Polizei kontrolliert LKW bei Bitburg

POLIZEI : Das letzte Glied in der Kette: Polizei kontrolliert Laster bei Bitburg (Fotos)

70 Einsatzkräfte, 30 Fahrzeuge, fast 50 Laster: Auf der B 51 und dem Flugplatz Bitburg hat am Dienstag eine Großkontrolle stattgefunden. Dabei gab es jede Menge Beanstandungen.

Es ist kalt. Eisig kalt. Eine frostige Böe pustet gegen die Plane des Lastwagens, die im Wind hin- und herklackert. Walter Klingels, Beamter bei den Zentralen Verkehrsdiensten der Polizeidirektion Wittlich, schaut nach oben, wo gerade sein Kollege, der oben auf der Ladefläche des Anhängers steht und die Ladung überprüft. Genauer: deren Sicherung. Und die ist nicht gerade perfekt. 24 Tonnen Stahl liegen im Lastwagen, nicht verzurrt und nicht – wie vorgeschrieben – auf Antirutschmatten gelagert. Diese liegen lose umher. „Der Fahrer hatte sie an Bord, war aber wohl beim Verladen des Stahls nicht dabei“, vermutet  Klingels. Doch die Verständigung ist schwierig: Der Fahrer des LKW, ein Bulgare, der mit zusammengekniffener Miene und tief in die Stirn gezogener schwarzer Kapuze neben seinem Wagen steht, kann kein Deutsch.

Während also Klingels und sein Kollege den LKW weiter untersuchen, wuseln jede Menge anderer Menschen auf dem Flugplatzgelände, direkt neben dem Tower, um weitere aus dem Verkehr gezogene Lastwagen herum.

70 Beamte mit rund 30 Dienstfahrzeugen sind bei der internationalen Schwerlastkontrolle im Einsatz – von der rheinland-pfälzischen Polizei, der Bundespolizei, dem Hauptzollamt, dem Bundesamt für Güterverkehr, der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord, dem Sonderabfallmagament sowie der luxemburgischen und belgischen Polizei. Acht Stunden lang überprüfen die Beamten stichpunktartig Lasterfahrer, die auf der B 51 zwischen Trier und Bitburg auffällig geworden sind – weil sie unzulässig überholt haben, zu schnell unterwegs waren, weil die Ladung nicht richtig gesichert scheint.

Die Besatzung eines Polizeihubschraubers aus Koblenz überwacht die Strecke, macht im Verdachtsfall Videoaufnahmen und informiert die Kollegen, die mit Streifenwagen und „in zivil“ auf der Strecke unterwegs sind. Sie „schleppen“ die Laster auf den Flugplatz, wo Fahrer und Wagen unter die Lupe genommen werden.

Und da gibt’s oft gleich mehrere Verstöße zu entdecken, in anderen, wenigen Fällen gar keine, wie Einsatzleiter Christian Hamm, Leiter der Polizeiinspektion Bitburg, der Presse im gut geheizten Versorgungszelt berichtet. Wie dem auch sei: Hamm hält diese Großkontrollen  für wichtig.

Nicht nur, um den Verkehr zu überwachen und erzieherisch auf die Fahrer und Spediteure einzuwirken, sondern auch um die Zusammenarbeit zwischen den Behörden und den Ländern zu stärken. Er sei natürlich froh, wenn wenige Verstöße festgestellt würden, sagt er.

Aber aus Erfahrung weiß er: Bei täglich 3000 schweren Fahrzeugen auf der B 51 gilt es kontinuierlich dranzubleiben. „Immerhin hat es 2018 zwei tödliche Unfälle mit Beteiligung von Lastwagen auf der B 51 gegeben“, sagt er.

Das gilt es, möglichst zu verhindern. Zum Beispiel, wenn man einen Fahrer, der Drogen genommen hat, erwischt. Wie gerade passiert. „Erster Fall von Drogen“, ruft ein Beamter Hamm zu. Dieser nickt, während sich der dick eingemummelte Informant Kaffee aus einer der beiden gelben Boxen in eine Plastiktassen laufen lässt. Dafür und für die weitere kulinarische Bewirtung im grauen Versorgungszelt ist die Abteilung Logistik und Technik des Polizeipräsidiums verantwortlich. Doch Mittagessen gibt’s erst später.

Erst müssen Walter Klingels und seine Kollegen sich um den LKW mit bulgarischen Kennzeichen kümmern. Die Ladung muss gesichert werden, sonst kann der Mann am Steuer nicht weiterfahren. Klingels telefoniert mit dem Spediteur, der offenbar gut Deutsch spricht.

Was Klingels nicht wundert. Denn dass deutsche Auftraggeber Fahrer aus Osteuropa beschäftigten, sei keine Seltenheit. In diesem Fall ist diese Tatsache hilfreich, denn der Spediteur muss nun eine Firma suchen, die die tonnenschwere Ladung anhebt, auf die Gummimatten legt und sichert, damit der Fahrer weiter kann. Klingels nennt dem Mann am anderen Ende der Leitung einige Unternehmen, die dafür infrage kommen. Der Mann will zurückrufen.

Inzwischen hat eine Überprüfung des Tachografen, der die Lenk- und Ruhezeiten festhält, und der AdBlue-Kontrolle (einem Gerät, das kontrolliert, dass die Abgasreinigung des  Dieselmotors kontinuierlich funktioniert) gezeigt: Der Fahrer hat nicht manipuliert. Aber – das haben die Beamten im Hubschrauber gesehen – verbotenerweise auf der B 51 überholt. Dafür wird ein Bußgeld fällig.

Aber: Er muss auch das Bußgeld für die ungesicherte Ladung und wohl zusätzlich die Kosten für die verspätete Ladungssicherung erst mal zahlen. Ob der Spediteur sich daran beteiligt oder diese übernimmt? Walter Klingels zuckt mit den Schultern. Am Ende würden die Fahrer, das letzte Glied in der Kette, oft mit Problemen am LKW alleine gelassen, sagt er.

Die Einsatzkräfte kontrollieren einen Holzlaster. Foto: tv/Ulrike Löhnertz
Uwe Michels (Zentrale Verkehrsdienste der Polizeidirektion Wittlich) kontrolliert die Daten der Lastwagen im Einsatzfahrzeug (linkes Foto). Norbert Schneider (Zentrale Verkehrsdienste der Polizeidirektion Wittlich) zeigt eine der LKW-Waagen in einem der beiden Fahrzeuge der Einsatzzentrale, die vor Ort sind (rechtes Foto). Foto: tv/Ulrike Löhnertz
Foto: tv/Ulrike Löhnertz

Manchmal müssten sie sogar mehrere Nächte warten, bis sie weiterfahren dürften. Und während er und seine Kollegen im Zelt Mittagspause machen, scheint der bulgarische Fahrer seine Schwierigkeiten zumindest teilweise geklärt zu haben. Denn nach der Pause kann der Spediteur eine Firma nennen, die die Ladungsdilemma sichern wird. Ob der Fahrer seinen Zeitplan einhalten kann? Wohl kaum.

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