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Prüm gewinnt MINT-Förderwettbewerb und investivert in Schülerforschung

Bildung : Prüm gewinnt MINT-Förderwettbewerb und investiert in Schülerforschungszentrum

Rheinland-Pfalz hat gesucht und gefunden – und zwar die Sieger des MINT-Förderwettbewerbs 2020. Neben Neuwied konnte Prüm mit seinem Konzept überzeugen und erhält 30 000 Euro Siegerprämie

Seit 2018 suchen die rheinland-pfälzischen Ministerien für Bildung, Wissenschaft und Wirtschaft Regionen, die sich in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (kurz: MINT) engagieren. Im Zuge der MINT-Strategie des Bildungsministeriums wird dabei einmal jährlich ein Wettbewerb ausgeschrieben.

Das erarbeitete Konzept reichen die Akteure bei der MINT-Geschäftsstelle Rheinland-Pfalz in Trier ein. Es soll auf die Region abgestimmt sein und durch das Zusammenwirken von (Hoch)Schulen, Politik, Wirtschaft und Verwaltung eine qualifizierte und nachhaltige Bildung von ansässigen jungen Menschen im MINT-Bereich gewährleisten. „Wir wollen Kinder und Jugendliche von der Kita bis zum Schulabschluss für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik begeistern. Mit unserem Förderwettbewerb sorgen wir dafür, dass sich die verschiedenen Akteure vor Ort stärker vernetzen und das Miteinander in der MINT-Förderung von Kindern und Jugendlichen entdecken“, erklärt Bildungsministerin Dr. Stefanie Hubig.

Eine Jury, bestehend aus Experten und Mitarbeitern der beteiligten Ministerien und von Hochschulen und Stiftungen, bestimmt zwei Siegerregionen, die mit bis zu 30 000 Euro für die Umsetzung ihres Konzepts gefördert werden. Von Mai bis Oktober war die Wettbewerbsfrist. Insgesamt sechs Regionen haben dieses Mal ihren Beitrag eingereicht.

Die Bewerbung erfolgte nicht von heute auf morgen: Schon 2017 kam der Stein ins Rollen. Als Frau der ersten Stunde setzte sich Michaela Ostermann, Regionale Fachberaterin für das Fach Chemie und Lehrerin für Physik und Chemie am Regino-Gymnasium in Prüm, für das Projekt ein. „Meine Idee damals war, ein Schülerforschungslabor als außerschulischer Lernort einzurichten“, erinnert sich Ostermann. Sie trug den Vorschlag an Aloysius Söhngen, Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG) Prüm, heran. „Von da an hat das Projekt Fahrt aufgenommen und nahm mit der Zeit Gestalt an.“

Es folgen Gespräche mit der VG, der Stadt Prüm sowie zahlreichen regionalen Unternehmen und Lehrern der weiterführenden Schulen der ganzen Region. Erfolgreich, denn: Im Frühsommer 2021 soll das lang geplante Schülerforschungszentrum (SFZ), das „Herzstück“ der Mint-Region Eifel, im Naturparkzentrum Prümer Land eröffnet werden. Die Umbauarbeiten sind bereits in vollem Gange: Die Räume sind entkernt, die Möbel und die Laboranalytik bestellt. Die Blaupause lässt erahnen, wie viel Technik im Forschungszentrum verbaut wird. Ein Auswertungs- und Präsentationsraum soll mit Laptop- und Computerausstattung und Netzwerkanbindung an die Laborräume ausgerüstet werden. „Die Umbauarbeiten schreiten sehr gut voran“, freut sich Max Zacharias, amtierender Geschäftsführer des Naturparks Nordeifel (Teilgebiet RLP). Er vertritt für zwei Jahre die bisherige Leiterin und Mitinitiatorin des Projekts, Anne Derks. „Trotzdem bleibt noch viel zu tun“, berichtet er.

Für das SFZ gibt es schon einige Ideen. So will der Naturpark einen Bundesfreiwilligendienst anbieten und einen Abiturienten einstellen, der die Lehrer bei der Betreuung des Labors unterstützt. Des Weiteren soll sich ein Werkstudent um die Koordination des künftigen MINT-Netzwerkes kümmern, damit „Schulen und Unternehmen zusammen an einen Tisch kommen“. „Ich wünsche mir eine engere Zusammenarbeit zwischen Schulen und Unternehmen in und außerhalb der Region. Das ist ein spannender und wichtiger Punkt, davon profitieren alle. Nur so können wir die Region wirtschaftlich und nachhaltig stärken“, sagt Zacharias. Die 30 000 Euro Preisgeld werden hauptsächlich in neue Mitarbeiter investiert, die unter anderem ein Buchungssystem für das Schülerforschungszentrum inklusive Website aufbauen sollen.

Das Projekt kommt in allen Bereichen gut an. Dr. Horst Lenz, Präsident der Ingenieurkammer Rheinland-Pfalz, sagt: „Für die Ingenieurkammer Rheinland-Pfalz bedeutet das zukünftige MINT-Netzwerk Eifel, dass Schülerinnen und Schüler frühzeitig das vielfältige Potenzial von MINT-Berufen entdecken dürfen. Die Vernetzung junger MINT-Fachkräfte in der Region trägt darüber hinaus dazu bei, den modernen Wirtschaftsstandort Eifel zu sichern.“

Auch lokal freut man sich über die Auszeichnung. „Für uns bietet das zukünftige MINT-Netzwerk Eifel die Chance, talentierte Nachwuchskräfte kennenzulernen und für unser Unternehmen zu begeistern“, erklärt Claudia Schoden von Prüm Türenwerk in Weinsheim. Jürgen Korzilius, stellvertretender Schulleiter des Vinzenz-von-Paul-Gymnasiums in Niederprüm, sieht für Schüler und Lehrkräfte einen Mehrwert: „Die Möglichkeiten, die sich durch ein derart ausgestattetes Schülerforschungslabor für unsere Schule bieten, sind vielfältig. Und ich bin mir sicher, alle Besucher des Schülerforschungslabors werden neu interpretieren: "Chemie ist das, was knallt und unterm Abzug entschwindt, Physik ist das, was fortan mit Spaß gelingt!"

Bürgermeister Aloysius Söhngen bezeichnet die Auszeichnung als „guten Start für das SFZ“. Er ist stolz auf das überzeugende Konzept, das Ostermann, Derks und Zacharias entwickelt haben. „Es ist eine Bereicherung für die gesamte Region“, sagt er.

Ostermann selbst blickt auf eine lange Entstehungsgeschichte zurück, aber auch voller Vorfreude in die Zukunft: „Möge das Schülerforschungszentrum Prümer Land im Mittelpunkt dieser MINT-Region für viele Kinder und Jugendliche ein Ort werden, an dem sie Freude und Interesse am naturwissenschaftlichen Arbeiten und Experimentieren, an technischen Fragestellungen und Umweltthemen entwickeln. Es ist zu wünschen, dass das Engagement unserer Kooperationspartner, insbesondere das der Unternehmen Früchte trägt und zahlreiche MINT-Nachwuchskräfte in der direkten Begegnung gewonnen werden können. Möge die neue MINT-Region Eifel damit einen Beitrag zur nachhaltigen Regionalentwicklung und dauerhaften Stärkung unseres Prümer Landes leisten können.“