Racheakt mit kochendem Wasser: 31-Jährige wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Landgericht Trier

Trier/Ammeldingen/Waxweiler · Wegen gefährlicher Körperverletzung und Bedrohung steht eine 31-jährige Frau aus der Eifel vor dem Trierer Landgericht. In einer psychiatrischen Einrichtung in der Westeifel hatte sie eine Mitarbeiterin mit kochendem Wasser attackiert. Die Anklage geht von Schuldunfähigkeit der 31-Jährigen aus.

Trier/Ammeldingen/Waxweiler. Als die Beschuldigte U. den Saal der Dritten Großen Strafkammer betritt und neben ihrer Verteidigerin Martha Schwiering Platz nimmt, wird deutlich, dass dies kein gesunder Mensch ist. Das schlägt sich auch in der kurzen Anklageschrift des Staatsanwalts (er will ungenannt bleiben) nieder: Er wirft der 31-jährigen U. vor, am 18. Oktober 2014 ihrer Betreuerin einen Topf mit kochendem Wasser in den Rücken geschüttet und sie erheblich verletzt zu haben. Tatort sei die psychiatrische Einrichtung Haus Eifelhöhe in Ammeldingen bei Neuerburg gewesen. Einige Zeit später habe U. in einer Außenstelle der Einrichtung in Waxweiler gedroht, alle Beschäftigten des Hauses Eifelhöhe abzustechen. Die Taten seien im Zustand der erheblich verminderten Schuldfähigkeit begangen worden. U. leide voraussichtlich an einer schweren organischen Störung, die zu einer eingeschränkten Einsichtfähigkeit mit Impuls-Kontrollstörung, verminderter Intelligenz und Epilepsie führe.Tat schon lange geplant


Inzwischen ist die Frau in der geschlossenen Psychiatrie des Andernacher Nette-Guts untergebracht. Zuvor lebte sie in der psychiatrischen Einrichtung in Ammeldingen. Sie berichtet, dass sie ab dem sechsten Lebensjahr nach dem Tod der Mutter nur in Heimen gelebt hat. Wie viele es waren, weiß sie nicht mehr. Ihr Vater und ihre Halbschwestern kümmerten sich nicht um sie, erklärt die 31-Jährige. Auch in diesem Prozess geht es im weitesten Sinne wieder um eine Heimunterbringung. Das Gericht wird im Feststellungsverfahren klären müssen, ob die junge Frau eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt und daher dauerhaft in die geschlossene Psychiatrie einzuweisen ist.
Die ihr vorgeworfenen Taten räumt U. ohne Einschränkung ein. Mit voller Absicht habe sie in der Küche der Einrichtung einen Topf Wasser zum Kochen gebracht, sich von hinten an die Frau angeschlichen und ihr das Wasser in den Rücken geschüttet."

Warum sie das getan habe, fragt der Vorsitzende Richter Armin Hardt. U.: "Weil sie mir alles verboten hat und auch meinen Freund (ebenfalls ein Heimbewohner, Anm. der Red.) gegen mich aufstacheln wollte. Natürlich habe ich Mist gebaut. Aber ich konnte die nicht leiden und hatte das schon lange geplant." Das Stechen habe sie nur aus Wut gesagt, als sie ihren Freund in der Außenstelle Waxweiler besucht hatte und man sie wegschicken wollte.
Die attackierte Betreuerin ist eine der ersten Zeuginnen. Sie erscheint in Begleitung eines Vertreters der Verbrechensopferhilfe "Weißer Ring". "Die Beschuldigte hat bei uns im Haus Eifelhöhe zunächst eine gute Entwicklung gezeigt", sagt die Zeugin, bis die Angeklagte diesen jüngeren Bewohner kennengelernt habe. Sogar ihre tägliche Dosis Beruhigungstabletten habe U. plötzlich verweigert. Deshalb sei sie als Betreuerin bemüht gewesen, diese Verbindung zu trennen.Narben auf Körper und Seele


Die Heißwasserattacke, so die Zeugin, habe bei ihr weitreichende Folgen gehabt: monatelange ambulante Behandlung, zwei große Narben auf dem Rücken und seelische Folgen. Die Zeugin: "Ich bin noch immer krankgeschrieben. Zweimal habe ich versucht, die Arbeit wieder aufzunehmen und nach einem Tag schon abgebrochen." Einmal in der Woche gehe sie nun zur Psychotherapie. "U. hatte sich zu einer der Besten in unserer Arbeitstherapie entwickelt, bis sie diesen jungen Mann kennenlernte", bestätigt als Zeugin auch die Leiterin des Hauses Eifelhöhe.

In einer verlesenen Stellungnahme der Klinik Nette-Gut in Andernach heißt es: "Nach dem aggressiven Verhalten dieser Patientin gehen wir weiterhin von einer potenziellen Fremdgefährdung aus." f.k.
Weitere Verhandlungen folgen am 2. und 3. Dezember.