Radweg-Projekt vor dem Aus

Radweg-Projekt vor dem Aus

"Geringe Perspektiven" werden der Freistellung der Bahnstrecke von Prüm nach Gerolstein vom rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministerium bescheinigt, verkündete Aloysius Söhngen, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Prüm. Das ist zwar noch keine definitive Absage an das Radweg-Projekt, aber die Chancen gehen gegen null.

Prüm/Gerolstein. Seit Jahren planen die Verbandsgemeinde Prüm und die Stadt Gerolstein, ihre Städte über einen Radweg zu verbinden. Dieser sollte eigentlich auf der ehemaligen Bahntrasse gebaut werden, die man für diesen Zweck von der Bahn für 420 000 Euro gekauft hatte. Doch die dafür notwendige Freistellung vom Bahnbetrieb ließ lange auf sich warten, wurde aber von Aloysius Söhngen, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Prüm, nie in Zweifel gezogen. Doch auf der jüngsten Sitzung des Verbandsgemeinderates war Überraschendes zu hören. In einer Stellungnahme habe das Wirtschaftsministerium ihm mitgeteilt, dass es nach der derzeitigen Gesetzeslage nur "geringe Perspektiven" für eine Freistellung gebe, so Söhngen. "Das stellt uns vor neue Probleme." Dabei sei man in den Planungen schon weit fortgeschritten gewesen und hatte auf einen Baubeginn im kommenden Jahr gehofft, sagte Söhngen. Jetzt warte man auf eine verbindliche Aussage von der Bahn, ob nun entwidmet werden kann oder eben nicht. "Dann müssen wir weitersehen", sagt Söhngen. "Ich habe immer gesagt, dass die Entwidmung nicht einfach wird."

Die derzeitige Gesetzeslage sieht vor, dass Bahnstrecken nur dann abgebaut werden dürfen, wenn auch mittelfristig niemand die Strecke für den Bahnverkehr nutzen möchte. Dies ist aber in Prüm nicht der Fall, denn mit der Vulkaneifel-Bahn steht ein potenzieller Betreiber bereit, der auch schon sein Interesse an der Strecke deutlich gemacht hat. "Wir würden gerne die Eifel-Querbahn, die bereits von Ulmen bis Gerolstein verkehrt, bis Prüm verlängern und haben dafür schon vor drei Jahren ein Konzept vorgelegt", sagt Jörg Petry, Geschäftsführer der Vulkaneifel-Bahn. Außerdem habe man beim Land einen Antrag auf Nutzung gestellt.

Erst kürzlich sei man mit einem Messzug die Strecke abgefahren. "Natürlich gibt es nach den Jahren ein paar Schwachstellen", sagt Petry, aber die Strecke sei befahrbar, wenn man etwas investiere, etwa in einen Haltepunkt bei Prüm in der Nähe Prümtalstraße. Petry spricht sich dafür aus, zwischen Prüm und Gerolstein Bahnverkehr und Radweg parallel einzurichten. Gerade der zusätzliche Bahnverkehr ermögliche es Familien, auf den bequemen Schienenbus umzusteigen und so zwischen Prümtal- und Kylltal-Radweg in Gerolstein zu pendeln. Der Radweg könnte dann wie bisher über Wirtschaftswege und damit auch durch die Orte auf der Strecke geführt werden, die ebenfalls profitieren würden.