Raiffeisen-Genossen in der Eifel tun sich zusammen

Gewerbe : Raiffeisen-Genossen in der Eifel tun sich zusammen

Die Rhein-Ahr-Eifel Handelsgesellschaft will in der Region ihr Filialnetz ausbauen. In Bitburg soll ein Warenzentrum entstehen, in der Südeifel eine Kooperation mit der Warenabteilung der Raiffeisenbank Irrel wachsen.

Die Landwirtschaft ist im Wandel. Kaum eine Branche hat sich in den vergangenen Jahren so stark verändert wie diese. Bauern müssen sich heute mit Digitalisierung beschäftigen, mit Biologie und Naturschutz. Jährlich schafft es neue Technik auf den Markt, und neue Auflagen und Verordnungen schaffen es in deutsche und europäische Gesetzbücher. All das beeinflusst aber nicht nur die Strukturen in der Landwirtschaft, sondern auch andere Geschäftszweige. Vor allem solche, unter deren Kunden viele Bauern sind. Dazu zählen die Raiffeisen-Märkte, die vieles anbieten, was der Landwirt begehrt: Futter fürs Vieh, Dünger fürs Feld, Diesel für den Traktor zum Beispiel.

„Mit diesen Produkten wettbewerbsfähig zu bleiben, ist als kleiner Betrieb heute nicht mehr so leicht wie vor Jahren“, sagt Werner Kemmer, Vorstandsmitglied der Raiffeisenbank Irrel. Zu dem Südeifeler Kreditinstitut gehört eine Warenabteilung mit zwei Märkten. Einer liegt in Irrel, einer in Lahr. 25 Mitarbeiter sind in diesem Geschäftsbereich beschäftigt, der einen Jahresumsatz von 20 Millionen Euro macht.

Klingt gut, wird auf Dauer aber nicht eigenständig funktionieren, sagt Kemmer und nennt Gründe: Baustoffe, Dünger und Futtermittel etwa könnten die zwei Filialen nicht in so großen Mengen kaufen wie mancher Konkurrenzbetrieb mit mehreren Märkten. Deshalb bekommen die Südeifeler schlechtere Preise. „Auch Lieferengpässe betreffen große Unternehmen nicht wie kleine“, sagt Kemmer und denkt dabei an den Sommer 2018. Damals kam kaum Sprit und Heizöl in der Region an, weil Schiffe den niedrigen Rhein nicht befahren konnten. Damit Kunden nicht auf dem Trockenen liegen bleiben mussten, pendelte ein Lastwagen zwischen Irrel und den Niederlanden hin und her. „Der LKW hat uns dann im Betrieb gefehlt“, sagt Kemmer. Große Unternehmen hätten hingegen mehrere Lastwagen und eigene Tankstellen.

So eine Firma ist  die Raiffeisen Rhein-Ahr-Eifel Handelsgesellschaft. Das Unternehmen mit Sitz in Euskirchen (Nordrhein-Westfalen) beschäftigt rund 100 Mitarbeiter mehr als die Südeifeler und zählt rund ein Dutzend Filialen und Tankstellen. Darunter sind einige Märkte in der Region: etwa in Rittersdorf, Messerich und Badem im Bitburger Land, in Mettendorf in der Südeifel sowie in Ormont an der Oberen Kyll. Der Jahresumsatz liegt bei fast 100 Millionen Euro. Mit dieser Handelsgesellschaft will die Warenabteilung der Raiffeisenbank Irrel nun zusammenarbeiten, „um wettbewerbsfähig zu bleiben und beide Standorte auf Dauer zu erhalten“, wie Kemmer sagt: „Es ist der richtige Zeitpunkt, sich in größerer Einheit den Herausforderungen zu stellen.“ Deshalb haben beide Firmen diese Woche eine Kooperation vereinbart. Wann und ob der Geschäftszweig mit dem Konzern zusammenkommt, werde derzeit bewertet, sagt Kurt Gentges, Geschäftsführer der Handelsgesellschaft Rhein-Ahr-Eifel. „Spruchreife Ergebnisse“ erwartet er innerhalb dieses Jahres.

Und wie könnten die aussehen? „Für die Kunden ändert sich erst mal nichts“, verspricht Kemmer. Und für die Mitarbeiter? „Die werden weiterbeschäftigt.“ Auch die beiden Standorte sollen erhalten bleiben. Den Pachtvertrag für die Filiale in Lahr habe die Bank gerade erst verlängert, sagt das Vorstandsmitglied. Kemmers Fazit: „Eine gemeinsame Unternehmung hilft uns, schneller, effektiver und günstiger zu arbeiten und im Wettbewerb zu bestehen.“

Für die Rhein-Ahr-Eifel Handelsgesellschaft ist die geplante Zusammenarbeit aber nicht die einzige Neuerung, die das Jahr bringen könnte. Auch mit dem geplanten Warenzentrum im Bitburger Gewerbegebiet „Auf Merlick“ könnte es 2019 etwas werden. Lange genug hat es gedauert. Eigentlich sollte die neue Eifeler Zentrale bereits 2018 errichtet werden. Es gibt aber nach wie vor kein Baurecht.

Warum es so lange dauert? „Einige Anregungen von Behörden und Bürgern mussten in die Planung eingearbeitet werden“, sagt Gentges: so etwa die Höhe der vorgesehen Silos und deren Farbe sowie das Verkehrsaufkommen. Der Bebauungsplan habe dementsprechend geändert werden müssen. „Bei solchen komplexen Bauarbeiten ist das aber nicht ungewöhnlich“, sagt der Geschäftsführer.

Es seien keine Bedenken laut geworden, sagt Gentges, die das Projekt gefährden. Auch die Bau- und Planungskosten lägen weiterhin im „grünen Bereich“. Die Tiefbauarbeiten würden zwar teurer werden, aber möglicherweise gebe es anderswo Sparpotential. Gerüchte, dass das Vorhaben in Bitburg vor dem Aus stehe, dementiert der Chef der Handelsgesellschaft.

Die Firma plane nun, in die Offenlage zu gehen, die Träger öffentlicher Belange erneut zu Wort kommen zu lassen. „Wenn dabei nichts Gravierendes auftaucht, können wir im Frühsommer einen Bauantrag stellen“, sagt Gentges. Wann die Bagger rollen werden, kann er nicht sagen. Sehr lange werde es aber nicht mehr dauern.

Sobald das neue Warenzentrum in Bitburg seine Türen öffnet, gehen die Türen in den Märkten in Badem, Messerich und Rittersdorf zu. „Vorher allerdings nicht“, verspricht Gentges. Die Jobs der Mitarbeiter in den Außenfilialen seien sicher. Sie werden in die Bierstadt umziehen. Langfristig sei geplant, das Personal aufzustocken.