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Radweg zwischen Gerolstein und Prüm soll bald gebaut werden

Tourismus : Da geht’s lang!

Hoffnung für die Fahrradfreunde: Die Bahnstrecke zwischen Gerolstein und Prüm kann neu genutzt werden. In den Kommunen freut man sich über den Bescheid der Landesregierung – und will bald mit dem Bau des geplanten Radwegs beginnen.

Darauf haben sie in der Eifel lange gewartet: Die Landesregierung in Mainz hat der Stadt Gerolstein und der Verbandsgemeinde (VG) Prüm, seit 2005 gemeinsam Eigentümer der Bahnstrecke zwischen den beiden Städten, den sogenannten Freistellungsbescheid zugesandt. Das heißt: Die Strecke ist entwidmet, die beiden Kommunen können jetzt den Plan, auf dem 23,6 Kilometer langen Abschnitt einen Radweg zu bauen, in Angriff nehmen.

Im Jahr 2001 hatte die Bahn die Verbindung stillgelegt, vier Jahre darauf griffen die VG und die Stadt zu, für 430 000 Euro. Und dann tat sich lange nichts – außer juristischen Scharmützeln. Denn eine Bahnstrecke kann erst entwidmet werden, wenn niemand dort Züge fahren lassen will. Das bekundeten aber diverse Gesellschaften, und so zog sich alles hin, zum Ärger der Verantwortlichen in den Kommunen, während rundherum eine Trasse nach der anderen zum Pedalistenparadies umgewandelt wurde. Und zwischen Abtei- und Brunnenstadt alles zuwucherte.

Am Montag aber (siehe unsere Meldung von Dienstag) teilten, in Vertretung der Bürgermeister Aloysius Söhngen (VG Prüm) und Uwe Schneider (Stadt Gerolstein) die beiden ersten Beigeordneten Johannes Kuhl und Irmgard Dunkel mit: Der Bescheid ist da. Und er bedeute, dass dem Radwegbau „nun nichts mehr im Weg steht. Mit dem zukünftigen Radweg verbunden sind dann die Orte Gerolstein, Büdesheim, Schwirzheim, Gondelsheim, Weinsheim, Willwerath, Hermespand, Dausfeld und Prüm.“

 In Abstimmung mit dem Landesbetrieb Mobilität (LBM) in Gerolstein, heißt es weiter, „können nun die entsprechenden Planungsausschreibungen für den zukünftigen Radweg entlang dieser Strecke erfolgen“. Denn der Bescheid bedeutet auch: Die Hoheit liegt jetzt bei den Kommunen.

Eine erlösende Nachricht? „So sieht’s aus“, sagt Johannes Kuhl. „Das waren ja doch einige Jahre des Wartens.“ Und die scheinen jetzt – vorbehaltlich einer vierwöchigen Widerspruchsfrist – vorüber. Kuhl ist jedenfalls davon überzeugt: „Der Freistellungsbescheid ist das Höchste, was wir erreichen können. Der besagt, dass kein Bahnverkehr mehr auf der Strecke stattfindet.“

Auf Gerolsteiner Seite ist man ebenfalls hocherfreut über die Entwicklung. Die Erste Stadtbeigeordnete Irmgard Dunkel (CDU), die derzeit den Stadtbürgermeister krankheitsbedingt vertritt, sagt: „Was lange währt, wird endlich gut. Das trifft hier auf jeden Fall zu, denn wir haben sehr viel Geduld bewiesen und über Jahre an der Radwegplanung festgehalten. Dass sie jetzt realisiert wird, ist eine super Sache. Ich freue mich wirklich sehr.“

Ein Radweg auf der bisherigen Bahnstrecke ist für sie „eine wichtige Querverbindung im Radwegenetz der Eifel“ und „eine deutliche touristische Bereicherung für Gerolstein“. Aktuell spüre man bereits deutlich, wie viele Touristen aus Deutschland und den angrenzenden Beneluxstaaten im Gerolsteiner Land Urlaub machten, bislang überwiegend Wanderer, aber auch vereinzelt Radfahrer.

Mit dem neuen Radweg, hofft Dunkel, könne Gerolstein vielleicht an seine Tradition als Radmetropole anknüpfen – in der Zeit um die Jahrtausendwende, als mit dem Team Gerolsteiner eine Profimannschaft den Namen der Brunnenstadt in alle Welt hinausgetragen und zahlreiche Hobbyradler angelockt hat.

Das Beste an der aktuellen Radwegplanung: „Nach Auskunft des LBM soll das Projekt dank enorm hoher Zuschüsse gut für die Kommunen zu stemmen sein“, berichtet die Erste Beigeordnete der Brunnenstadt.

Harald Enders, Chef des LBM in Gerolstein, sieht jedenfalls gute Chancen: Bei den Baulastträgern könne es eine Kombination aus Kommunen, Bund und Land werden, zumal Mainz „im Moment bei Radwegen 80 Prozent Zuschuss gibt“. Die Kosten? Da stammt die jüngste, siebenstellige  LBM-Kalkulation aus dem Jahr 2010 und wird nicht mehr aktuell sein. Zum Vergleich: Der ähnlich lange Abschnitt des Kyllradwegs zwischen Jünkerath und Losheim an der Grenze zu Belgien, vor fünf Jahren eröffnet, hat 5,5 Millionen gekostet.

Dass die neuen Radstrecken auf alten Trassen hochbeliebt sind, steht fest – nicht erst seit Corona: Zwischen Jünkerath und Losheim, sagt Enders, habe man im ersten Jahr seit der Eröffnung einen Anstieg von 24 000 auf 39 000 Nutzer registriert.

Bahnstrecke Prüm-Gerolstein Foto: TV/Hartmann, Simon

Die Finanzierung, sagt Johannes Kuhl, sei auf Prümer Seite weitgehend geregelt: „Die steht seit Jahren im Haushalt – und wird seit Jahren geschoben in der Hoffnung, dass es endlich beginnt.“