Praktikumsförderung jetzt auch bei Kinderärzten

Medizin : Die Jung-Doktoren können kommen

Na also: Mit Beginn des Jahres erhalten jetzt auch die Kinderärzte – wie ihre Allgemeinkollegen – eine monatliche Förderung für ihre Praktikanten. Gerade in der Eifel hatten sich im Sommer die Mediziner beschwert, weil sie sich von der Kassenärztlichen Vereinigung unfair behandelt sahen. Das ist nun vorbei.

Kinderärztin Susanne Hoffmann freut sich: „Das zeigt, dass es sich lohnt, den Mund aufzumachen“, sagt sie. Stimmt, im vergangenen Juli hatte sie gemeinsam mit ihrem Prümer Praxiskollegen Matthias Stahl die Kassenärztliche Vereinigung (KV) dafür kritisiert, dass nur Allgemeinmediziner 500 Euro im Monat erhalten, um damit ihre Praktikanten (Fachbegriff: Famulanten) zu unterstützen (der TV berichtete).

Nun hat die Delegiertenversammlung der KV bei ihrer letzten Sitzung des abgelaufenen Jahres beschlossen: Auch die Kinderärzte erhalten das Geld, wenn sie Jungmediziner im Praktikum haben. „Ab 1. Januar können hier in der Tat auch Förderungen erfolgen“, bestätigt KV-Landespressesprecher Rainer Saurwein. Diskussionen darüber? Fehlanzeige: „Es gab niemanden, der etwas dagegen hatte.“

So einfach kann das also gehen – wenn es auch lange dauerte, bis der Entschluss durch war. Das Geld wird allerdings nach Ansicht der Kinderärzte auch dringend gebraucht, wenn man Nachwuchs finden und in die Praxen lotsen möchte. Vor allem – das alte Sorgenthema – auf dem Land: Vergangenen Juli berichtete die Dauner Kinderärztin Martina Holz in einem weiteren TV-Artikel, dass eine ihrer Kandidatinnen vom Praktikum wieder abgesprungen sei. Weil sie eben keine Förderung erhielt, auf das Geld aber angewiesen war. Die nächste Praktikantin unterstützte die Medizinerin dann aus eigener Tasche.

Das muss sie künftig nicht mehr. „Wir freuen uns jetzt über den Sinneswandel bei der KV“, sagt Matthias Stahl. „So wie es aussieht, waren wir mit unserem Protest im TV besonders aufgefallen“, mutmaßt er, verweist aber sogleich darauf, dass „auch andere Kinder- und Jugendärzte sich unseres Wissens nach beschwert haben.“

Dabei gehe es auch nicht allein um die 500 Euro, ergänzt er, sondern auch „um die Gleichbehandlung und die Wertschätzung der Pädiatrie“.

Die Förderung werde bei Allgemeinärzten bereits gut von den angehenden Medizinern angenommen, sagt Matthias Stahl. Im abgelaufenen Jahr seien schon mehr als 300 Famulaturen bezuschusst worden. „Wir als Pädiater hoffen jetzt auf ähnlichen Zuspruch, nicht zuletzt im Interesse unserer kleinen Patienten, für deren fachliche medizinische Betreuung wir junge Ärzte und Ärztinnen auch in den Praxen im ländlichen Raum begeistern wollen.“

Als die erfreuliche Nachricht im aktuellen Ärzteblatt veröffentlicht wurde, hat Susanne Hoffmann den Auszug auch auf ihre Facebook-Seite gestellt. Und sofort erhielt sie jede Menge erfreute Reaktionen darauf, die ihr zudem zeigten, dass die Leser gut im Thema waren: „Ich war erstaunt, dass so viele das wussten“, sagt sie.

KV-Sprecher Rainer Saurwein verweist unterdessen darauf, dass die Entscheidung, Praktika bei Kinderärzten ebenfalls zu fördern, sich ungeachtet der Kritik aus den Reihen dieser Kollegen bereits länger abgezeichnet habe. Alle diese Regelungen, sagt er, „befinden sich in einer evolutionären Entwicklung“.Und die KV könne dabei nicht immer auf alle Forderungen der Kollegen in den diversen Fachgebieten eingehen – andernfalls nämlich müsste man den Mitgliedern „den fünffachen Beitragssatz“ abknöpfen.

Im vergangenen Jahr praktizierten nach Angaben der KV in Rheinland-Pfalz 2726 Haus- und etwa 350 Kinderärzte. Im Kreis Vulkaneifel sind es 44 Haus- und vier Kinderärzte, im Eifelkreis Bitburg-Prüm 54 Haus- und sechs Kinderärzte. Sie alle brauchen Nachwuchs: Bis zum Jahr 2023, so die Angaben der KV, werden etwa 59 Prozent aller aktuell tätigen Hausärzte und 58 Prozent der Fachärzte (zu denen in dieser Statistik auch die Kinderärzte gerechnet werden) aus dem Beruf ausgeschieden sein.

Vielleicht aber hilft ja die neue Regelung bei der Praktikumsförderung: Fürs Erste sind die Kinderärzte zufrieden mit dem Beschluss. „Und wir freuen uns darauf“, sagt Susanne Hoffmann, „dass sich der nächste Famulant bei uns meldet.“ Nur zu.

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