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Promovierte Forstfachfrau sucht sich Referendarstelle in Neuerburg aus

Waldwirtschaft : Melissa Stiers ergänzt als Referendarin das Team des Forstamts Neuerburg

Nach ihrer Promotion hat Melissa Stiers ihre Stelle als Forstreferendarin angetreten – den Standort wählte sie dabei bewusst aus.

Das Forstamt Neuerburg in der Südeifel ist geprägt durch eine Gemengelage unterschiedlicher Waldbesitzarten. Nur zwölf Prozent der Gesamtfläche von 22 000 Hektar gehören dem Land und 55 Gemeinden. Etwa  14 000 Hektar sind Privatwald im Besitz von mehreren tausend Eigentümern. Um die Betreuung zu gewährleisten, verstärkt schon seit dem Herbst 2020 die Forstreferendarin Melissa Stiers das Team des Forstamts Neuerburg

In ihrer zweijährigen Referendariatszeit wird sie insgesamt 14 Monate am Forstamt verbringen. Ihren Bachelor- und Masterabschluss in Forstwissenschaften hat sie an der Universität in Göttingen gemacht. Im Anschluss ans Studium hat sie drei Jahre an der dortigen forstlichen Fakultät zum Thema „Struktur in Buchenwäldern“ geforscht und ihre Doktorarbeit geschrieben.

In ihrer Doktorandenzeit hat sie viele verschiedene Wälder in Deutschland und auch wilde Wälder in Osteuropa besucht. Dort und auf Tagungen hatte sie die Möglichkeit, sich mit vielen Forstleuten und internationalen Wissenschaftlern auszutauschen. „Die Zeit war extrem lehrreich und ich hoffe, viel davon in die Praxis übertragen zu können.“

Sie habe sich bewusst für das Forstamt Neuerburg entschieden. Die verschiedenen Interessen und Sichtweisen der Waldbesitzenden zu verstehen und bestenfalls zu vereinen, das findet sie unfassbar spannend: „In den vielen Ansprüchen die an den Wald gestellt werden, steckt meiner Meinung nach aber auch eine der größten Herausforderungen forstlicher Arbeit“.

Die Schäden infolge der letzten drei Dürrejahre haben auch die Waldflächen des Forstamts Neuerburg nicht verschont. Besonders die durch Dürre geschwächte Fichte ist dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen. Ein wichtiger Schwerpunkt der Arbeit ist so derzeit auch die Wiederbewaldung der Schadflächen. „Sie stellt nicht nur die Waldbesitzenden, sondern auch unsere Revierleiter und das gesamte Forstamt vor große Herausforderungen“, sagt die 28-Jährige.

Die Auswahl der richtigen Baumarten ist dabei von enormer Bedeutung. Schon in ihrer Bachelor- und Masterarbeit hat sich Stiers mit Ansprüchen und Wuchserfolgen alternativer Baumarten wie der Küstentanne, dem Gebirgs-Mammutbaum oder der Atlaszeder beschäftigt. „Wir versuchen Baumarten auszuwählen, die mit längeren Trockenperioden und steigenden Temperaturen zurechtkommen.“

In der Eifel bekämen zukünftig Baumarten eine größere Bedeutung, die in der Vergangenheit nur vereinzelt in den hiesigen Wäldern zu finden gewesen seien, wie beispielsweise die Elsbeere, die Esskastanie oder der Spitzahorn.

In dieser Herausforderung sieht Melissa Stiers allerdings auch eine große Chance. „Wir haben jetzt die Gelegenheit, unsere Wälder neu aufzubauen. Durch neue Baumarten und -mischungen schaffen wir ganz neue Waldbilder“. Doch unsere Entscheidungen müssen gut überlegt sein, denn sie haben bestenfalls, je nach Baumart, für die nächsten 150 bis 200 Jahre Bestand. „Ich hoffe, dass ich meine Erfahrungen der letzten Jahre in Verbindung mit Ergebnissen der Forschungsanstalten dazu nutzen kann, funktionsfähige und stabile Wälder aufzubauen.“