Praxisstandort gerettet, Patienten erleichtert

Medizinische Versorgung : Praxisstandort gerettet, Patienten erleichtert

Geht ein Arzt in Rente, muss das nicht das Ende des Praxisstandorts sein. Das zeigt die Übernahme eines Dudeldorfer Arztbetriebs durch die Eifeler Ärztegenossenschaft Medicus eG.

Einen Hausarzt auf dem Land zu finden, ist keine leichte Aufgabe. „Ich habe unzählige Praxen angerufen. In Bitburg, in Speicher, aber die meisten nehmen ja keine neuen Patienten mehr an“, sagt ein Mann im Wartezimmer der ehemaligen Praxis Halberkann in Dudeldorf. Er ist froh, dass es dort jetzt weitergeht – wenn auch erst mal nur für zehn Stunden die Woche (siehe Info).

Auch Sylvia Hardtmer aus Beilingen atmet auf: „Wir haben überall herumtelefoniert. Die meisten nehmen neue Patienten ja nur in Notfällen auf.“ Nun kommt sie mit ihrem Mann wieder nach Dudeldorf. Möglich macht das die Eifeler Ärztegenossenschaft Medicus. Sie hat  die Praxis übernommen und in Dudeldorf diesen Monat eine Zweigstelle eröffnet. Zunächst mit eingeschränkten Sprechzeiten.

„Leider“, wie Medicus-Vorstand Michael Jager betont. Der Allgemeinmediziner aus Bitburg würde das Engagement gerne auf 20 Stunden die Woche ausweiten. „Aber da war die Kassenärztliche Vereinigung erst mal nicht für zu gewinnen“, sagt Jager. Der Grund, der ihm genannt wurde: Die Hauptpraxis in Bitburg dürfe unter dem Engagement nicht leiden. Aber wer ihn kennt, weiß, dass er sich damit nicht zufrieden geben wird.

Zwei Jahre haben der Medicus-Chef und sein Team um eine Zulassung der KV gekämpft, damit die Eifeler Ärzte-Genossenschaft, in der sich neun Mediziner zusammengeschlossen haben, überhaupt ein so genanntes dezentrales medizinisches Versorgungszentrum betreiben darf (der TV berichtete mehrfach). Im Herbst 2018 war es dann so weit. Nach heftigen Protesten vor Ort und politischer Intervention gab es dann endlich die Zulassung für die Eifeler Ärztegenossenschaft – die inzwischen längst überregional für Aufsehen sorgt.

„Mich rufen Ortsbürgermeister aus dem ganzen Bundesgebiet an“, sagt Jager, der das Modell Medicus schon in Berlin und vielen anderen Orten vorgestellt hat. Kein Wunder. Die Sache funktioniert, wie die Übernahme der Dudeldorfer Praxis – nach der erfolgreichen Übernahme der ehemaligen Praxis Jager in Bitburg – zeigt.

Das Prinzip: Die Medicus eG kauft die Praxis, übernimmt – so war es in Bitburg – die Angestellten. Die Gewinne der Praxis fließen in die Genossenschaft. Jager selbst arbeitet nun als Angestellter – und hat damit zum Ende seines Berufslebens genau das, was sich viele junge Mediziner gleich nach der Ausbildung wünschen: flexible Arbeitszeiten und die Möglichkeit zur Teilzeitarbeit. Etwas, das als Unternehmer im Ein-Mann-Praxis-Betrieb eben nicht möglich ist.

Genau darin sieht Jager auch die große Chance der Ärztegenossenschaft, junge Kollegen auch für das Hausarztdasein auf dem Land zu begeistern. „Es gibt einige Kollegen, die aus der Krankenhaus-Maschinerie raus wollen und mit denen ich in Verhandlung stehe, sie für unsere Genossenschaft zu gewinnen.“ Drei Interessenten hat er: eine Unfallchirurgin, eine Internistin und einen Assistenzarzt. Das Problem: Alle drei haben keine Facharztausbildung für Allgemeinmedizin.

Die Lösung: Sie sollen nun als Weiterbildungsassistenten den Facharzt Allgemeinmedizin nachträglich erwerben. „Die arbeiten dann zwei Jahre in Praxen und haben noch mal eine Prüfung“, erklärt Jager. Das ist aber nur in Praxen möglich, die eine entsprechende technische Ausstattung und eine Weiterbildungsbefugnis haben. Kooperationspartner sind bereits gefunden: „Neben meiner ehemaligen Praxis sind zwei weitere aus Bitburg und eine aus Bettingen bereit, die Weiterbildungsassistenten aufzunehmen“, sagt Jager.

Für ihn ist das ein Lichtblick. Denn Ärzte fürs Land zu gewinnen ist nicht so leicht. Aber nur mit ausreichend Personal geht die Medicus-Idee, leerstehende Praxen zu übernehmen und als Zweigstellen weiterzuführen, am Ende auch auf.

Deshalb ist für Jager klar, dass noch mehr passieren muss. Sein Ziel: Die komplette Facharztausbildung Allgemeinmedizin sollte im Verbund mit dem Krankenhaus und entsprechenden Praxen niedergelassener Ärzte als Komplettpaket für fünf Jahre so wie in Prüm und Wittlich auch in Kooperation mit dem Bitburger Krankenhaus möglich sein. Die Hoffnung: Wer nach dem Studium erfährt, dass man auch in der Eifel richtig gut leben kann, vielleicht einen Partner findet oder Natur und günstigere Wohnpreise schätzen lernt, bleibt dann auch nach der Facharztausbildung in der Eifel.

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