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Psychogramme der angeklagten Kupferdiebe: Sucht einzige Konstante im Leben der Angeklagten

Psychogramme der angeklagten Kupferdiebe: Sucht einzige Konstante im Leben der Angeklagten

Im Prozess um die Kupferdiebe aus dem Eifelkreis, die in der Vulkaneifel drei Windräder ausgeschlachtet haben sollen, hat sich eine psychiatrische Gutachterin vor dem Landgericht Trier zu den massiven Suchtproblemen der Angeklagten geäußert. Die Schadenssumme ist noch ungeklärt.

Trier/Zilsdorf/Bitburg/Prüm. Im Prozess um die vier Kupferdiebe aus dem Eifelkreis, die nächtelang Kabel aus drei Windrädern in der Vulkaneifel geschnitten und verkauft haben sollen (der TV berichtete), hat nun die Psychiaterin Dr. Annette Korte vor dem Trierer Landgericht ihre Gutachten vorgestellt. Denn drei der vier Angeklagten sollen massive Suchtprobleme haben, weshalb der angeklagte bandenmäßige Diebstahl eventuell auch im Licht der Beschaffungskriminalität gesehen werden kann.

Das Gericht hat darüber noch nicht befunden, erwägt aber sehr wohl - im Falle einer Verurteilung - neben Freiheitsstrafen, den mutmaßlichen Kupferdieben auch bis zu zweijährige Therapiemaßnahmen aufs Auge zu drücken.

Gutachten: Wenn sich aus den Psychogrammen, die Korte präsentiert, eine Gemeinsamkeit und auch Konstante im Leben der drei älteren Angeklagten ergibt, dann sind es nicht interessante Hobbys oder Berufe, sondern eher der "Substanzmissbrauch". Alle Drei haben in früher Jugend im Alter von 13 bis 15 angefangen zu kiffen. Kortes Vortrag enthält ellenlange Aufzählungen verschiedener Drogen, welche die Angeklagten in gewissen Lebensabschnitten konsumiert haben sollen. Vom Alkohol über Cannabis und Ecstasy bis hin zum "Heroin rauchen", was Korte als "polytoxikomanes Suchtverhalten" beschreibt.

Aber die Leistungsfähigkeit der Angeklagten beim nächtelangen Ausschlachten der Windräder sei nur durch den Konsum von Amphetaminen zu erklären, sagt Korte. "Die haben jeden Tag mehrere Gramm Pepp durch die Nase gezogen", sagt Korte.

Schaden: Die Hoffnung des Gerichts, durch die Zeugenaussage eines Technikers, der mit der technischen Wartung der drei Windräder beauftragt war, eine genauere Vorstellung von der Schadenssumme zu bekommen, wurde enttäuscht.

Denn der Zeuge, der nur mit der Wartung der Leitern und anderer mechanischer Bauteile betraut war, kann zum Wert der angeblich zerstörten elektrotechnischen Bauteile keine Aussagen machen. Jörg Temme, Vorstandsvorsitzender der Temme AG, welche die Windräder betreibt, taxiert die Schadenssumme auf mehr als 23 Millionen Euro - zuzüglich den Kosten für ihren Abbau. Temme sagt, in den Windrädern seien "hochtechnische Bauteile, die gerade erst aus der wissenschaftlichen Erprobung gekommen seien, gelagert gewesen.

Er habe diese "Zukunftstechnik" ehemals aus dem heutigen Krisengebiet der Ukraine importiert. Diese "wertvollen Bauteile" sowie sogenannte "Blackboxes", die Daten über die Energieerzeugung in den Windrädern aufzeichnen hätten sollen, seien allemal verschwunden. Der vorsitzende Richter Günther Köhler fragt die mutmaßlichen Kupferdiebe, ob sie solche Bauteile dort gesehen und entwendet haben? "Solche Kisten haben wir nicht gesehen", antwortet die weibliche Angeklagte, "wir haben nur die Geräte aus dem Schaltschrank gerupft, um an das Kupfer dahinter zu kommen."

Er habe noch nie einen Fall erlebt, sagt Oberstaatsanwalt Wolfgang Bohnen, in dem der Wert der Beute und der geschätzte Sachschaden in solch einem Missverhältnis stehe. Bohnen: "Mit dem erbeuteten Kuper haben sie ungefähr 20 000 Euro umgesetzt.

Den Schaden an den Windrädern schätze ich auf vier Millionen Euro." Damit steht Bohnens Schätzung auch weit im Missverhältnis zur mutmaßlichen Schadenssumme von mehr als 23 Millionen Euro, die der Betreiber nennt. Heute will das Landgericht Trier im Prozess um die mutmaßlichen Kupferdiebe ein Urteil fällen. cmo