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Rätseln auf Eifeler Platt

Rätseln auf Eifeler Platt

Nach vier Comicbüchern und zahlreichen Illustrationen in heimatkundlichen Veröffentlichungen hat Benedikt Heinemann aus Herforst nun ein Rätselheft auf Platt geschaffen. Der TV hat den kreativen Kopf zu Hause besucht.

Herforst. Er ist ein Jongleur. Ein Sprachjongleur. Benedikt Heinemann wirbelt mit Worten und Wortspielen, haut einen Spruch nach dem anderen raus, kurze Gedichte in Reim-Form oder Anekdoten über plattdeutsche Wörter mit doppelter Bedeutung. Und das alles auf Herforster - Verzeihung - Herbischder Platt.

Dabei ist Heinemann gar nicht mit Plattdeutsch aufgewachsen. Sein Vater stammte von Herforst, ließ sich wegen des Berufes und der Liebe wegen aber in Essen nieder und sprach mit seinem Sohn Hochdeutsch. Nur während der Ferien in der Eifel hörte Benedikt Heinemann den Klang der Sprache, die für ihn heute so wichtig ist - und auch Heimat bedeutet. "Wenn man hier kein Platt spricht, bleibt immer eine gewisse Grenze zu den Leuten. Platt ist identitätsstiftend, dazu witzig und originell. Außerdem kann man Kritik blumiger formulieren."

Während seines Pädagogik-Studiums in Trier wohnte er in der familieneigenen Ferienwohnung in Herforst, lernte seine Frau Sigrid kennen - und blieb. Beide engagieren sich: sie mehr öffentlich in der Kommunalpolitik, er mehr im Verborgenen als Illustrator zahlreicher Bücher und heimatkundlicher Veröffentlichungen.
Zeichnen ist seine zweite große Leidenschaft neben der Sprache, Malen in allen möglichen Techniken, dazu Schreiner- und Steinmetzarbeiten oder Kunst aus Dosenblech. "Ich werde unruhig, wenn ich eine Zeitlang nichts Kreatives gemacht habe", bekennt er.
"Manchmal hat er abgefahrene Ideen", sagt seine Frau und lacht. "Da muss ich auch schon mal bremsen." Gut, dass sie es beim jüngsten Projekt nicht getan hat: einem Rätselheft "opp Eefeler Platt". Nach dem Tod seines Vaters, mit dem er gemeinsam vier Comicbücher auf Platt herausgegeben hatte, wollte er etwas Neues machen. Auf zwanzig Seiten gibt es Gitterrätsel, Fehlersuchbilder oder handgezeichnete Rätsel-Labyrinthe für die jüngeren Rätselfreunde. "Da wird man behämmert, wenn man das zeichnet." Trotzdem verzichtet Heinemann weitgehend auf den Computer. "Ich kann zwar damit umgehen, aber es liegt mir nichts dran".

So schneidet er die Raster für die Rätsel von Hand aus und klebt sie auf Papier. Dann kommen die Zeichnungen dazu: der kleine Bauer, dessen Frau und Enkel - alles Figuren aus seinen Comcis - dazu Haushund Theodor Mommsen. Und natürlich die Wörter, die es zu erraten gilt.
Kostprobe gefällig? Ozeln, Seomessen, Schlachmundes oder die Ortsnamen Gunnaf, Deenaf und Urwen. "Es sind einfache und schwierige Wörter dabei. Das Wort ,Chresdaach' könnte man auch mit ,K' schreiben, aber man sollte die Wurzeln nicht verleugnen", meint Heinemann.
Um den unterschiedlichen Ausdrucksweisen in den verschiedenen Eifel-Dörfern gerecht zu werden, erfolgt die Lösung immer vom Platt ins Hochdeutsche.
Wer seine Plattkenntnisse testen möchte, kann das Rätselheft für drei Euro erwerben bei Ortsbürgermeister Werner Pick, der Kenner Bäckerei in Herforst sowie in den Buchhandlungen Engel (Bernkastel-Kues), Scharff (Speicher), Eselsohr und Logos (beide Bitburg).
Und Heinemann? Er hat schon 58 Illustrationen für das nächste Heft fertig, das im Frühjahr 2016 erscheinen soll. Kopf und Hände können einfach nicht ruhig halten. "Die Ideen sind immer da, die gehen mir schon selber auf den Geist", sagt er.