Prozess: Amtsgericht Bitburg verurteilt Unfallfahrer zu eineinhalb Jahren Haft.

Prozess : Unfallfahrer muss in Haft

Prozess nach tödlichem Unfall in Pronsfeld: Das Amtsgericht Bitburg verurteilt einen 28-jährigen Eifeler zu eineinhalb Jahren Freiheitsstrafe. Bewährung: keine.

Der Blick des 29-jährigen Angeklagten wirkt abwesend. Ohne erkennbare Regung nimmt er die Urteilsverkündung auf: eineinhalb Jahre Haft ohne Bewährung. Das Schöffengericht Bitburg sieht es als erwiesen an, dass er im Herbst 2016 stark alkoholisiert mit dem Auto von Lünebach nach Pronsfeld fuhr, die Kontrolle über den Wagen verlor und gegen zwei Bäume prallte. Während der Angeklagte die Unglücksfahrt mit schwersten Verletzungen überlebte, starb sein 30 Jahre alter Beifahrer nach einer Notoperation im Krankenhaus. „Es mag heftig klingen, aber das war eine fahrlässige Tötung auf Ansage“, sagt der Vorsitzende Richter Udo May.

Der Vorabend: Am Abend vor dem Unfall, sagt der Angeklagte, habe ihn sein Freund per Handy gefragt, ob er nicht zu einem gemütlichen DVD-Abend in Lünebach hinzustoßen wolle. „Ich mochte erst nicht so recht, fuhr dann aber doch“, sagt der Beschuldigte. Hier gehen die Meinungen bereits auseinander: Der Gastgeber des DVD-Abends sagt aus, dass der Angeklagte nicht, wie dieser angab, vorher zu Hause war, sondern in einer Kneipe. Einig sind sich die Männer wiederum bezüglich des Alkoholkonsums. „Ich war schon betrunken, als ich nach Lünebach fuhr“, sagt der Beschuldigte. Weil er an dem Abend aber nicht noch weiter fahren wollte, habe er sein Auto außerhalb des Orts abgestellt. „Auch weil ich der Polizei nicht über die Füße fahren wollte.“

Bis etwa ein Uhr habe man weitergetrunken: „Zwei Liter Starkbier und noch einige Stubbis.“ Nachdem der Gastgeber ins Bett gehen wollte, habe er erst versucht ihn zu überreden noch weiter zu machen, sei dann aber mit dem 30-Jährigen weitergezogen und auf einer Party gelandet.

„Ich weiß nicht, wie viel ich bis dahin noch getrunken habe.“ Sein späterer Beifahrer habe da schon kein Geld mehr gehabt und immer wieder gesagt, „dass ich mit dem Auto zum nächsten Bankautomaten fahren soll“. Die beiden Feiernden verließen die Party: „Ab diesem Zeitpunkt habe ich einen Blackout, meine Erinnerung setzt erst wieder im Krankenhaus ein, als ich zu mir kam.“

Die Unglücksfahrt: Was bis zum Unfall passiert ist, bleibt unklar. Ein Gutachter konnte aber den Verlauf des Unfalls anhand von Brems- und Lenkspuren und des Autowracks rekonstruieren.

Von Lünebach kommend geriet der Wagen vor Pronsfeld zunächst nach rechts von der Fahrbahn ab. „Dann zurück nach links auf die Straße und durch eine vollkommen überzogene Gegenbewegung wieder nach rechts“, fasst Udo May zusammen. Dort kollidierte der Wagen mit einem ersten Baum und krachte schließlich in einen zweiten – das Fahrzeug wurde zerstört. Drei junge Frauen fanden die beiden Männer schließlich eingeschlossen im Wrack und setzten einen Notruf ab. Laboruntersuchungen zeigten gegen 5 Uhr am folgenden Morgen beim Unglücksfahrer einen Blutalkoholkonzentration von 2,27 Promille. „Rechnet man das zurück auf den Unfallzeitpunkt, kommt man auf einen ungefähren Wert von 2,9 Promille“, sagt Richter May.

Die Folgen: Während der 30-Jährige in einem Trierer Krankenhaus bei einer Notoperation seinen Verletzungen erlag, konnte der ebenfalls schwer verletzte Fahrer gerettet werden. Er erlitt multiple Brüche an den Beinen und musste bisher 16-mal operiert werden. Mittlerweile kann er an Krücken laufen. Lähmungen an den Füßen werden aber erhalten bleiben.

Das Plädoyer: Verteidiger Matthias Francois betont in seiner Verteidigung besonders das schwierige Verhältnis zwischen den Freunden und der Clique. Der Angeklagte sei an dem Abend bedrängt worden dazuzukommen. „Damit er dem Verunglückten Geld leiht. In ihm wurde auch der Dumme gefunden, der sich später noch ins Auto setzte. Der Verstorbene wollte seinen Führerschein nicht riskieren.“ Der Angeklagte habe nicht mehr fahren wollen, deswegen habe er den Wagen ja auch woanders abgestellt. Francois forderte, eine Strafe zur Bewährung auszusetzen.

Das Urteil: Richter May und die zwei Schöffen schließen sich nicht der Sicht des Verteidigers an und übernehmen die Forderungen der Staatsanwaltschaft. „Die Strafe kann nicht zur Bewährung ausgesetzt werden“, sagt May. Auch weil der Mann bereits vor zehn Jahren für eine Alkoholfahrt mit Unfallfolge bestraft worden ist. Zwar sei eine günstige Sozialprognose zur Begründung einer Bewährung zu erkennen, besondere Umstände aber definitiv nicht. „Es wäre nicht nachvollziehbar, dass jemand, der den Tod einen Menschen verantwortet, nicht mit den Konsequenzen rechnen muss“, sagt May.

Die Strategie der Verteidigung sei nicht aufgegangen. „In ihr spielte der Tod ihres Freundes kaum eine Rolle. Sondern nur die besondere Lage, in der Sie damals waren und die Konsequenzen, mit denen sie nun gesundheitlich kämpfen. Sie seien genötigt und gedrängt worden. Das mag sein, entschuldigt aber nichts.“

Erst beim letzten Wort habe er gesagt, dass es ihm ziemlich leid tue, was passiert sei. „Warum nicht früher?“ Dass der Verstorbene sich nicht angeschnallt habe, sei ebenfalls nicht strafmindernd. „Es wäre auch ihre Aufgabe gewesen, darauf zu achten, aber betrunken ist sowas eben scheißegal.“ Ein einfaches Korrigieren in der Kurve hätte den tödlichen Ausgang der Fahrt verhindern können. „Aber auch dazu ist man betrunken nicht in der Lage.“ Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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