Räuber-Bande erpresst Handys in der Südeifel

Justiz : Räuber-Bande erpresst Handys in der Südeifel

Als möglicher Mittäter bei zwei Raubüberfällen an der Sauer bei Bollendorf steht ein 24-Jähriger vor dem Trierer Landgericht.

Der junge Luxemburger auf der Anklagebank im Landgericht sieht nicht aus wie einer, der Raubtaten begeht. Doch er ist alles andere als ein unbeschriebenes Blatt. Laut Staatsanwältin Kristina Speicher soll der Angeklagte am 8. Oktober 2015 zusammen mit zwei gesondert verfolgten Komplizen den Plan gefasst haben, am Sauerradweg bei Bollendorf Jugendliche um deren Handys  zu berauben.

Einer der noch verfolgten Komplizen hatte sich für das Treffen am Sauerufer sogar eine Pistole in die Jacke gesteckt. Ob es sich um eine scharfe Waffe, eine Schreckschusspistole oder um ein echt wirkendes Spielzeug handelte, konnte laut Staatsanwaltschaft bisher nicht festgestellt werden.

Per Handy wurde das Opfer dann gebeten, zum Platz an der Sauer zu kommen. Der erschien dort gegen 15 Uhr, begleitet von einem Freund. Zum weiteren Ablauf heißt es in der Anklage: Dort angekommen, wurde der Betroffene von einem der Mittäter durchsucht, wobei ihm 20 Euro aus der Tasche entwendet wurden. Auf Bitten des zweiten Mittäters händigte er ihm sein Handy im Wert von etwa 300 Euro aus. Als er sich aber weigerte, die Fingerabdrucksperre des Geräts auszuschalten, zog der zweite Täter die Pistole. Der andere soll die Drohung mit den Worten „Mach keinen Scheiß – gib her!“ bekräftigt haben. Danach erhielt der Überfallene noch einen Schlag mit der Pistole in den Rücken. Nach weiteren Schlägen mit der Pistole übergab der Betroffene schließlich aus Angst um sein Leben das Handy.

Anschließend wurden laut Anklage zwei weitere Jugendliche zu diesem  Platz gelockt. Wie der erste Überfallene gestern als Zeuge erklärt, habe er dazu auf Anordnung der Täter einige  Bekannte mit „möglichst teuren Handys“ anrufen müssen. Zwei weitere Jugendliche erschienen prompt am Ufer. Auch sie wurden nach Bargeld und Handys durchsucht. Die Beute: Geräte im Wert von rund 600 und 100 Euro. Auch diese beiden Opfer seien mit der Pistole bedroht worden.

Gefasst ist der nun angeklagte 24-Jährige. Der Mann hat nach eigenen Angaben schon reichlich Erfahrung mit Justiz und Vollzug in Luxemburg – zurzeit sitzt er noch eine andere Strafe wegen Schlägerei und Diebstahl ab. Seinen bisherigen Lebensweg betrachtet er kritisch: „Nach dem Hauptschulabschluss ging es bergab.“ Erziehungsheim, Jugendstrafe, dann nach Berlin und zurück nach Luxemburg wegen der kranken Mutter, mit 19 Jahren wieder Haft, ein Internatsbesuch in Deutschland, danach ein versuchter Schulbesuch in Belgien, dann wieder Alkohol, Drogen, Diebstahl und Haft. Er meint: „Ich war immer der Dumme. Die anderen haben den Scheiß‘ angefangen, und ich machte dann mit, weil ich meinte, ich müsste denen helfen.“

So sei es auch bei dem Vorfall 2015 an der Sauer gewesen, wo er wieder mal unter Alkohol und Drogen gestanden habe. Seine Rolle bei der Tat schildert er als die eines eher passiven Zuschauers und die Tat seiner zwei Kumpels habe er mehr als zweifelhaft empfunden.

Zeugen bestätigen die Passivrolle des Angeklagten. Er habe fast zwölf Meter vom Kerngeschehen entfernt als Dolmetscher fungiert, weil einer der Täter kein Deutsch sprach. „Der stand eigentlich nur da rum“, sagt der Zeuge.  Und der andere Überfallene meint: „Ich hatte den Eindruck, dass der zwar anwesend war, aber keinen Bock auf das Ganze hatte.“

Die Verhandlung wird am Donnerstag, 24. Januar, 9 Uhr, fortgesetzt.

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