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Räumen, schneiden, pflegen

Räumen, schneiden, pflegen

JÜNKERATH. Die Obere Kyll ist eine von ganz wenigen Verbandsgemeinden (VG) in der Region Trier, die einen Bauhof unterhalten. Die Abteilung mit neun Mitarbeitern wurde im Januar 1975 gegründet.

"Keiner weiß, wie es geschah - plötzlich ist der Bauhof da!", reimt Mitarbeiter Bernd Schmitz. Ein Späßchen - und trotzdem hat der Zweizeiler einen durchaus realistischen Hintergrund. Denn tatsächlich wurde der Bauhof der Verbandsgemeinde Obere Kyll mehr oder weniger spontan ins Leben gerufen. Als vor mehr als 30 Jahren das Jünkerather Bauunternehmen Buske in Konkurs ging, lag plötzlich dessen Baustelle am neuen Stadtkyller Vereinshaus brach. Die VG sprang ein, übernahm Mitarbeiter, Fahrzeuge und Maschinen und ließ unter der Leitung von Peter Wülferath das Gebäude fertigstellen (dass das "Haus am Park" ein Jahr darauf über Nacht niederbrannte, ist eine andere Geschichte).Erst Konkurs, dann Gründung

Anschließend kaufte die VG das ehemalige Buske-Betriebsgebäude. "Dem damaligen Konkursverwalter lag nämlich daran, möglichst viel zu versilbern", berichtet Karl Müller, Leiter des VG-Bauamts. Die Kommune habe es dann als sinnvoll angesehen, die bisherigen Gemeinde-Arbeiter aus den einzelnen Dörfern zentral unterzubringen - und so kam es am 1. Januar 1975 zur Gründung des Bauhofs. Damals schon dabei: Hermann Schmitz aus Lissendorf, heute Chef der kostendeckend arbeitenden Neun-Mann-Kolonne mit einem Jahresetat von knapp einer halben Million Euro. "Der Bauhof ist kein Luxus", sagt Bürgermeister Werner Arenz. "Die Mitarbeiter bringen das wieder rein, was sie uns kosten." Auch eine Konkurrenz zu den Bauunternehmen in der VG sieht Arenz im Bauhof nicht: "Wir machen das, was ad hoc erledigt werden muss. Wenn irgendwo ein Grab ausgehoben werden muss, kann man dafür keine Ausschreibung machen." Kurz: Die handwerklichen "Allround-Talente" des Bauhofs seien für diese und ähnliche Arbeiten schlicht unverzichtbar. "Außerdem leisten wir damit in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit einen Beitrag zu mehr Beschäftigung." Zurück zum aktuellen Einsatzort von Bernd Schmitz: Zusammen mit seinem Kollegen Martin Hütter hat er heute, bei kalt-vernebeltem Januarwetter, am Stadtkyller Hasenberg Bäume und Sträucher zu kappen. Nur eine von vielen Arbeiten, die von den Bauhof-Männern in der VG täglich - und bei jedem Wetter, wie die beiden versichern - erledigt werden. Hütter und Schmitz zählen auf: "Gräben reinigen, Heckenschnitt, Rasen mähen, Anlagen pflegen, Winterdienst natürlich, Instandhaltung der Kanal- und Regeneinlässe, Reinigen von Vorflutern und Stauseen, Ab- und Umbrucharbeiten, Reparatur und Pflege von Arbeitsgeräten und Maschinen.""Hunderte Einzelmaßnahmen"

Außerdem unterhalten sie die Sportanlagen, leisten Friedhofsarbeiten, halten weitere kommunale Gebäude und Einrichtungen instand - neben weiteren "hunderten Einzelmaßnahmen", wie Karl Müller es zusammenfasst. Und auch als Landschaftspfleger sind sie unterwegs. Nämlich immer dann, wenn ignorante Zeitgenossen Schrott und Müll wild "entsorgt" haben - vom Autoreifen bis zum Kühlschrank. Ein breites Arbeitsspektrum also. Nur ein Punkt fehlt noch: "Ab und zu auch mal ein Schwätzchen mit den Anwohnern", ergänzt Bernd Schmitz. Eine Geburtstagsfeier für den Bauhof ist übrigens nicht geplant. "Die machen wir dann beim Fünfzigsten", sagt Karl Müller.