Platznot in der Feuerwache Bollendorf: Rettungsboot bezieht neues Quartier in Echternacherbrück

Infrastruktur : Platznot: Bollendorfer Rettungsboot kommt bei den Nachbarn unter

Bollendorfer Feuerwehrleute träumen von einer größeren Wache. Die alte sei in ihren Augen nicht mehr zeitgemäß. Doch die Verwaltung sieht dringendere Aufgaben.

Wenn man dem Weihnachtsmann einen Brief schreiben will, wie lautet denn da die Adresse? Die Post weiß Rat: Die beliebteste Adresse ist Himmelpfort. Im Jahr 2016 trafen dort 281 000 Wunschzettel von Kindern aus 62 Ländern ein.

Die Feuerwehr in Bollendorf hat noch andere Kontakte. Die haben sogar die Handynummer vom Weihnachtsmann und schickten ihm kurz vor Weihnachten eine Whatsapp-Nachricht mit einem besonderen Wunsch. „Schweren Herzens müssen wir uns heute leider von dir, liebes Rettungsboot der Feuerwehr der VG Südeifel, verabschieden, da wir dir leider aus Platzgründen keine Bleibe im Feuerwehrhaus bieten können. Freundlicherweise wirst du nun bei der Freiwilligen Feuerwehr Echternacherbrück eine neue Unterkunft erhalten“, heißt es da. Das Gerätehaus sei einfach zu klein, um die komplette Ausrüstung unterzustellen. „Aber vielleicht haben wir ja Glück und das nächste Christkind bringt uns die Nachricht von einem Feuerwehrhaus, in dem wir endlich alle Einsatzmittel unterbringen können“, heißt es weiter.

Doch der Weihnachtsmann konnte nicht helfen. Oder vielleicht doch ein bisschen? Denn immerhin hat die Nachricht auch die Volksfreund-Redaktion erreicht. Die kann zwar auch keine so kostspieligen Wünsche erfüllen, aber vielleicht liest ja jetzt jemand diese Zeilen und weiß eine Lösung.

Das (abgeschobene) Rettungsboot ist eigentlich nur die Spitze des berühmten Eisbergs. Denn auch ohne Boot ist es im Feuerwehrhaus in Bollendorf zu eng geworden. „Eine größere Wache wäre unser Traum“, sagt Rolf Rump, stellvertretender Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr in Bollendorf. Geträumt wird schon seit  2005. Auch der Prüfdienst der Landesfeuerwehrschule habe das Feuerwehrhaus bei einer Besichtigung bemängelt, sagt Rump. „Die Fahrzeuge werden immer größer und auch die zusätzlichen Geräte nicht kleiner. Wenn wir uns umziehen wollen, müssen wir zuerst unser Feuerwehrauto rausfahren, damit wir überhaupt Platz haben“, sagt er.

Denn umgezogen werde sich in der Fahrzeughalle. Eine Umkleide gebe es nicht. Da dürften auch die Feuerwehrfrauen nicht verschämt  sein. Heizung? Fehlanzeige. „Das ist vor allem im Dezember, Januar und Februar eine tolle Sache“, sagt der stellvertretende Wehrführer.

Und das Rettungsboot? „Das könnten wir höchstens noch hochkant in den Raum stellen“, sagt Rump. 40 Mitglieder hat die Feuerwehr Bollendorf, davon 20 aktive. Es gibt eine Kooperation mit der Wehr in Berdorf/Luxemburg. Um das Rettungsboot einsetzen zu können, gibt es einen Pool von Kollegen, die einen Bootsführerschein haben.

Nachdem es eine Zeitlang in einer Scheune in Bollendorf untergebracht war, hat es nun einen Platz im Feuerwehrgerätehaus in Echternacherbrück gefunden. „Wenn sich kein anderer Platz findet,  kann es bleiben“, sagt Patrick Zimmermann, Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Echternacherbrück. „Es steht eigentlich ganz gut bei uns, wir haben nur ein Fahrzeug, aber zwei Stellplätze.“ Und Echternacherbrück liegt in der Mitte zwischen Bollendorf und Minden, den Orten, die unmittelbar vom Sauerhochwasser betroffen sein könnten.

Auch wenn es für das Boot nun eine Lösung gibt, so hätten die Bollendorfer doch gerne eine neue Feuerwache. „Wir wollen der Bevölkerung helfen und das ordentlich. Wir brauchen kein Schulterklopfen. Unser Traum wäre eine neue Wache“, sagt Rump. Die Ansprüche seien nicht hoch: Mehr Platz sollte es geben für die ganze Ausrüstung. Ein Aufenthaltsraum für Schulungen wäre toll. Und eine Dusche. „Wenn wir nach einem mehrstündigen Einsatz rabenschwarz und kontaminiert zurückkommen, wäre es schon schön, wenn wir uns in der Wache umkleiden und duschen könnten“, so der Wunsch des stellvertretenden Wehrführers. Das alte Feuerwehrhaus sei in die Jahre gekommen und auch nicht mehr zeitgemäß, sagt Rump.

Moritz Petry, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Südeifel, findet das auch alles wünschenswert, aber eine akute Notwendigkeit sieht er nicht. „Wir haben 50 Feuerwehreinheiten in der Verbandsgemeinde, da haben wir dringendere Dinge, die wir zuerst angehen müssen.“ So gebe es Prioritäten, die auch im Feuerwehrkonzept festgehalten sind, wie zum Beispiel die Ausrüstung für Atemschutz, die  Schlauchwäsche, die  Feuerwehreinsatzzentrale und die Kleiderkammer.

Bis auf die Feuerwachen in Gilzem, Körperich und Alsdorf, die neu gebaut beziehungsweise erweitert wurden, hätten auch 90 Prozent der anderen Feuerwehren weder Duschen noch Heizung, sagt Petry. Und das Feuerwehrboot müsse auch nicht zwingend in Bollendorf stehen. Das habe zuvor auch zehn Jahre in Irrel gestanden.  

Muss also doch der Weihnachtsmann ran. Vielleicht hilft ja ein Brief nach Himmelpfort.

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