Prümer Kneipenwelt im Wandel

Der TV-Bericht über die vielen Veränderungen in der Prümer Geschäftswelt hat Leser Hilarius Dietzen (73) zu einer eigenen Zählung inspiriert. Dabei nahm er gezielt die Kneipenszene unter die Lupe.

Prüm. Im Rückblick auf die Zeit seit den 1940er Jahren erinnert sich Hilarius Dietzen an rund 40 Standorte von Gaststätten in der Kernstadt von Prüm. Schon weit vor dem Zweiten Weltkrieg gab es die Kneipe im Bahnhofsgebäude, die allerdings seit etwa einem Jahr geschlossen ist.

An der Ecke Fuhrweg/Hahnplatz stand das berühmte Haus Gebauer mit Kegelbahn (heute Spielwaren Koch). "Wenn Viehmarkt in Prüm war, spielten Landwirte dort oft bis in die Nacht", erzählt Dietzen. Die Hotels waren auf Übernachtungen von Marktbesuchern und Kaufleuten eingerichtet.

Ein sehr prominenter Gast soll Anfang des 19. Jahrhunderts im damaligen "Grünen Hütchen" in einem Winkel des Fuhrwegs übernachtet haben: Napoleon Bonaparte, der französische Eroberer und Kaiser.

Mit den Amerikanern kam Geld in die Stadt



In der unteren Hahnstraße gab es das Gasthaus Biwer (heute Mereien, Zur Alten Abtei), daneben Brodel. Das Bild des Duppborns hat sich stark gewandelt, denn das dortige Hotel Müller wurde in den 1930er Jahren abgerissen.

Zu den Prümer Urgesteinen im Stadtzentrum gehören noch heute Goldener Stern, Bäckerkläsjen und Kölner Hof. Ein Treffpunkt in der Spitalstraße war das Kolpingheim.

"Nach der Währungsreform haben sich zum Teil schwer beschädigte alte Kneipen langsam wieder positiv entwickelt", erzählt Dietzen. Mitte der 50er Jahre bauten die Amerikaner die Radarstation Schneifel und anschließend die Prümer Housing als Wohnquartier für die Familien der Soldaten. "Das führte zu einem Aufschwung in der Kneipenszene, denn die Amerikaner hatten Geld und einen günstigen Umtauschkurs zwischen Dollar und D-Mark", sagt Dietzen.

Die einstige Brückenschänke in der Ritzstraße beherbergt heute ein griechisches Restaurant. Das Gasthaus Lamberty (mit Kegelbahn) in der Eduard-Nels-Straße gibt es schon lange nicht mehr. In der Teichstraße wird eine ehemalige Metzgerei und Gaststätte inzwischen als Imbiss genutzt.

Das Bild in der Spiegelstraße prägt "Bit am Eck". Die 1963 eröffnete, ursprünglich als Geschäft konzipierte Kneipe an der Ecke zur Gartenstraße steht zur Verpachtung. Ein paar Schritte weiter war früher die Gaststätte Arimond (heute Sports Pub). Gegenüber liegt "Ulis Kochtopf".

Im zweiten Teil unseres Rundgangs lesen Sie, was aus weiteren Gaststätten wurde.EXTRA Ausstattung: "Früher war in den Gasthäusern alles viel primitiver, von den Toiletten bis zur Einrichtung", erinnert sich Hilarius Dietzen. "An Luxus war nicht zu denken, aber es sollte angenehm und gemütlich sein." Festzelte: Tanzveranstaltungen waren im Prüm der Nachkriegszeit etwas Besonderes und müssten speziell genehmigt werden. Fester Tanz-Termin im Jahr war der 1. Mai (Tag der Arbeit), für den auf dem Tiergartenplatz ein Zelt aufgebaut wurde. Weitere Anlässe: Kirmes, Herbstmarkt und Vereinsfeste. Als Zeltplätze dienten unter anderem der Schulhof des Regino-Gymnasiums und der einst freie Platz, auf dem heute die Volksbank steht. Tanzgroschen: In den Festzelten saßen die Besucher um eine zentrale Tanzfläche herum, die vom Rest des Innenraums abgetrennt war. Dietzen: "Wenn ein Paar die Tanzfläche betreten wollte, musste es erst den sogenannten Tanzgroschen bezahlen." (cus)