Projekt "Schreibtisch in Prüm" ist verlängert bis 2022

Modernes Arbeiten : Bitte Platz nehmen, für drei weitere Jahre

Günstiger Arbeitsplatz: Das Projekt „Schreibtisch in Prüm“ ist jetzt vom Land verlängert worden. Bis 2022 kann man im ehemaligen Landratsamt weiterschaffen. Und das tun mehr und mehr Leute.

Es funktioniert immer besser: Der „Schreibtisch in Prüm“, das Projekt mit günstig mietbaren Arbeitsplätzen und -räumen im früheren Landratsamt in der Kalvarienbergstraße, bleibt der Abteistadt erhalten. Und zwar weitere drei Jahre, bis 2022.

Seit Juli 2017 besteht das Angebot, 2018 wurde es zunächst um ein Jahr verlängert. Für manche war das zu kurzfristig, die erneute Verlängerung mache den „Schreibtisch“ jetzt für mehr Adressaten attraktiv, sagt Annika Saß von der Landesagentur. „Im Moment haben wir vier regelmäßige Nutzerinnen und Nutzer.“

In die Wege geleitet wurde das Pilotprojekt von Aloysius Söhngen, dem Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG) Prüm: „Das stammt ja aus dem Projekt ,digitale Dörfer’“, das ebenfalls von der Entwicklungsagentur initiiert worden sei, sagt Söhngen zur Entstehung. Der Prümer VG-Chef, derzeit Vorsitzender des Landes-, Gemeinde- und Städtebunds, gehört in dieser Funktion auch dem Projektbeirat an. „Das war einer der Vorschläge, die man realisieren wollte, aber nicht so richtig realisieren konnte. Da haben wir gesagt: Das probieren wir bei uns.“ Und dankenswerterweise habe dann der Kreis die unbenutzten Räume, unter dem gleichen Dach wie auch die Bundespolizei, zur Verfügung gestellt.

„Ich bin zunächst mal froh, dass die das weitermachen. Und zweitens, dass es so angenommen wurde.“ Erstaunlich, sagt Söhngen, sei die unterschiedliche Struktur bei den Nutzern, „und die wandelt sich ja auch stetig“.

Stimmt: Johannes Lorenz zum Beispiel wohnt in Neuheilenbach und freut sich, ein Außen-Heimbüro zu haben: „Von der Logistik her ist alles da, was ich brauche. Ich hab meine Ruhe, kann die Familienlogistik entzerren (er nimmt an manchen Tagen seine Tochter mit nach Prüm, wo sie zur Schule geht) und meinen Einkauf machen“, sagt der 46-jährige Ingenieur für Maschinenbau-Kunststofftechnik.

Sein Job? Er arbeitet für ein Heilbronner Unternehmen, das Messgeräte baut. „Ich bin der ganz normale, klassische Außendienstler. Und kümmere mich um den Kundenkreis in Norddeutschland, Belgien, Luxemburg und den Niederlanden.“ Und da sei es einfach gut, näher dran zu sein, da er auch zu den Kunden rausfahren muss. Kurz: „Mein persönliches Pilotprojekt läuft gut.“

Der Prümer Heinz Bonefas ist Ruheständler, wenn auch nicht ganz: Zusammen mit Heinz Fäte, früher bei Streif, baut er jetzt einen Weinvertrieb auf (und bleibt sozusagen in seinem früheren Metier). Und der heißt, klar irgendwie bei den Vornamen: H & H Weinkeller. Schon als er sich in Ahrweiler zum Weinberater ausbilden ließ, nutzte er den Raum im Ex-Landratsamt: „Da konnte ich schön lernen.“ Sein Compagnon übrigens lebt in Schwabach bei Nürnberg. Kein Problem: „Er macht Rechnungswesen, Finanzen – und nimmt Bestellungen entgegen und schickt sie mir hier hin.“ Bonefas regelt dann die Lieferungen vom Lager in Dausfeld aus. Er betreibt außerdem einen Service für Krankenfahrten – und auch dafür erledigt er alles in seinem gemieteten Büro: „Weil man hier in Ruhe schaffen kann. Und ich hab hier alles – W-Lan, Drucker, Computer, Aktenschränke.“

Schon länger dabei ist Ulrike Kübler, in Diensten einer Firma in Eitorf: Ihre Mutter lebt in Prüm und braucht Betreuung, daher arbeitet Ulrike Kübler an drei Wochentagen in der Stadt, um sich kümmern zu können (der TV berichtete). Aktuell der Vierte im Schreibtischbunde: Ben Baert, er arbeitet selbstständig in der Entwicklung von Internetseiten. Baert wohnt in Belgien, er nutzt nach Angaben der Entwicklungsagentur den Platz in Prüm, um Zuhause und Arbeit zu trennen – und wegen der Internetverbindung.

Seit Juli 2017 wird in Prüm erprobt, wie sich das Modell, in Großstädten bereits etabliert, auf das Land übertragen lässt. Es soll Pendlern, Selbstständigen und Fachkräften einen Arbeitsort bieten, der ihnen weite Fahrten ins Büro erspart – und die Isolation, die man beim Arbeiten daheim erleben kann, alles zu günstigen Kosten.

Die Etage im ehemaligen Landratsamt ist mit Schreibtischen, Druckern, drahtlosem Internet, einer Kaffeeküche. einem Besprechungs- und Sanitärraum ausgestattet. Wochentags kann man einen der Arbeitsplätze nach Bedarf mieten. Der „Schreibtisch“ wird getragen von der Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz und unterstützt vom Eifelkreis Bitburg-Prüm und der Verbandsgemeinde Prüm.

Darauf ein Käffchen: Johannes Lorenz (links) und Heinz Bonefas haben je einen Schreibtisch gemietet, mit allem Drum und Dran. Foto: Foto: Fritz-Peter Linden

Wer sich für das Modellprojekt interessiert, kann das Angebot jederzeit testen. Alle Informationen dazu inklusive Kontakt, Blog, Konzept, Fotos und Preise findet man im Internet unter www.schreibtischinpruem.de

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