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Raiffeisenbank Irrel: Der Weg zur die Fusion ist frei

Wirtschaft : Ende des Asterix-Dorfes unter den Banken - Raiffeisenbank Irrel hat freie Bahn für Fusion

Zuerst war es eine unbeliebte Idee, die Eigenständigkeit der Raiffeisenbank Irrel aufzugeben. Doch im Gegensatz zu einem kleinen gallischen Dorf fehlt der Zaubertrank, um sich auf eigene Faust durchzusetzen.

Das lange Kapitel von der kleinen, aber unabhängigen Raiffeisenbank (Raiba) Irrel geht seinem Ende entgegen. Wie bereits berichtet, steht die Irreler Genossenschaftsbank in konkreten Fusionsverhandlungen mit der Volksbank (Voba) Eifel Bitburg. „Der Aufsichtsrat hat uns beauftragt, die Gespräche mit Bitburg zu führen. Eine erfreuliche Entwicklung“, sagt Raiba-Vorstand Manfred Weiland. Und sein Kollege Norbert Leinen sagt: „Mit diesem Schritt setzten wir die deutlichen Signale um, die uns die Mitglieder in der Vollversammlung 2021 gegeben haben.“

Wie der TV in der Vergangenheit berichtete, war dies nicht immer so. Noch in den Generalversammlungen 2015 bis 2019 überwog der Stolz über die Selbstbehauptung und Unabhängigkeit als wohl kleinste Genossenschaftsbank in Rheinland-Pfalz. Gerne machte der humorvolle Vergleich mit Asterix und dem kleinen gallischen Dorf die Runde, das sich tapfer und erfolgreich gegen die römischen Besatzer wehren konnte. Doch dann kippte die Lage auf dem Finanzsektor. Ein heftiger Negativfaktor war die politisch gewollte Null-Zins-Politik, dazu kam dann noch die Corona-Krise mit ihrem monatelangen Lockdown und den sich daraus ergebenden wirtschaftlichen Unwägbarkeiten. Aus Sorge um die Zukunft sahen Aufsichtsrat und Vorstand keinen anderen Weg mehr als die Fusion mit der starken Voba Eifel. Die Gespräche mit den Bitburgern verliefen erfolgreich, so dass in der Vollversammlung 2020 ein viele Seiten starkes Vertragswerk zur Abstimmung präsentiert werden konnte. Doch die rund 250 Genossenschaftsmitglieder, die auch für die von ihnen vertretenen Mitglieder abstimmen dürfen, fühlten sich damals mehrheitlich von dem Vorstoß überrumpelt. Zwar versuchten Vorstand und Aufsichtsrat fast zwei Stunden lang, die versammelten Eigentümer mit Hinweis auf die schlechter werden Rahmenbedingungen von der Dringlichkeit einer Fusion zu überzeugen. Es war vergeblich. Nach einer emotional geprägten Aussprache wurde der Fusionsvertrag 2020 mit deutlicher Mehrheit abgelehnt. Da half auch das umfassende Prüfungsgutachten vom Genossenschaftsverband der Regionen in Düsseldorf nicht, wonach eine Fusion für beide Häuser ratsam, richtig und zukunftsweisend wäre.

Nach der Abstimmungsohrfeige brachte der damalige Aufsichtsratsvorsitzende Norbert Wilmsen nochmals die Gallier ins Spiel: „Die konnten sich gegen die Römer wehren, weil sie einen Druiden mit seinem Zaubertrank hatten. Doch den haben wir nicht.“

Um 180 Grad gedreht wirkte das Stimmungsbild im vergangenen September in der Hauptversammlung 2021. Vorausgegangen war eine monatelange Informations- und Überzeugungsarbeit des Vorstandes und des Aufsichtsrates. Und auch die Argumente pro Fusion kamen hart aber deutlich rüber, denn schon da lief nichts mehr ohne die Voba Eifel. Auch auf der Personalebene.

Vorstand Norbert Leinen sagte im September: „Nur dank der Kooperation mit der Volksbank Eifel kann die Bank den Geschäftsbetrieb aufrechterhalten.“ Ihr fehlten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter insbesondere auf dem Feld der regulatorischen Aufgaben. Für junge, qualifizierte Spezialistinnen und Spezialisten sei die Bank mit einer Bilanzsumme von nur knapp 138 Millionen Euro unattraktiv.

Dagegen sprachen nur scheinbar die durchaus positiv klingen den Zahlen aus dem Geschäftsbericht 2020. Aber das werde sich künftig ändern, warnte im September Vorstand Manfred Weiland. In zahlreichen Wortmeldungen erklärten die Mitglieder ihre deutliche Zustimmung. Und eine junge Mitarbeiterin schilderte die gute Zusammenarbeit mit der Voba Eifel, die sie als Hospitantin in Bitburg erlebt hatte.

So laufen nun die Fusionsgespräche. Gegenstand sei auch der künftige Namen der fusionierten Bank, sagt Pressesprecher Asmus Schütt auf Anfrage. Um den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie den Mitgliedern zeitnah im neuen Jahr einen Blick auf die neue Bank zu bieten, seien für den Februar 2022 Informationsveranstaltungen geplant. Schon dann sollen wesentliche Eckdaten vorgestellt und mögliche Fragen beantwortet werden. Im April könnte dann das Vorhaben in der Generalversammlung zur Abstimmung gestellt werden.