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Pilotprojekt in der Eifel: Wärme und Strom aus Restholz

Pilotprojekt in der Eifel: Wärme und Strom aus Restholz

Holz als Stromlieferant: Nicht nur Wärme für die gute Stube kann man aus Holz gewinnen. Eine Pilotstudie im Eifeldorf Schmidtheit (Kreis Euskirchen) testet die Eigenschaften des nachwachsenden Rohstoffes für die Stromerzeugung - weitere Anlagen geplant.

Schmidtheim. Mit Holz wird Feuer gemacht, um sich zu wärmen. Das ist eine uralte Erkenntnis der Menschheit, die heutzutage in Pelletsheizungen eine moderne Anwendung findet.
Dass aus Holz auch Strom erzeugt werden kann, ist hingegen recht neu. "So neu allerdings auch nicht", sagt Julien Uhlig, Geschäftsführer der Entrade Energiesysteme AG mit Sitz in Schmidtheim. Anfang des 20. Jahrhunderts sei mit Holzvergasung allerdings kein Strom erzeugt, sondern Motoren betrieben worden, die etwa in Lastwagen zum Einsatz gekommen seien. "Das System war sehr störanfällig und etwas für Bastler", so Uhlig.
Das sei auch ein Grund dafür gewesen, dass die Renaissance dieser Anlagen als Wärme- und Stromlieferant in den vergangenen Jahren etwas zögerlich verlaufen sei.
Anlage geht im Januar ans Netz


Doch inzwischen gebe es recht zuverlässige Systeme. Daher will die Entrade Energiesysteme AG in Schmidtheim in eine Holz-Strom-Anlage der Spanner RE2 GmbH investieren. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 250 000 Euro. Das Pilotprojekt, das im Januar 2013 ans Netz gehen und das Schmidtheimer Schloss samt Nebengebäuden mit Strom und Wärme versorgen soll, wird von progres.nrw mit 50 000 Euro unterstützt. "Dezentrale Strom- und Wärmebereitstellung aus derzeit nicht genutzter fester Biomasse birgt Potenziale besonders in den ländlichen Bereichen von NRW. Wir freuen uns als Landesregierung, beispielhafte Projekte wie das Netzwerk Holzstrom zu fördern", sagt NRW-Umweltminister Johannes Remmel. Das Netzwerk Holzstrom, das in Bad Münstereifel gegründet wurde und dem rund 20 Firmen, Universitäten und öffentliche Forschungseinrichtungen im gesamten Bundesgebiet angehören, hat das Projekt entwickelt.
Das Netzwerk wird im Rahmen des Zentrums für Innovation im Mittelstand (ZIM) des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi) gefördert, um den Rohstoff Holz optimal zu verstromen. Vor rund drei Jahren hatte das Netzwerk eine Anlage geplant, die das Bad Münstereifeler Eifelbad versorgen sollte, doch bislang nicht realisiert wurde. Nun erhält die Entrade Energiesysteme AG nach eigenen Angaben als erstes Unternehmen einen Zuschuss des Förderprogramms progres.nrw.
Die Anlage in Schmidtheim, die mit Hackschnitzeln und Grünschnitt aus der Region betrieben werden soll, dient dabei auch als Referenzobjekt für weitere Vorhaben. "Mit der Realisierung dieser Holz-Strom-Anlage konnten wir eindrucksvoll unter Beweis stellen, wie gut sich die Zusammenarbeit mit unseren Netzwerkpartnern entwickelt hat und welche Perspektiven diese Technik bietet", so Julien Uhlig, ehemaliger leitender Netzwerkmanager: "Insbesondere wird hier das Potenzial heimischer Ressourcen als aktiver Beitrag zum Klimaschutz deutlich." Schließlich gebe es in den Wäldern der Eifel reichlich ungenutztes Restholz oder Straßenbegleitgrün, das zu schade sei, um es verrotten zu lassen.
Laut Uhlig wurden Förderanträge für zwei weitere Anlagen in Schmidtheim gestellt. Damit könnte Strom ins Netz eingespeist werden. Außerdem sei ein Nahwärmenetz denkbar, an das sich mittelfristig Schmidtheimer Bürger anschließen könnten. ron