Pilz-Profis plündern Eifelwälder
Zunehmend plündern Pilzsammler die Vorkommen in den Eifelwäldern. In den frühen Morgenstunden rücken sie an, nehmen alles mit, was sie finden können, um ihre Ernte auf dem Markt zu verkaufen. Damit zerstören sie das ökologische Gleichgewicht des Waldes.
Dahlem. Auf einem Wanderparkplatz im Wald zwischen Schmidtheim und Dahlem sind sie: professionelle Pilzsammler. Ausgerüstet mit Gummistiefeln, "Friesennerz" und Taschenlampe sind sie für Revierförster Ditmar Krumpen leicht zu erkennen. "Na, noch nichts gefunden?", ruft der Förster den Herren zu, die er sofort als Profis identifiziert.
Während sich zwei Männer auf dem Rücksitz des BMW mit Düsseldorfer Kennzeichen verdrücken, fragt einer etwas schüchtern und mit ausländischem Akzent: "Wo sind all die Pilze?" Letztes Jahr um diese Zeit sei der Wald voll gewesen. Krumpen kann ein Lächeln kaum verbergen. Er zuckt mit den Achseln, fährt die Fensterscheibe seines Autos hoch und gibt Gas. "Die sind viel zu früh." Je nach Wetterlage verschiebe sich die Pilzzeit um einige Wochen.
Regelmäßig trifft Krumpen in seinem Revier Profi-Sammler aus Köln, Düsseldorf, Aachen und Mönchengladbach. Die haben nur ein Ziel: Möglichst schnell möglichst viele Pilze aus dem Wald holen. Und das, obwohl professionelles Sammeln verboten ist. Pro Person dürften nur rund zwei Kilo gesammelt werden. "Die Profis haben einen ganzen Kofferraum voll." Sie gingen immer nach der gleichen Masche vor: Morgens früh verschwänden sie im Wald, "um schnell zu Märkten zu fahren und die frische Ware zu verkaufen."
Abgesehen haben es die Sammler vor allem auf Steinpilze, Champignons und Pfifferlinge, weiß Krumpen. Für ein Kilo Steinpilze landeten bis zu 70 Euro im Portemonnaie, obwohl der Verkauf verboten sei, sagt Krumpen. "Ich habe letztes Jahr keine Steinpilze mehr gefunden", ärgert sich der Förster. Vor zehn Jahren sei der Wald voll gewesen.
"Die Pilze gehen mit den Bäumen eine Symbiose ein", erklärt Krumpen. Das sogenannte Myzel (Fadengeflecht der Pilze im Boden) verbindet sich mit den Wurzeln der Bäume. Die Pilze geben Nährstoffe an die Bäume ab, und diese danken den Pilzen in Form von Chlorophyll. "Wenn einer wegfällt, geht nichts mehr", weiß Krumpen.
Die Schäden sind im Wald deutlich sichtbar. Kein Wunder: Seit 15 Jahren wird der Raubbau schon betrieben. Und jedes Jahr werde es schlimmer.
Seit es den Nationalpark gebe, kämen immer mehr Profis ins Revier. Auch vor einem geschlossenen Gatter machten sie nicht Halt. Und: Absperrungen würden offen gelassen und das Rotwild könne ungehindert Bäume anfressen. Zudem störe der Pilztourismus die Hirsch-Brunft.
Krumpen hat es aufgegeben, sich mit den professionellen Sammlern auseinander zu setzen. Kein Wunder: Einmal, so Krumpen, sei ein "Erwischter" mit dem Messer auf ihn losgegangen. Zudem könne er alleine nichts ausrichten. "Das wissen die auch ganz genau", ärgert er sich.
Mit der Polizei habe er vor einiger Zeit einen Sammler überführt, der 80 Kilo Pilze im Kofferraum gehabt habe. Krumpen: "Nach dem Landschaftsgesetz kann für ein Kilo eine Strafe von 40 Euro berechnet werden."