1. Region
  2. Bitburg & Prüm

Prüm hat einen neuen Stadtbürgermeister: Johannes Reuschen hat das Amt von Mathilde Weinandy übernommen.

Kommunalpolitik : Reuschen jetzt im Amt – Der neue Chef und die alte Geschlossenheit

Ein Abschied, ein Anfang – und ein dann doch harmonischer Start: Der frisch gewählte Rat der Stadt Prüm ist am Donnerstag erstmals zusammengekommen. Und der neue Bürgermeister Johannes Reuschen hat gleich eine entscheidende Abstimmung nach Hause gefahren.

Es waren keine leichten vier Wochen für Mathilde Weinandy nach der verlorenen Wahl im Mai. Fast schien es, als hätte sie sich schon zermürbt aus dem Amt gestohlen (der TV berichtete).

Aber zu Beginn der konstituierenden Ratssitzung am Donnerstag ist sie eben noch Stadtbürgermeisterin von Prüm. Und sie kriegt die Kurve: Bevor sie ihre letzte Dienstpflicht erfüllt, nämlich ihren Nachfolger Johannes Reuschen zu ernennen, holt sie zum Dank aus. Bei allen, die kandidiert haben, denn angesichts dessen, was in Deutschland gerade geschehe, sei es nicht selbstverständlich, Einsatz für die Demokratie zu zeigen. Bei allen, mit denen sie in den vergangenen 15 Jahren zu tun hatte, von den Ratskollegen bis zur Verwaltung.

 Schwört auf Prüm: Johannes Reuschen, neuer Stadtbürgermeister, wird von seiner Vorgängerin Mathilde Weinandy vereidigt.
Schwört auf Prüm: Johannes Reuschen, neuer Stadtbürgermeister, wird von seiner Vorgängerin Mathilde Weinandy vereidigt. Foto: Fritz-Peter Linden

Und bei den Bürgern, die sie drei Mal an die Stadtspitze wählten, immerhin sei sie ja „kein Prümer Mädchen“ und stamme dann auch noch „aus dem Kreis Daun. Und ich bin eine Frau.“ Gerade Letzteres aber sei in Prüm zum Glück nie ein Thema gewesen.

 Jetzt ist er‘s wirklich: Johannes Reuschen nimmt Platz.
Jetzt ist er‘s wirklich: Johannes Reuschen nimmt Platz. Foto: Fritz-Peter Linden

Die Menschen in der Stadt hätten, so ihre Hoffnung, „bemerkt, dass es mir immer um das große Ganze gegangen ist“. Und um die Geschlossenheit nach außen. Da sei dann auch nicht jeder interne Streit ans Licht gekommen, weshalb sie der Presse gegenüber gelegentlich etwas mehr Frieden als tatsächlich vorhanden vorgeflunkert habe. Hauptsache: den Laden zusammenhalten.

 Nächster Akt: die Ernennung der Beigeordneten (von links): Marcus Link (3. BGO), Christine Kausen (2.) und Gaby Bretz (1.) mit Johannes Reuschen.
Nächster Akt: die Ernennung der Beigeordneten (von links): Marcus Link (3. BGO), Christine Kausen (2.) und Gaby Bretz (1.) mit Johannes Reuschen. Foto: Fritz-Peter Linden

Sie redet ausführlich, herzlich, humorvoll. Verspricht, die positiven Rückmeldungen gerade aus den vergangenen Wochen mitzunehmen. „Alles andere kommt in die Rumpelkiste.“

Mathilde Weinandys Urteil über die 15 Jahre: „Es war eine gute Zeit. Und ich bin dankbar für diese Zeit.“ Sagt’s und kündigt an, gleich zu verschwinden wie ein ausgedienter Bundeswehrgeneral – und so aufzuhören, „wie ich hier hingekommen bin. Ohne Brimborium.“

Dafür erntet sie, auch bei den vielen Zuhörern im Saal, satten Applaus. Und dann vollzieht sie ihre letzte Amtshandlung: Johannes Reuschen zum Stadtbürgermeister zu ernennen und ihm den Amtseid abzunehmen.

Warme Worte hat sich die scheidende Stadtchefin verbeten – sie verlässt danach sofort die Sitzung. Und den Rat, denn sie nimmt ihr Mandat für die CDU nicht an. Doch als sie aus dem Saal marschiert, brandet noch einmal der Beifall auf. Fazit: So kann man abgehen.

Und dann nimmt Johannes Reuschen Platz im Chefsessel: „Ich kann nicht in Worte fassen, was es für mich bedeutet, in meiner Heimatstadt Bürgermeister zu werden“, sagt der 32-Jährige. Und bekennt seinen tiefen Respekt – vor Mathilde Weinandy. Und vor dem Amt, in das er aber ohne Angst einsteige.

Auch Aloysius Söhngen, Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG) Prüm, gratuliert Reuschen zu dessen Bereitschaft, Verantwortung und Amt zu übernehmen – „gerade in diesen Zeiten“. Und er erinnert dann die neuen Ratsmitglieder – bevor der Stadtbürgermeister sie alle per Handschlag ernennt – an ihre Pflichten.

Zu denen es auch gehöre, Schweigen zu bewahren. Und sich bei Entscheidungen herauszuhalten, die sie direkt oder ihre Verwandten betreffen. „Im Zweifelsfall“, rät Söhngen, „kommen Sie am besten in der Verwaltung vorbei.“

Danach leitet Johannes Reuschen die weitere Sitzung, als hätte er nie etwas anderes getan. Erster Akt: Zwei Punkte von der Tagesordnung zu streichen, die Wahl des Grenzlandschau-Ausschusses und der Beschluss über die Geschäftsordnung des Stadtrats. Geht einstimmig durch.

Mehr Spannung birgt da schon der nächste Punkt: Die Wahl der drei Beigeordneten. Reuschens Wählergruppe, die Prümer Bürgerbewegung (PBB) und die FWG bilden eine gemeinsame Fraktion und haben zusammen elf Sitze. Die CDU hat acht, die SPD drei. Elf zu elf also. Wer kriegt den ersten Beigeordneten?

Es ist, selbstverständlich, längst ausbaldowert. Aber das heißt (siehe den Stadtrat Speicher diese Woche), noch lange nicht, dass sich dann auch alle an die Abmachung halten.

Die CDU schlägt für den Posten Nummer 1 wieder Gabi Bretz vor, PBB und FWG haben offenbar, trotz ihrer Gesamtstärke, verzichtet. Die geheime Abstimmung beginnt. Und bringt bei der Auszählung ein deutliches Ergebnis: Gabi Bretz wird einstimmig gewählt, sie nimmt an, dankt fürs Vertrauen und richtet sich an den neuen Bürgermeister: „Ich hoffe, lieber Johannes, dass wir zwei auch weiter gut zusammenarbeiten werden.“ Reuschens Antwort: „Davon darfst du ausgehen.“

Das gleiche Ergebnis folgt dann auch für Christine Kausen (FWG) als zweite und Marcus Link (SPD) als dritten Beigeordneten. Da geht dann doch an diesem hochtemperierten Juniabend ein zartes Lüftchen milder Erleichterung durch den aufgeheizten Saal: Der neue Stadtrat und sein Bürgermeister haben die erste Entscheidungshürde ohne Schrammen genommen.

Dann werden die Nachrücker für Gabi Bretz und Christine Kausen, Wilhelm Husch und Klaus-Peter Nahrings, ernannt (Marcus Link hatte kein Ratsmandat) und die Ausschüsse gewählt. Alles geht glatt durch. Und für Johannes Reuschen nimmt Peter Laures Platz in der PBB-Bank.

Letzter Punkt: Anfragen. Gibt es aber keine – und der neue Stadtbürgermeister lädt zum Getränk ein. Fazit: So kann man einsteigen.