Pläne für Fotovoltaikanlage stoßen in St. Thomas auf Kritik

Archiv Dezember 2019 : Pläne für Fotovoltaikanlage stoßen in St. Thomas auf Kritik

Ein Investor würde gerne in St. Thomas eine Freiflächen-Fotovoltaikanlage errichten. Bei den Anwohnern des davon betroffenen Ortsteils Bruderholz stößt das auf wenig Zuliebe.

Wenn sich der Gemeinderat von St. Thomas kommende Woche zu seiner letzten Sitzung des Jahres trifft, wird er sich mit etwas beschäftigen müssen, was die vorweihnachtliche Stimmung womöglich ein wenig trüben könnte. Grund dafür ist ein Projekt der WES Green GmbH. Das Unternehmen aus Trier würde gerne in St. Thomas eine sieben bis zehn Hektar große Freiflächen-Fotovoltaikanlage errichten. Konkret geht es dabei um eine Fläche südlich des Ortsteils Bruderholz. Um dort tätig werden zu können, müsste die Gemeinde aber zunächst einen entsprechenden Bebauungsplan für dieses Gebiet erstellen. Ob sie dieses Prozedere in die Wege leiten wird oder auch nicht, muss der Gemeinderat entscheiden.

Da der Rat diese Entscheidung nicht über die Köpfe der Bürger hinweg treffen möchte, wurde vor einigen Tagen im Rahmen einer Bürgerversammlung über dieses Vorhaben informiert. Und dort war die Meinung durchaus geteilt. Während die Anwohner in Bruderholz durch die Errichtung einer solchen Anlage unter anderem einen Wertverlust ihrer Grundstücke und Einbußen in der Lebensqualität befürchten, vertreten andere Einwohner aus St. Thomas die Auffassung, dass die dadurch verursachten Auswirkungen auf das Landschaftsbild angesichts des Klimawandels durchaus zu verkraften seien.

Aus Sicht der Gemeinde kritisch sind neben den Einwänden aus Bruderholz auch mögliche Einbußen bei den Pachteinnahmen. Denn durch die Fotovoltaikanlage würde sich die Jagdfläche weiter verringern, wie Ortsbürgermeister Rudolf Höser in der Einwohnerversammlung erklärte. Gleichzeitig aber verwies Höser auch auf eine mögliche Einnahmequelle für die Gemeinde durch die Solarenergie. So gebe es verschiedene Beteiligungsmodelle, die im Vorfeld mit dem Investor ausgehandelt werden könnten.

Darüber hinaus verwiesen die beiden bei der Veranstaltung ebenfalls anwesenden Mitarbeiter von WES Green auf den ökologischen Mehrwert, der sich nicht nur auf die Nutzung der Sonnenenergie beschränke. So hätten Erfahrungen mit anderen Projekten gezeigt, dass die Biodiversität auf den Flächen erheblich gesteigert werde. Da die Module auf Ständern stünden und die Wiese darunter höchsten zwei Mail im Jahr gemäht werden müsse, seien die Anlagen „eine Bereicherung für Flora und Fauna“, sagte Projektentwickler Edelbert Bach.

Die Projektgegner in Bruderholz zeigten sich davon wenig beeindruckt. Zudem äußerte ein Anwohner die Sorge, dass durch die Genehmigung einer Anlage das Tor für nachträgliche Erweiterungen geöffnet werde. „Am Ende wird dann ganz Bruderholz mit solchen Anlagen zugepflastert“, schimpfte der Anwohner. Dass das nicht passiere, dafür werde der Gemeinderat sorgen, versicherte der Bürgermeister. Schließlich habe es die Gemeinde in der Hand, Fotovoltaik nur dort zuzulassen, wo es auch gewollt ist.

Wo zukünftig Windräder errichtet werden dürfen, ergibt sich aus den Flächennutzungsplänen der Verbandsgemeinden. Bei Fotovoltaik-Anlagen hingegen wird von Fall zu Fall entschieden. Foto: Uwe Hentschel

„Dass diese Entscheidung nicht einfach wird, haben wir schon vorher geahnt“, resümierte Höser zum Abschluss der Diskussion. Doch ganz egal, wie diese Entscheidung ausfalle: „Mir ist wichtig, dass wir darüber sachlich diskutieren“, sagte Höser. „Es wäre schade, wenn wir dadurch die Gemeinde in zwei Lager spalten würden.“

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