Radweg-Pflege: Wie Rainer Krämer auch an die Insekten denkt.

Blumen statt kurzem Gras : Naturschutz am Pistenrand in Weinsheim

Insektenfreundlich: Wie sich der Weinsheimer Gemeindearbeiter Rainer Krämer um den Schnitt der Bankette am Radweg kümmert. Und dabei eine besondere Blume gepäppelt hat.

Aus Pronsfeld erreicht uns eine Nachricht von Winfried Richards, dem ehemaligen Ortsbürgermeister und amtierenden ehrenamtlichen „Stationsvorsteher“ am ausrangierten, aber fein hergerichteten Bahnhof (der TV berichtete).

An der früheren Bahnstation kommt auch der Eifel-Ardennen-Radweg vorbei und führt dann weiter durch das Alfbachtal in Richtung Bleialf und ins belgische St. Vith. Und dort hat Richards in den vergangenen Tagen eine Entdeckung gemacht.

Der Mann fürs Grüne. Und fürs Blaue: Rainer Krämer am Radweg-Rand in Watzerath. Foto: Fritz-Peter Linden

Er sendet uns seine Post, mitsamt Fotos, und mit dem Hinweis, es gehe nicht um ein politisches Thema. Und es werde auch nicht gemeckert. „Sondern es wird gelobt!“

Sehr gut, her damit, und um ihn geht’s: Rainer Krämer. Der Adressat des Lobs wohnt im Prümer Stadtteil Weinsfeld, ist tagsüber Wald- und Gemeindearbeiter in Weinsheim und verantwortet zusätzlich in der Verbandsgemeinde (VG) Prüm auch die Pflege und Unterhaltung der Radwege.

Rainer Krämer hat den Insekten auch den Blauen Natternkopf erhalten. Foto: Winfried Richards

Nicht nur das: Um die VG-Sportplätze, sagt Weinsheims Ortsbürgermeister Peter Meyer, kümmere sich Krämer ebenfalls. Was auch daran liegt, sagt Robert Ennen, Chef des VG-Bauamts, dass die Verbandsgemeinde keinen eigenen Bauhof habe.

Zu Krämers Aufgaben gehört es unterdessen eben auch, „die Bankette der Wegränder freizumähen, damit das zum Teil hohe Gras nicht auf die Fahrbahn fällt“, sagt Winfried Richards.

Und bei dieser Arbeit beweise Krämer sein Herz für die Natur: „Er mäht nicht einfach alles platt, was für ihn sicher einfacher wäre“, sagt Richards. Stattdessen lasse Krämer überall am Wegrand regelrechte Inseln „aus den verschiedensten Wildblumen stehen“.

Und die böten mit ihren Blüten „nicht nur ein prächtiges Bild für Naturliebhaber, sondern vor allem Nahrung für zahlreiche Insekten“, sagt Richards. „So summen und brummen um die blauen Blüten des in großen Büscheln bei Habscheidermühle wachsenden Natternkopfs die verschiedensten Bienen und Hummelarten, während sich Schmetterlinge zum Beispiel auf den Blüten der Flockenblumen niederlassen, um Nektar zu saugen.“

Richards’ Radler-Rat: „Es lohnt sich auf jeden Fall, einmal im Alfbachtal vom Drahtesel abzusteigen, um sich an der Natur zu erfreuen.“ Und um zu erkennen, dass Rainer Krämer dank seiner besonnenen Weise zu mähen „einen großartigen Beitrag zum Naturschutz leistet, der Anerkennung verdient“.

Schöne Geschichte. Krämers Dienstherr Peter Meyer übrigens schätzt den Gemeindearbeiter, der „überall gern gesehen“ werde, auch noch wegen anderer Dinge: „Wenn du den abends um acht noch anrufst und sagst, du hast ein Problem am Radweg, dann fährt der noch raus.“

Anruf bei Rainer Krämer. Der lacht: „Man muss ja auch was für die Natur stehen lassen.“ Tatsächlich hätten ihn schon vor einiger Zeit die Pronsfelder – genau, Winfried Richards war’s, damals noch OB – speziell wegen „der blauen Blume“ am Trassenrand angesprochen – des erwähnten Blauen Natternkopfs nämlich. Der wachse nur auf kargen Böden, wie eben an Bahngleisen.

Krämers Reaktion damals: „Kein Problem.“ Und inzwischen habe sich die Blume sogar rundherum noch ein wenig ausbreiten können. Gut so, denn sie ist eine wahre Spielwiese für allerlei Insektenarten.

Naturschutz: Manchmal ist das, zumindest direkt vor der Haustür, gar nicht so schwierig. Man braucht nur einen, für den das kein Problem ist.

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