Radwege links liegen gelassen

Radwege links liegen gelassen

BITBURG-PRÜM. Es gibt ihn und es gibt ihn nicht: Die Eifel hat einen neuen Radatlas, aber bevor er in den Handel kommen konnte, wurde die Auslieferung gestoppt. Grund: Zu viele Fehler hatten sich eingeschlichen.

Monika Fink ist entsetzt: "Das hier kann ja wohl nicht wahr sein!", empört sich die SPD-Landtagsabgeordnete nach der Lektüre des Radatlanten Eifel für den Kreis Bitburg-Prüm. Dorn im Auge sind ihr die zahlreichen Fehler, die sich durch die Routenbeschreibungen ziehen.Auch Bernd Spindler, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Kyllburg, ist wenig begeistert von dem neuen Radatlas. Genau wie alle anderen Verbandsgemeinden des Kreises Bitburg-Prüm ist er an dem Werk, das hauptsächlich mit EU-Geld finanziert wurde, mit rund 5000 Euro beteiligt. Von dem Geld werden außerdem Schilder für die Radrouten, die Internetpräsentation und die Werbung finanziert.Entweder wird überklebt oder neu aufgelegt

Vor drei Jahren habe er von dem Radatlas zum ersten Mal gehört, danach nie wieder. Druckfahnen zur Korrektur habe er nie gesehen, sagt Spindler. Jetzt habe er den fertigen Führer auf den Tisch gelegt bekommen. Für das "Machwerk" will er keinen Cent bezahlen. Die Texte seien in schlechtem Deutsch geschrieben, und die für Millionenbeträge gebauten Radwege seien mit keinem Wort erwähnt. Stattdessen werden Radfahrer über Landesstraßen geschickt. "Stümperhaft" lautet das Urteil von Spindler. "Der Anstieg von Erdorf nach Wilsecker wird im Führer als leicht beschrieben. Also mir geht da die Luft aus, oben angekommen platzen einem fast die Waden," weiß Spindler aus eigener Erfahrung.Herausgeber des Radatlanten ist die Sport & Tourismus GmbH in Prüm, deren Geschäftsführer Leo Hammes ist. Der sieht sich zu Unrecht in der Kritik. Zwar sei er verantwortlich für die Koordination des Führers, für den Inhalt seien aber die Verkehrsämter und Verbandsgemeinden mitverantwortlich. In einer Pressemitteilung teilt er mit: "Im Rahmen der Umsetzung von LEADER II (ein EU-Programm zur Förderung ländlicher Räume) wurde ein insgesamt 136-seitiger Radatlas Eifel, der 25 Einzelrouten darstellt und umfassend beschreibt, aufgelegt." Die Routen seien vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) in Abstimmung mit den Verbandsgemeinden/Stadt Bitburg von Ende 1999 bis Mitte 2001 ausgewählt worden. "Ergänzend wurden zu den Routen Sehenswürdigkeiten, Hotellerie- und Gastronomieangebote von den Verkehrsämtern zusammengetragen", sagt Hammes. Jedoch seien 2002 von der beauftragten Agentur nicht alle von den Verkehrsämtern gemeldeten Angaben berücksichtigt worden. Hieraus resultieren Fehler, die eine nachträgliche Überarbeitung erforderlich machen.In Anbetracht der Tatsache, dass es vor diesem Atlas keinerlei Grundlagen gab, und das Gesamtnetz rund 504 Streckenkilometer umfasst, findet Geschäftsführer Leo Hammes den Atlas "in Ordnung". Er räumt ein, dass es Fehler gebe. Das liege nach Ansicht wohl auch daran, dass es zu viele Akteure in der Sache gab, nach dem Motto: "Viele Köche verderben den Brei."Fest steht, das der Radatlas in seiner bisherigen Form nicht ausgeliefert wird, sagt Rudolf Müller, Sprecher der Kreisverwaltung Bitburg-Prüm. Zurzeit werden einzelne Seiten überarbeitet. Ob die fehlerhaften Seiten überklebt werden, oder der Radatlas neu aufgelegt werden muss, ist noch nicht geklärt.Monika Fink stellt in der Sitzung des Kreistags, 14.30 Uhr, Kreishaus Bitburg, zu diesem Thema eine Anfrage. Außerdem geht es in der Sitzung des Gremiums unter anderem um den Kreishaushalt und das Investitionsprogramm.