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Probleme mit dem Straßenverkehr in Prüm

Straßenverkehr : Hier regiert das Blech

So viele Autos, so schnell unterwegs: Die Prümer hadern wieder einmal mit dem Thema Straßenverkehr.

Eine Beobachtung vom Hahnplatz, vor ein paar Tagen gemacht: Ein Wagen rollt den Fuhrweg hinab, der dort in den Kreisverkehr mündet. Der Fahrer guckt kurz, gibt Gas und zieht mit Schmackes in den Kreisverkehr – nach links. Und biegt dann, ebenfalls gegen die erlaubte Richtung, in die Hahnstraße ab.

Wenige Minuten später: Ein Auto mit auswärtigem Kennzeichen nähert sich dem Kreisel und hält kurz an. Der Fahrer will sich offensichtlich orientieren. Das geht einem anderen, direkt dahinter, nicht flott genug. Er drückt nach zwei Sekunden auf die Hupe. Kommentar einer Beobachterin: „So vergrault man seine Gäste.“

Passt alles zum beherrschenden Thema der vergangenen Stadtratssitzung, dem Straßenverkehr. In unserem Bericht darüber (TV vom 11. Mai) hatten wir es kurz angerissen. Unter anderem berichteten Anwohner der Wenzelbachstraße von Fahrern, die viel zu schnell dort unterwegs seien und sich, sagte Stefan Ebbertz von der FWG-Fraktion, dabei regelrechte Rennen lieferten.

Im gleichen Zusammenhang bekennt Stadtbürgermeisterin Mathilde Weinandy (CDU), „fast jede Woche“ von Bürgern zu hören, die sich über das Verhalten von Autofahrern ärgern: „Keiner achtet rechts vor links, keiner hält sich an Tempo 30. Ich weiß nicht, wie ich das alles regeln soll.“ Und sie ergänzt wie zur Bestätigung der eingangs beschriebenen Szene: „Wenn du irgendwo anhältst, um einen vorzulassen, kriegst du gleich gehupt.“

Immerhin: Am Übergang von der Bahnhof- zur St. Vither Straße zwischen Prüm und Niederprüm soll bald das Tempo von 60 auf 50 Kilometer pro Stunde heruntergeregelt werden – weil dort der Radweg die Straße quert.

Apropos St. Vither Straße. Das ist die Hauptader durch Niederprüm. Ginge es nach Bernd Weinbrenner von der SPD, würde das flott geändert, und zwar durch eine Umgehung: „Was den Bürgern dort zugemutet wird, ist unter aller Kanone“, sagt er und meint das Verkehrsaufkommen. Stimmt. Tausende Fahrzuge klemmen sich täglich durch den Stadtteil.

Eine Umgehung? Ja, findet Weinbrenner: An der Wenzelbach abzweigen und dann am Stadtteil vorbei bis zur Autobahnauffahrt, „das wäre doch ein Klacks“.

Nun sei eine solche Überlegung vor Jahren schon einmal Thema gewesen, sagt die Stadtbürgermeisterin, habe sich aber zerschlagen. Es folgt ein klassischer Weinandy-Weinbrenner-Dialog: „Zu mir“, sagt die Stadtchefin, „ist noch kein Bürger aus Niederprüm gekommen und hat gesagt: Wir wollen eine Umgehung.“ Antwort Weinbrenner: „Die haben aufgegeben.“

Und dem Niederprümer Ortsvertrauensmann Klaus Franzen, der darauf verweist, dass die Geschäftsleute wohl kaum Freude an einer Umgehung hätten, entgegnet Weinbrenner: „Was haben wir denn für Geschäftsleute in Niederprüm?“

Nun ja, ein paar sind da schon. Zweirad-Technik März zum Beispiel. Zu viele Fahrzeuge? „Von mir aus könnten es noch 10 000 mehr sein“, sagt Ferdinand März und bekennt, sich jedesmal zu freuen, wenn der Verkehr von der A 60 ab- und durch Niederprüm geleitet werde. Denn „wenn wir abhängig wären von den Einheimischen, könnte ich den Strom abstellen. Wir leben vom Verkehr.“

Sagt auch, ein paar Straßenmeter weiter, Liane Kruft vom Skulpturenpark: „Zu uns kommen sehr viele Touristen. Und viele, die zufällig hier durchfahren und dann anhalten.“ Eine Umgehung, auch wenn Weinbrenners Vorstoß durchaus ehrenwert sei, „das wäre eine Katastrophe“. Zumal viele Besucher ja auch nach Prüm führen. Auch sie empfehle allen Gästen den Abstecher in die Stadt.

Nein, die Autos sollen ruhig kommen, allerdings geregelt: „Ich bin eher dafür“, sagt Liane Kruft, „dass man hier eine Verkehrsberuhigung macht. Damit nicht alle hier durchrasen wie die Geisteskranken.“

Daher wünscht sie sich mehr Polizeikontrollen. Oder wenigstens einen Signalkasten am Straßenrand, der dem Autofahrer per Lächelgesicht zeigt, dass er korrekt unterwegs ist. Denn immerhin sei Niederprüm ein Dorf, sagt Liane Kruft. „Hier laufen Leute über die Straße. Oder Hunde und Katzen, die haben keine Chance.“

„Das ist fast schon eine Frechheit, dass ein Stadtratsmitglied so etwas in den Mund nimmt“, sagt Jürgen Müller, Vorstandsmitglied im Gewerbeverein und Inhaber des Heim- und Handwerkerfachmarkts „Werkers Welt“, ebenfalls an der St. Vither Straße. Außerdem sei Niederprüm ja prima zu umgehen, wenn man zwischen A 60 und der Stadt einfach auf der Bundesstraße 51 bleibe.

Müller hat inzwischen bereits mit einer Reihe weiterer Gewerbetreibender in Niederprüm über das Thema gesprochen. Ergebnis: Sollte der Stadtrat ernsthaft über eine Umgehung nachdenken, sagt er, „dann gäbe es ein richtig großes Donnerwetter“. Und dann müsse man fragen, „ob da die richtigen Leute sitzen“.