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Eifelkreis und DRK bieten wöchentlich Plauderspaziergang für Senioren

DRK-Angebot : Bummeln gegen die Einsamkeit – Wie läuft ein Plauderspaziergang ab?

Der Eifelkreis und das Deutsche Rote Kreuz laden Senioren seit zwei Jahren zum Plauderspaziergang ein – um sie in Bewegung zu bringen, aber auch, um der Vereinsamung etwas entgegenzusetzen. Wir sind mitgelaufen.

Bitburg Hüften drehen sich im Kreis, Arme werden gehoben und gesenkt, Hände gestreckt und Fäuste geballt. Es ist Dienstagmorgen. Eine Gruppe von circa 15 Senioren steht auf dem Pferdemarkt in Bitburg im Kreis und macht sich warm. Nicht für ein erschöpfendes Sportprogramm, sondern für den gemütlichen Plauderspaziergang, zu dem  das Deutsche Rote Kreuz und die Kreisverwaltung Bitburg-Prüm seit knapp zwei Jahren wöchentlich einladen.

Auch wenn es bei dem Treffen nicht schweißtreibend zugehen soll, etwas Aufwärmen schadet nie. Angeleitet wird es von den beiden Gemeindeschwestern Ulrike Beuttler und Sabine Rodermann. Nach der kleinen körperlichen Ertüchtigung folgt erstmal eine kleine Vorstellungsrunde – Geselligkeit und Kontaktaufnahmen sollen schließlich im Vordergrund stehen. Jeder stellt sich kurz mit Namen seinem Nachbarn vor, dann geht es zu Fuß endlich los. Schnell bilden sich die ersten kleineren Gesprächsgruppen. Dieses Ziel ist also schon mal erreicht.

Das Angebot des Plauderspaziergangs richtet sich an Senioren, die mitunter nicht mehr so gut zu Fuß sind, dass sie alleine zu einem Stadtbummel aufbrechen würden, und die zudem Spaß daran haben, mit neuen Menschen in Kontakt zu kommen. Das  Motto des geselligen Rundgangs fasst Rodermann kurz und prägnant zusammen: „Übers Plaudern geht man und beim Plaudern geht man auch mehr.“

Jeden Dienstag um kurz vor zehn trifft sich die Gruppe am Pferdemarkt in Bitburg und läuft eine Stunde durch die Straßen der Stadt. Die Initiative gibt es nun schon etwas über zwei Jahre und seit Frühling 2021 hat sich eine recht stabile Kerngruppe von 15 bis 20 Personen herausgebildet. Neue Gesichter gibt es trotzdem immer wieder. Bei Interesse kann jeder Interessierte einfach an den Pferdemarkt kommen.

„Ich laufe hier mit, seitdem ich in Bitburg wohne. Das sind jetzt schon über zwei Jahre. Ich hab von dem Angebot gehört und finde es schön in Gemeinschaft spazieren zu gehen“, sagt Wolfgang Fritsch, 82 Jahre alt und Nutzer des Angebots. Fehlt einmal die rechte Lust, motivierten sich die Senioren auch mal gegenseitig mitzugehen, sagt er. Es entstehe ein richtiges Gruppengefühl.

„Einige haben sich am Anfang nicht zugetraut mitzukommen, da sie nicht mehr so gut zu Fuß sind. Aber dann liefen sie doch mal mit, kamen mit den anderen Teilnehmern ins Gespräch und haben darüber ihre Bedenken ganz vergessen. Man merkt richtig, wie die Senioren aus sich rausgehen. Durch Corona waren sie Menschenansammlungen nicht mehr gewöhnt, aber jetzt blühen sie richtig auf“, sagt Rodermann.

Es gebe auch immer wieder Bemühungen, Abwechslung in das Angebot zu bringen. So machte die Gruppe zum Beispiel bereits auch mal einen Ausflug ins Museum oder besuchte den Kleiderladen des DRK. So kehrt kein Trott in die Spaziergänge ein und sie bleiben für die Teilnehmer interessant. Ist das Ende des Weges erreicht, gehen manche Senioren gleich weiter auf eine gemeinsame Tasse Kaffee. Selten kann es aber leider auch mal sein, dass manche regelmäßigen Teilnehmer aussetzen müssen. „Wenn wir spazieren gehen, muss das Wetter schon passen. Bei Regen und Glätte haben viele Senioren Probleme voranzukommen. Aber wir haben auch ein paar Hartgesottene dabei, die sich trotzdem treffen“, sagt Rodermann.

„Ich nutze das Angebot, um unter Leute zu kommen“, sagt Ingrid Arnoldy. „Mein Mann ist vor einiger Zeit verstorben und die Kinder sind auch weg, dadurch ist man alleine. Es ist schön, sich einer Gruppe anzuschließen. Ich bin von Anfang an dabei. Ich hab in der Zeitung darüber gelesen und dachte mir, dass ich das mal versuche“, erklärt die 70-Jährige.

Nicht nur gegen Vereinsamung ist der Plauderspaziergang das richtige Gegenmittel. Das Angebot fördert letztlich auch ganz nebenbei die Gesundheit und die Beweglichkeit. Rodermann hat unter anderem beobachtet, dass sich mit der Zeit das Gangbild mancher Teilnehmer verändert hat, wobei der soziale Aspekt klar dominiert. Viele ältere Leute kämen kaum noch unter Menschen, wenn der Partner gestorben ist, die Kinder aus dem Haus sind. Auch die Pandemie stellt eine Gefahr zur Vereinsamung da. Der unter Einhaltung der Corona-Schutzmaßnahmen ausgerichtete Plauderspaziergang ist eine gute Gelegenheit, um in Kontakt mit anderen Menschen zu kommen.

Angst vor körperlicher Überforderung muss übrigens niemand haben. Je nach Teilnehmermenge wird der Spaziergang meist in zwei Teams aufgeteilt: eine langsamere und eine moderatere Gruppe. Die Senioren können sich dann je nach Tagesform der Runde mit dem passenden Tempo anschließen. Die Leiterinnen versuchen auch, die Gruppen immer wieder etwas zu mischen, damit jeder auch mal mit jedem spricht.

Für den Winter steht die Planung noch nicht ganz fest. Sie sei abhängig vom Wetter und der weiteren Pandemiesituation, aber es gebe schon einige Ideen, was man noch machen könne, sagt Rodermann. Man sei flexibel. So sei in der Zeit der strengen Corona-Bestimmungen das Angebot fortgesetzt worden, dann aber als eins zu eins Spaziergang: Jedem Senior wurde dabei eine Betreuungskraft zugeordnet.

(ckü)