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Probleme von der Seele malen

Probleme von der Seele malen

BITBURG. (lyv) Kunsttherapie heißt das Heilmittel, das kranke Seelen wieder heilt. Das Angebot gibt es seit 1996 auch in der Tagesklinik der Südeifelkliniken in Bitburg und im Gerolsteiner Krankenhaus.

Dunkle Farben, unklares Motiv, so sieht das Gemälde eines Patienten aus, der am Anfang der Therapie steht. Ein weiteres Bild wird in der Farbgestaltung heller und lässt das eigentliche Motiv erahnen. Das dritte Werk desselben Patienten zeigt helle Farben, klare Sicht und das Motiv eines Bootes, das Land ansteuert. Ein Ergebnis, mit dem die Kunsttherapeutinnen Renata Käpper und Silke Meier zufrieden sein können. Die beiden Frauen betreuen in der Tagesklinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Bitburg Menschen, die psychische Hilfe brauchen, auf der Basis künstlerischer Tätigkeit. Unvorstellbar - ein Leben ohne Kunst

Mit der Psychiatriereform von 1992 sollte psychisch kranken Menschen die Möglichkeit eröffnet werden, ortsnahe Therapiemöglichkeiten wahrnehmen zu können. So wurde die Tagesklinik in Gerolstein und 1996 auch in Bitburg gegründet. Beide Kliniken arbeiten unter der Trägerschaft der Marien-GmbH zusammen. In Bitburg von Anfang an dabei ist Renata Käpper, die ein Studium an der staatlichen Fachhochschule für Kunsttherapie in Ottersberg bei Bremen absolvierte. Kollegin Silke Meier besuchte die Fachhochschule für Kunsttherapie in Nürtingen bei Stuttgart und steht seit über einem Jahr den Patienten als Kunsttherapeutin zur Seite. Beide Frauen können sich ein Leben ohne Kunst nicht vorstellen: "Es ist wie ein innerer Drang", sagt Meier. Bei ihr steht Malen und Filzen im Vordergrund. Malen und bildhauerische Arbeiten sind Renata Käppers Lieblingsbeschäftigungen. Eine Ausstellung beider Therapeutinnen war unlängst im Krankenhaus zu sehen. Bei so viel praktischem wie auch theoretischem Grundwissen sind die Patienten in der Tagesklinik in Bitburg bestens betreut. Diese werden bei Psychosen, Depressionen, Angststörungen, Traumata, Ess- oder Persönlichkeitsstörungen von Haus- oder Fachärzten in die Tagesklinik überwiesen. Hier findet zunächst ein Vorgespräch statt, bei dem die Therapeutinnen herauszufinden versuchen, welche Kunsttherapie zu jedem einzelnen Patienten passt. Angeboten werden Plastizier- und Maltherapie, Projektarbeit, kreatives Gestalten oder das offene Atelier. 20 Plätze stehen zurzeit in der Tagesklinik zur Verfügung. "In einer Gruppe sind in der Regel sieben Personen", sagt Käpper. "Dabei geht es darum, das Selbstbewusstsein zu stärken und in Kontakt mit anderen Gleichgesinnten zu kommen." Aber auch innerlich klare Strukturen zu finden und Freude zu erleben, sind Ziele der Therapie. "Ich versuche, mit dem Patienten einen Weg zu erarbeiten, um etwas, was nicht in Worte zu fassen ist, dennoch einen Ausdruck zu verleihen", betont Käpper. "Der Weg ist das Ziel", weiß Silke Meier, "dabei geht es nicht um ein perfektes Ergebnis, sondern um die Erfahrung, neue Wege zu entdecken, Schwächen und Stärken zu erkennen, um damit ins Leben hineinzugehen."