Postplatz: Grabungen verzögern Baubeginn

Postplatz: Grabungen verzögern Baubeginn

Bevor die Neugestaltung des Postplatzes beginnen kann, vergeht noch Zeit. Zuvor interessiert sich das Landesmuseum Trier für das 4400 Quadratmeter große Gelände. Die Ausgrabungen dauern bis zu einem Dreivierteljahr.

Bitburg. Mit der Zahl der Neubauprojekte in der Stadt steigt zugleich auch das Wissen über ihre Bedeutung zur Römerzeit. Wenn in Bitburg Erde umgegraben wird, stoßen Archäologen fast immer auf neue Funde.
So auch im Jahr 2008: Beim Bau der Stadthalle entdeckten die Forscher vom Landesmuseum ein großes Gräberfeld mit Schädeln und Knochen aus spätrömischer Zeit. Bevor die Bauarbeiten in der Kölner Straße für das geplante Altenheim im Juni beginnen konnten, "haben wir auch dort sensationelle Entdeckungen gemacht", erklärt der Grabungstechniker Marcus Thiel vom Landesmuseum Trier. "Wir hätten nie gedacht, dass wir hier oben im Norden auch noch auf Reste der dorfähnlichen Straßensiedlung Vicus stoßen."
Ziegel und Mauerreste


Die römische Siedlung aus dem 1. und 3. Jahrhundert wäre somit viel größer als das römische Kastell Vicus Beda, eine befestigte Wehranlage mit 13 Türmen und zwei Toren aus dem 4. Jahrhundert nach Christus. Nach Schätzung des Grabungstechnikers könnte die Siedlung knapp 800 Meter lang gewesen sein. Sie endete im Süden wahrscheinlich am Postplatz.
Auch am Spittel, wie der Postplatz offiziell heißt, seien bereits Ziegel und Mauerreste gefunden worden. Deshalb hoffen die Archäologen dort weitere Überreste der Siedlung zu finden. "Da könnten Industriebetriebe gewesen sein, Töpfereien oder Schmieden, die man wegen ihrer Brandgefahr nicht unbedingt im Zentrum der Siedlung haben wollte", sagt Thiel.
Eine Neugestaltung des Postplatzes ohne archäologische Untersuchung sei nicht möglich, erklärt Karl-Josef Gilles vom Landesmuseum Trier. Das Gelände befinde sich im Grabungsschutzgebiet. "Wir hoffen, dass wir im September anfangen können und werden dann circa ein Dreivierteljahr graben", sagt Gilles.
Allerdings sei der Vertrag mit dem Investor, der GBT Wohnungsbaugesellschaft, die zu einer Beteiligung an den Kosten der Grabung verpflichtet sei, noch nicht unterzeichnet. GBT-Vorstandssprecher Stefan Ahrling stört die Verzögerung der Bauarbeiten für das Wohn- und Geschäftshaus nur geringfügig. "Die haben ja den Anspruch, graben zu dürfen. Dann müssen wir halt der Archäologie ihren Tribut zollen und so lange warten”, sagt Ahrling.
Die Bauarbeiten können dann erst im Mai 2013 beginnen. Damit wäre der Neubau frühestens Ende 2014 bezugsfertig - ein Jahr später als zunächst geplant. Bevor die Forscher vom Landesmuseum ihre Arbeit aufnehmen, "wird der Bauherr zunächst das alte Postgebäude abreißen", erklärt Grabungstechniker Thiel. Auch das Pflaster vom Postplatz kommt runter, bevor die Archäologen ihre ersten Suchgräben ziehen können. Danach buddeln sich die Archäologen mit Bagger, Schaufel, Kelle und Pinsel für ein Dreivierteljahr ins Erdreich, um mehr über Bitburgs Römerzeit ans Licht zu bringen. "Bislang haben wir ja nur Streuergebnisse, da wir in Bitburg keine flächendeckende Ausgrabung machen können", sagt Gilles.
Ein Jahr später als geplant


Ob die Forscher am Postplatz bedeutende Funde aus der Römerzeit machen, hängt davon ab, wie unberührt der Boden unter dem Gelände ist. "Das Postgelände hat Bereiche, die nichts mehr hergeben", erklärt Thiel.
Die Kellerräume unter dem Postgebäude sowie der 100 Quadratmeter große Luftschutzbunker unter dem Postplatz gehören dazu. Dort sei der Boden in vergangenen Zeiten vermutlich so tief ausgeschachtet worden, dass er für die Archäologie zerstört sei, meint Grabungstechniker Thiel. Mit großer Sicherheit erwarten die Forscher hingegen, dass sie unter dem Postplatz auf Überreste der mittelalterlichen Stadtmauer aus dem 14. Jahrhundert stoßen.
Letzte Grabung erfolgreich


Die letzte Grabung in Bitburg war von Erfolg gekrönt. Erst vor einem Monat haben die Archäologen in der Kölner Straße das Feld geräumt und konnten bedeutende Fundstücke präsentieren: römische Münzen, Gewandspangen aus Bronze, Haarnadeln und Keramikreste.
Kurz vor dem offiziellen Ende der letzten Grabung war dem Landesmuseum jedoch das Geld ausgegangen. Eine private Initiative hat den Forschern kurzfristig mit einer Kapitalspritze in Höhe von 6000 Euro geholfen. Damit konnten die Archäologen weitere drei Wochen graben.
"Nur die Brunnen, die wir gefunden haben, konnten wir nicht mehr bis in die Tiefe ausgraben", klagt Karl-Josef Gilles vom Landesmuseum Trier.
Aber genau dort seien immer die bedeutendsten Fundstücke zu erwarten. Das sei all das, "was den römischen Siedlern versehentlich in den Brunnen gefallen ist."
Und genau dort werden die Überreste vermutlich auch für immer bleiben. Denn der Grabungstechniker Marcus Thiel glaubt nicht, "dass die Ausschachtungen für den Neubau tiefer hinabreichen werden als die römischen Brunnen."

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