Flugzeuge wartet. Für Namen sei es noch zu früh. Fest aber stehe, dass "diese große Idee von Herrn Lamparski, den Bitburger Flugplatz zum Passagierflughafen auszubauen, gestorben ist", sagt Nau. Auch Lärmschutz sei ein Thema. Nau sagt: "Wir wollen den Flugplatz im Einklang mit den Kommunen betreiben." So sei es etwa denkbar, dass auch nach Ausstieg der öffentlichen Hand aus der GmbH kommunale Vertreter an Gesellschafterversammlungen teilnehmen. "Alles Weitere", so Nau, "werde man sehen, sobald die Konstellation und Strukturierung der GmbH geklärt sei".Mit Herzblut fürs Fliegen


Wird die Flugplatz GmbH zu 100 Prozent privat, wird nach Aufsichtsratsvorsitzendem Michael Billen der Aufsichtsrat aufgelöst. Für ihn kein Grund zur Traurigkeit, im Gegenteil: "Ich freue mich sehr über diese Entwicklung. Den Flugplatz zu privatisieren, ist seit 20 Jahren unser Ziel. Ich bin davon überzeugt, dass das Wirtschaften in Privathand und nicht in Staatshand gehört." Ähnlich wie Billen ist auch GmbH-Geschäftsführer Günter Krahé überzeugt, dass Private den Betrieb wirtschaftlicher organisieren. Er sagt: "Ich finde es gut, dass es regionale Unternehmer sind, die alle selbst aktive Flieger waren oder sind und nun mit der IFB in der GmbH das Ruder übernehmen. Das bringt nicht nur viel Sach- und Fachverstand, sondern auch Herzblut in die Gesellschaft."Meinung

Viele Fragen offen
Wird der Interessengemeinschaft Flugplatz das gelingen, was die GmbH seit Jahren mit mäßigem Erfolg versucht? Kommen nun die Unternehmen nach Bitburg, die Flugzeuge warten, ausbauen oder verschrotten? Wie wollen die neuen Mehrheitsanteilseigner es schaffen, die Verluste der GmbH zurückzufahren? Viele Fragen sind noch offen. Aber eins ist gewiss: Der Eifelkreis muss nicht länger die Verluste mittragen - und wenn es gut läuft, die Stadt Bitburg bald auch nicht mehr. Das ist in jedem Fall ein Erfolg. d.schommer@volksfreund.deExtra

Sechs Unternehmer aus der Eifel: Nach Angaben von Friedhelm Nau zählt die Interessengemeinschaft Flugplatz Bitburg (IFB) derzeit sechs Mitglieder, allesamt Piloten und Unternehmer aus der Eifel:
Eugen Wallesch (Übereisenbach, Verbandsgemeinde Neuerburg), Alfons Hesels (Bleialf, VG Prüm), Wolfgang Elsen (Speicher), Bernd Pohl (Fallschirmschule Flugplatz Bitburg), Willi Burrelbach (Bitburg) und FriedhelmNau (Landscheid, VG Wittlich-Land). Geschäftsführer der IFB ist Eugen Wallesch. Weitere Gesellschafter: Derzeit hält die Stadt Bitburg noch rund 16 Prozent an der Flugplatz GmbH. Die IFB hat Interesse, diese ebenfalls zu kaufen. Je rund 2,5 Prozent halten die Unternehmer Adolf Hess und Hermann Köppen. Verluste: Die GmbH wird 2013 voraussichtlich einen Verlust von rund 140 000 Euro verbuchen. Diesen müssen die Gesellschafter anteilig mittragen. Die Stadt Bitburg hat seit ihrem Einstieg 2008 bisher 110 000 Euro gezahlt. Der Eifelkreis, von Beginn an Gesellschafter in der 2002 gegründeten GmbH, hat bisher fast eine halbe Million Euro beigesteuert, um die Verluste der Flugplatz GmbH auszugleichen. scho