Poldi, Projekte und ein plötzliches Ende

Poldi, Projekte und ein plötzliches Ende

Schluss nach 25 Jahren: Hubert Tautges ist nicht mehr länger Bürgermeister der Ortsgemeinde Winterspelt. Zusammen mit dem TV blickt er auf seine ereignisreiche Amtszeit zurück.

Winterspelt. Nach seinem schönsten Projekt gefragt, muss Hubert Tautges, ehemaliger Bürgermeister von Winterspelt, nicht lange nachdenken. "Das war der Kindergarten", sagt er wie aus der Pistole geschossen. Und dort machen wir dann auch das Foto. Schön ist es dort. Der Rasen gepflegt, die Spielgeräte tipptopp in Ordnung, und drinnen drücken sich die Kleinen die Nase am Fenster platt, um Poldi, Tautges' kleinen Hund, zu sehen.

Aus der Bütt' zum Ortschef



Dass er Bürgermeister geworden ist, verdankt er seiner Liebe zum Karneval. Büttenreden habe er immer gerne geschrieben, bis seine Frau zu ihm sagte: "Du veräppelst immer die Leute, dann weißt du ja sicher, wie es besser geht." Daraufhin stellte der parteilose Tautges eine eigene Liste auf. Auf Anhieb schafften es sechs seiner Leute in den elfköpfigen Gemeinderat.

Elf Dörfer gehören zu der Ortsgemeinde Winterspelt. Nicht immer einfach für einen Bürgermeister, allen gerecht zu werden. "Wir haben von jedem Dorf ein Mitglied im Gemeinderat", sagt er. Das sei auch immer gut gegangen, aber: "Wenn das eine Kind eine neue Klingel fürs Fahrrädchen bekommt, will das andere auch eine haben."

Neue Klingeln gab es in seiner Amtszeit viele. So wurden ein Sportplatzgebäude errichtet, das Gemeindehaus entkernt, der Kindergarten, das Feuerwehrhaus und die Grillhütte gebaut. Dabei war es ihm wichtig, den Wirten (ein Hotel, drei Kneipen) keine Konkurrenz zu schaffen. Im Gegenteil, Grill- und Gemeindehaus können auch von den Gastronomen genutzt werden.

Ein ganz wichtiges Projekt sei auch der Radweg gewesen, sagt der 61-Jährige. Ebenso der Bau zweier Radwanderbrücken über die Our. Verhindert habe er dagegen, dass der Ihrenbach in eine Betonwanne kommt. Statt Begradigung also Natur pur. "Wir haben eine noch viel größere Biberpopulation als im Alfbachtal", sagt er.

Groß wird in der knapp 1000-Einwohner-Gemeinde auch das Vereinsleben geschrieben. Sport-, Musik-, Fremdenverkehrsverein, Jugend- und Seniorengruppe, Kirchenchor und Feuerwehr sorgen für ein aktives Miteinander. Für den Informationsfluss sorgte der Bürgermeister selbst mit seinem "blauen Blättchen", auf dem er alle Neuigkeiten von der Taufe bis zum nächsten Messdienertreffen vermeldete. Bürgermeister sein - das ist kein Job mit Anfang und Ende, da muss man rund um die Uhr erreichbar sein.

"Wenn einer stirbt, dann rufen mich die Leute an", sagt Tautges. Das habe ihm nie etwas ausgemacht, im Gegenteil: "Ich habe das immer gerne gemacht."

Auch Diskussionen ist er nie aus dem Weg gegangen. Fraktionszwang ist ihm ein Gräuel: "Ich kann nicht leiden, wenn Leute im Verbandsgemeinderat etwas entscheiden, wo sie nicht dahinter stehen", sagt er. Jeder solle nach seinem Gewissen entscheiden. Im Gemeinderat habe es oft heiße Diskussionen gegeben, aber die Projekte wurden immer auf den Weg gebracht.

Der pensionierte Postbeamte hat selbst immer gerne Fußball und Schlagzeug gespielt. Heute fährt er mit Begeisterung Taxi. Dafür wird er in Zukunft noch mehr Zeit haben, denn bei der Bürgermeisterwahl erhielt er nicht genügend Stimmen für eine weitere Amtsperiode. Geschockt sei er darüber gewesen, sagt Tautges, der noch gerne die begonnenen Projekte zu Ende geführt hätte. Das muss nun jemand anderes tun, doch bisher hat sich kein Nachfolger gefunden.

Bis zum 27. September wird Tautges die Gemeinde kommissarisch leiten, dann soll es Neuwahlen geben, sofern es jemanden zum Wählen gibt. Tautges selbst lässt es noch offen, ob er noch einmal antritt. Bis zum 17. August hat er noch Zeit. Dann müssen die Unterlagen bei der Verwaltung eingetroffen sein.

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