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Pronsfelder Steinbruch wird zur Waldoase umgestaltet

Umweltbildung : Erst Steinbruch, dann Müllhalde und bald Oase

Einst wurden „Im Hunert“ Steine zum Neuaufbau Pronsfelds gebrochen, bald soll dort eine Waldoase entstehen. Der Naturpark Nordeifel unterstützt dabei die Kräuterpädagogin Monika Sinthern. Alle warten nur noch aufs Wetter.

In weiter Ferne ragt die Ruine von St. Remigius über dem Prümtal auf, die ersten Singvögel zwitschern trotz Eiseskälte. Monika Sinthern lässt ihren Blick über die Dächer Pronsfelds schweifen. „Herrlich, oder? Wenn das alles fertig ist, wird man diese Sicht hier in aller Ruhe genießen können“, sagt Monika Sinthern. Mit „alles fertig“ meint sie ihr Herzensprojekt, das geradeentsteht: Die Umgestaltung des alten Steinbruchs „Im Hunert“ zur Waldoase Elfenhain.

Irgendwann Mitte des 20. Jahrhunderts sei der Steinbruch in Familienbesitz gekommen, sagt Monika Sinthern. „Wann genau, war für mich nicht mehr rauszufinden. Alle alten Akten sind während der Kriegsjahre zerstört worden. Fest steht, dass mein Großvater 1958 ein neues Grundbuchblatt anlegen ließ.“ Wohl in den Kriegsjahren habe er die Fläche erworben. Bis zum Amtsgang des Großvaters sei der Bruch noch als solcher genutzt worden: „Beim Wiederaufbau Pronsfelds wurden wohl viele Steine von hier geholt. Als der Bruch nicht mehr gebraucht wurde, begann man die Fläche als Mülldeponie zu nutzen“, sagt sie.

Vor etwa vier Jahren seien ihre Eltern Maria und Gustav Welter  mit der Idee auf sie zugekommen, den einstigen Steinbruch zu verkaufen. „Ich wiederum war da ein bisschen auf Sinnsuche und fragte mich, ob ich weiter in meinem alten Beruf arbeiten möchte oder einen Neubeginn wagen sollte.“

Langsam sei in ihr schon vor den Plänen der Eltern die Idee gereift, dem einstigen Job im Bonner Bundesinstitut für Berufsbildung den Rücken zu kehren und eine Ausbildung zur Kräuterpädagogin -BNE (Bildung für nachhaltige Entwicklung; siehe Info) anzustreben.

„Ich schlug meinen Eltern also vor, den Bruch zu übernehmen. Sie sagten, dann müsse da aber auch etwas Neues entstehen, und ich konnte ihnen den Plan, hier oben eine Waldoase einzurichten, vorstellen.“ Die alte Müllhalde solle zu einem Refugium der Ruhe umgestaltet werden, einem Ort, an dem Besucher geleitet oder auf eigene Faust, die Natur erleben und auch wiederentdecken können. Die Eltern waren einverstanden, und schon ging man an die Arbeit.

„Als erstes wurde entrümpelt. Fünf Lastwagenladungen holten wir hier runter. Vom Sofa bis zum alten, gefüllten Müllbeutel war alles dabei.“ Schon vorher habe die Natur in Teilen die Fläche für sich zurückerobert, ab 2016 sei dann aber nach und nach immer besser zu sehen gewesen, welche Florakleinode „Im Hunert“ wachsen. „Ich habe bisher 68 Wildkräuter gezählt. Ich hoffe, dass sie nach dem Umbau auch alle wieder da sind“, sagt Monika Sinthern – dabei sei die Sorge nicht ganz unberechtigt.

„Leider wurde die Fläche im vergangenen Dezember von privaten Waldarbeitern mit schweren Maschinen befahren. Sie wussten wohl nicht, um was es sich hier handelt. Die Spuren sind noch tief im Boden eingegraben. Hoffentlich kommen die Pflanzen zurück.“ Zumal die anstehenden Umbauarbeiten die Natur ja ebenfalls belasten würden.

Also, wie sieht der genaue Plan denn nun aus? „Es soll ein kleiner Rundweg entstehen. In zwei Ecken wurde bereits gearbeitet“, sagt sie und deutet auf den Stamm einer in Stein gefassten Hasel und, auf der anderen Seite des Geländes, auf eine hölzernen Sitzgruppe. Rund um den Weg und die Ruhemöglichkeiten – eine hölzerne Liege soll das Ensemble noch ergänzen - werde sie nicht in den Wuchs eingreifen.

„Es soll sich alles so entwickeln, wie es kommt.“ Abgesperrt werde die Fläche definitiv nicht. „Ich will, dass Wanderer – der Weg, der hier langführt, wird im Zuge des Dorferneuerungsprogramms gerade aufgewertet – sich hier zur Ruhe lassen können.“ Auf Tafeln und Schildern könne vielleicht auf die verschiedenen Kräuter hingewiesen werden, die „Im Hunert“ wachsen. Aber auch Veranstaltungen seien denkbar. „Als Kräuterpädagogin könnte ich hier Kurse geben, aber auch Meditationen oder Joga wären denkbar – erstmal muss aber alles fertig werden.“

Unterstützer ihrer Idee hat sie bereits gefunden. Der Naturpark Nordeifel fördert den Umbau zur Waldoase – ausnahmsweise. Im Grunde handele es sich bei dem Projekt um eine Art Renaturierung, sagt Anne Stollenwerk, Geschäftsführerin des Naturparks Nordeifel in Rheinland-Pfalz. „In der Regel werden private Maßnahmen von uns nicht gefördert, nur in Ausnahmefällen. Der liegt hier aber vor“, sagt sie. Der Abbau der alten Deponie und der Aufbau der Oase seien ja nur zu begrüßen. „Auch um den Wanderweg aufzuwerten. Da auch Bildungsangebote geschaffen werden sollen, sind wir natürlich gerne Partner.“

Monika Sinthern gestaltet den alten Steinbruch ihrer Familie zu einer Waldoase um. Foto: Frank Auffenberg Foto: Trierischer Volksfreund/Frank Auffenberg

Mit etwa 3000 Euro fördert der Naturpark den Aufbau der Anlage. Wiederum 5500 Euro hat Monika Sinthern bereits investiert. Sie rechnet damit, dass bald nach Karneval der Abschluss der Arbeiten angegangen wird. „Wir warten gerade eigentlich nur noch auf besseres Wetter.“