Prüm und seine Pippins

721 hat eine Frau die Gründung der Prümer Abtei bestimmt. Nach Schwierigkeiten am Anfang hat ihr Ehemann Pippin das Kloster mit Leben gefüllt. So begann es, an Bedeutung zu gewinnen. Zu seinen Beschützern zählt auch Karl der Große.

Prüm. Genau vor 1260 Jahren, im Jahre 752, gründete König Pippin die Abtei Prüm. Nein, das ist nicht ganz korrekt. Denn die erste Gründung eines Klosters war bereits im Jahre 721.
Die adlige Frankenfrau Bertrada hatte es zusammen mit ihrem Sohn Charibert (Heribert) gestiftet und in die Obhut von Echternacher Mönchen gegeben.
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Doch irgendwie klappte dies nicht. Das Kloster stand leer und schien bestimmt, eine Ruine zu werden. Deswegen veranlasste Bertrada ihren Ehemann Pippin, dieses Klösterchen mit neuem Leben zu füllen. Pippin erfüllte den Wunsch seiner Gemahlin, berief Mönche aus St. Faron in Meaux bei Paris nach Prüm und schenkte ihnen und dem Kloster sehr viel Geld und vor allem Land und Dörfer.
Die neuen Mönche lebten nach der Benediktinerregel und führten die Abtei zu einer europaweiten Bedeutung, bis die Säkularisation 1794 das Ende des Klosters bedeutete.
Aus der Ehe von Pippin und Bertrada gingen sechs Kinder hervor, von denen später Sohn Karl als Kaiser Karl der Große die Geschichte bestimmte.
Das sich rasch vergrößernde und an Bedeutung gewinnende Kloster wurde zum Haus- und Familienkloster der Karolinger. So steht es auch in der Stiftungsurkunde: "Unsere Erben sollen die Mönche ... in unserem Kloster schützen."
Ein lateinischer Name


Neben finanzieller Unterstützung schenkte Pippin dem Kloster wertvolle Reliquien, Teile der Sandalen von Jesu, die noch heute in einem kostbaren Reliquienschrein in der Basilika aufbewahrt werden.
Nun erhielten Abtei und Klosterkirche den lateinischen Namen Sankt Salvator (Zum Allerheiligsten Erlöser).
Jener Pippin III., Sohn des fränkischen Hausmeiers Karl Martell (vergleichbar mit Kanzleramtsminister), war im Jahre der Klosterstiftung 38 Jahre alt. Wenige Monate vorher, im November 751, hatte er sich zum König der Franken ausrufen lassen.
Das geschah nicht ganz freiwillig. Druck hatte er ausüben lassen und Bestechungsgelder gezahlt. Damit seine Königs-Berufung Gültigkeit hatte, hatte er vorher den letzten Merowingerkönig, den 23-jährigen Childerich III., absetzen und ihm die Haare als sichtbares Symbol seines Königtums scheren lassen und ihn mitsamt seinem Sohn Theoderich in ein Kloster verwiesen. Die einen sagen, es sei das Kloster Prüm gewesen, anderen benennen die ehemalige Abtei von Sankt Bertin im Norden Frankreichs.
Heute wird er allgemein nur Pippin der Jüngere genannt, weil er als Hinweis auf sein Amt als dritter und jüngster Hausmeier aus der Pippin-Familie war.
Nach dem Tod König Pippins im Jahr 768 sorgte sein Sohn, Karl der Große, auch weiterhin für den Bestand und das Wohlergehen seiner Hausabtei.
793 lernte Prüm einen weiteren Pippin kennen. Mit dem Beinamen der Bucklige. Dieser war der älteste Sohn Karls des Großen und trug als Enkel den Taufnamen seines Großvaters König Pippin. Wahrscheinlich konnte er wegen seiner Missbildung am Rücken nicht König-Nachfolger werden.
Pippin der Bucklige


Ein körperlich Behinderter entsprach nicht dem Bild eines Königs, von dem Heil ausgehen sollte. Die Begriffe von Familienzusammenhalt oder -ehre waren ihm genauso unbekannt wie auch das vierte Gebot "Du sollst Vater und Mutter ehren".
So unternahm der Bucklige im Jahre 792 mit weiteren Fürsten einen Umsturzversuch, um an die Macht zu gelangen. Dieser misslang. Vater Kaiser Karl platzte die Geduld.
In einem Schauprozess ließ er die aufständischen Adligen hinrichten und seinen Sohn ins Kloster Prüm verbannen. Dort konnte er dann das Schwert gegen ein Gebetbuch tauschen. Bis zu seinem Tode im Jahre 811 blieb der Bucklige hinter Klostermauern. Wo sein Grab ist? Wer weiß.
Hingegen sehr bekannt ist im Chorraum der Salvator-Basilika in Prüm das Hochgrab des Kaisers Lothar I., das heute mit zu den vielen Sehenswürdigkeiten der Abtei zählt. Nach einem wilden und selten besinnlich-christlichen Leben trat er 855 ins Prümer Kloster ein, wo er wenige Tage später starb.Extra

Königsnamen werden oft mit Attributen geschmückt, die die Eigenschaften der Könige ausdrücken sollen. Vielleicht kennt ihr auch solche Namen? Sie klingen manchmal komisch wie "Pippin der Bucklige". Nicht immer geht es aber darum, ihr Aussehen zu beschreiben, wie in diesem Fall. So zum Beispiel spricht man vom russischen Zar "Iwan dem Schrecklichen", weil er anderen Menschen so viel Angst machte. In unserer Geschichte geht es auch um Pippin III. Er wurde auch "der Kleine" genannt. Das bedeutet nicht, dass der König besonders klein gewesen wäre, sondern mit diesem Beinamen soll eher ausgedrückt werden, dass er im Kontrast zu seinem Sohn Karl dem Großen politisch und geschichtlich kleiner, unbedeutender war. red