Preußischer Pionier der Eifelliteratur

Preußischer Pionier der Eifelliteratur

Am 7. Januar jährte sich der Todestag von Georg Bärsch zum 145. Male. Aber vergessen ist er nicht, wird er wohl auch nie, denn er hat so viel Bedeutendes für die Eifel geleistet, dass Lobeshymnen auf ihn Bücher füllen würden.

Prüm. Georg Bärsch wurde am 30. September 1778 in Berlin geboren. Ursprünglich war er für die militärische Laufbahn vorgesehen, in der er es auch bis zum Rittmeister und Major brachte. Aber bald wurde seine stärkere Begabung im Bereich des politischen Handelns erkannt, und deshalb wurde er Ende 1816 in die Regierungsverwaltung berufen. Die damalige Regierung beauftragte ihn, die Rheinprovinz politisch neu zu organisieren, denn diese sowie die gesamte Eifel waren nach dem Wiener Kongress dem Königreich Preußen zugeteilt worden. Nach relativ kurzer Tätigkeit in den heutigen nordrhein-westfälischen Landkreisen Lechenich und Soest erhielt Bärsch dann 1819 seine Ernennung zum ersten Landrat des Kreises Prüm.

Mit großem Interesse und unermüdlichem Fleiße widmete er sich seinen Aufgaben. Erschüttert, dass die Eifel im Gegensatz zu anderen preußischen Provinzen äußerst arm und rückständig war, dass ihr neueste Erkenntnisse der Land- und Forstwirtschaft fehlten und so gut wie überhaupt keine schulische Ausbildung im Volk vorhanden war, wandte er seine Arbeit schwerpunktmäßig hin auf die Verbesserung der wirtschaftlichen und kulturellen Verhältnisse der Eifel und in Sonderheit auf den Kreis Prüm.

Bildung befreit aus Armut und Rückständigkeit



Und dieses Tun geschah unter den schwierigsten Verhältnissen, war aber bis heute sehr segensreich. Er baute Kirchen und Schulen, ordnete Fortbildungen für Landwirte an, ließ Ödland aufforsten, sumpfige Wiesen trockenlegen und förderte die Bildung der Lehrer und Priester. Mit sehr viel Steuergeld und staatlichen Fördermitteln unterstützte er die Landwirtschaft, sorgte für die genaue Einhaltung von Gesetzen, kontrollierte die Verwaltungen bis ins kleinste Dorf und baute das Eifeler Verkehrswegenetz weiter aus, damit dieser Landstrich sich leichter aus seiner einstiges Abgeschiedenheit lösen konnte.

Eine wahre Fundgrube ist sein Buch, das er 1834 unter dem Titel "Beschreibung des Regierungsbezirkes Trier" herausbrachte. Es liefert bis heute wertvolle Statistiken und spiegelt den damaligen wirtschaftlichen und kulturellen Zustand unseres Eifelraumes wider. Höchste Anerkennungen wurden ihm zuteil, unter anderem beförderte ihn der preußische König zum Regierungsrat der Trierer Bezirksregierung, später zum Geheimen Regierungsrat, und die Universität Bonn verlieh ihm die Ehrendoktorwürde der Philosophie.

Seinen bis heute höchsten Bekanntheitsgrad verdankt er der Herausgabe der "Eiflia illustrata", einem fundamentalen Geschichtswerk und bemerkenswerten Sammlung zur Geschichte der Eifel. Jahrelang hatte Bärsch neben seinen Verwaltungsaufgaben leidenschaftlich Urkunden und Akten zur Geschichte der Fürstenhäuser und Klöster der Eifel und des Rheinlandes gesammelt. Regelmäßig ordnete er Ortsbürgermeister und Lehrer an, ihm Urkunden, Dokumente, historische Daten zukommen zu lassen, die er auswertete und schriftlich ausarbeitete. Äußerst hilfreich dabei war ihm das in Latein geschriebene Buch des Historikers Johann Friedrich Schannat (1683-1739), das dieser für den Erzbischof von Prag und Grafen von Blankenheim-Manderscheid unter dem Titel "Eiflia illustrata" verfasst hatte.

Revolutionäre Bauern vertreiben Bärsch aus Prüm



Als Bärsch dieses Werk zufällig in der Bibliothek in Darmstadt fand, ließ er es ins Deutsche übersetzen, aktualisierte und ergänzte es mit seinen gesammelten Unterlagen. Und die waren so reichhaltig, dass Bärsch letztlich das Schannat'sche Manuskript zu einem achtbändigen Werk ausarbeitete, das dann von ihm zwischen 1824 und 1855 in drei Bänden veröffentlicht wurde. Bis heute zählt es in seiner historisch-geografischen Beschreibung zu den wichtigsten Standardwerken der Eifelliteratur.

1848 trat er mit 70 Jahren in den Ruhestand. Gerne wäre er wohl in Prüm geblieben. Dort erlebte er aber die politischen Wirren dieses revolutionären Jahres und auch die Erstürmung des "Zeughauses in Prüm" durch revolutionäre Bauernhorden. Das erschütterte seinen patriotischen Sinn aufs Tiefste. So zog er sich desillusioniert aus Prüm nach Koblenz zurück, wo er 1866 im Alter von 88 Jahren verstarb.

Landrat Georg Bärsch hat sich mit seiner Forschungsarbeit, den zahlreichen Berichten und Aufsätzen und seinem Werk "Eiflia illustrata" selbst ein literarisches Denkmal gesetzt. Die Stadt Prüm setzte ihm bereits kurz vor 1930 ein steinernes Denkmal am Hahnplatz. "Dem Geschichtsschreiber der Eifel Landrat Georg Bärsch" ist auf ihm zu lesen, denn Prüm weiß in Dankbarkeit, dass der Name seines ersten Landrats für immer in innigster Verbindung mit der Eifel und der Stadt bleiben wird.

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