Rainer Wirtz gewinnt Bürgermeisterwahl

Kyllburg · Jubel bei der CDU: Rainer Wirtz wird neuer Bürgermeister in der Verbandsgemeinde (VG) Kyllburg. Der 53-Jährige setzte sich nach einem spannenden Duell gegen Amtsinhaber Bernd Spindler durch. Die Wahlbeteiligung war jedoch gering: Nur 52,5 Prozent der Wahlberechtigten gaben ihre Stimmen ab.

Ohrenbetäubender Applaus brandet am Sonntagabend gegen 18.50 Uhr auf, als der Sieger der Bürgermeisterwahl den Sitzungssaal des Kyllburger Rathauses betritt: Mit einem leicht ungläubigen, aber strahlenden Lächeln nimmt Rainer Wirtz die Ovationen mit den Worten "Ich bin gerührt - vielen, vielen Dank" entgegen. Dass der CDU-Herausforderer nach der Auszählung in allen 21 Wahlbezirken mit fast 300 Stimmen vor dem Amtsinhaber Bernd Spindler liegt, war knapp eine halbe Stunde zuvor noch nicht abzusehen. Da lieferten sich die beiden Kandidaten noch ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Lange Zeit lag Spindler - wenn auch knapp - vorne. Erst als die Ergebnisse von 18 der 21 Wahlbezirke feststehen, übernimmt Wirtz die Führung - und baut sie am Ende noch deutlich aus: In Badem, die als vorletzte Gemeinde die Ergebnisse durchgibt, erzielt der CDU-Kandidat 61,9 Prozent, in der Stadt Kyllburg dann sogar 72,8 Prozent. Als das vorläufige Endergebnis gegen 18.30 Uhr vorliegt - für den Herausforderer stimmten 54,5 Prozent der Wähler, für Spindler 45,5 Prozent - feiern hauptsächlich Wirtz-Unterstützer im Sitzungssaal. Zu diesem Zeitpunkt sind weder der geschlagene Amtsinhaber, der nun im Mai 2012 nach 16 Jahren an der Spitze der VG Kyllburg den Chefsessel räumen muss, noch der Sieger anwesend.

Vorläufige Analysen übernehmen daher andere: "Rainer Wirtz hat mit der Art seines Wahlkampfs überzeugt", freut sich Theo Marx, Vorsitzender des CDU-Gemeindeverbands Kyllburg, "im Prinzip ist der Amtsinhaber gescheitert an seiner Arroganz." Der Angesprochene erscheint sichtlich mitgenommen gegen 18.45 Uhr im Saal, will seinem Kontrahenten gratulieren, der ist allerdings zu diesem Zeitpunkt noch nicht in Kyllburg eingetroffen. "Ich wünsche Herrn Wirtz und der VG Kyllburg für die Zukunft alles Gute", sagt Spindler noch und geht wieder.

Die Jubelstürme für den Wahlsieger bekommt er nicht mehr mit. Dieser bedankt sich zunächst bei allen Wählern, die ihm das Vertrauen geschenkt haben, und gibt sich versöhnlich: "Die Wahl ist jetzt vorbei. Mir geht es nun darum, dass wir gemeinsam Politik machen für die Menschen in der VG Kyllburg", sagt Wirtz strahlend. Kyllburger wählen den Wechsel

Meinung

Nina Ebner

Die Wähler in der Verbandsgemeinde Kyllburg wünschen sich Veränderung. Das zeigt ihr klares Votum für Rainer Wirtz in erster Linie. Dabei wird dem abgewählten VG-Chef Bernd Spindler noch nicht mal schlechte Arbeit vorgeworfen. Der Wunsch nach einem Wechsel kommt wohl eher daher, dass viele dem bisherigen Amtsinhaber seine Landrats-Kandidatur in Bernkastel-Wittlich nachtragen, ihm sein angespanntes Verhältnis mit Vertretern der Stadt Kyllburg ankreiden und dass seine Kampagne, in der er vor den Folgekosten bei einer Wahl seines Kontrahenten warnte, nicht gut ankam. Wirtz kann es egal sein - er hat sich durchgesetzt. Jetzt muss er beweisen, dass er auch der Richtige für diesen Posten ist. n.ebner@volksfreund.de

Stimmen der Fraktionen aus dem Verbandsgemeinderat Kyllburg zum Ausgang der Bürgermeisterwahl

Hermann-Josef Berscheid (CDU): "Ich freue mich, dass Rainer Wirtz nach einem engagierten Wahlkampf trotz der von Bernd Spindler angezettelten Diskussion um Pensionen gewonnen hat. In den vergangenen Wochen war die Wechselstimmung in der Bevölkerung bereits spürbar. Ich bin davon überzeugt, dass der neue Bürgermeister, die entstandenen Gräben zwischen den Fraktionen überwinden kann und, dass unter Rainer Wirtz eine konstruktive Zusammenarbeit aller Fraktionen möglich ist."

Joachim Schmitt (FWG): "Ich bin enttäuscht über das Ergebnis. Mit Bernd Spindler verlieren wir Fachkompetenz und wertvolle Zeit bei der Lösung der demnächst anstehenden Probleme der Verbandsgemeinde im Zuge der Kommunalreform. Ich bin gespannt, wie Rainer Wirtz ab dem 1. Mai 2012 Schaden und Nachteile für unsere VG vermeiden will. Letztlich gibt es aber mit Wirtz als Bürgermeister für die CDU keine Ausreden mehr, um nicht zu einer sachlichen und vernünftigen Arbeit im VG-Rat zurückzukehren."

Bernd Heinicke (SPD): "Egal, was es kostet, die Mehrheit der Wähler hat sich für einen Wechsel entschieden. Wir sind nun im VG-Rat gefordert, die Geschicke der Verbandsgemeinde weiterhin positiv mitzugestalten. Bernd Spindler hat gute Arbeit geleistet. Bei der anstehenden Kommunalreform wäre ein Bürgermeister mit seiner Erfahrung wertvoll gewesen."

Werner Schmitt (FDP): "Wir haben keinen Hehl daraus gemacht, dass wir für Bernd Spindler waren. Jetzt haben die Wähler gesprochen und das ist zu akzeptieren. Für uns kann das nur bedeuten, dass wir den zukünftigen Bürgermeister bei seiner schwierigen Arbeit, die auf ihn zukommen wird, im Interesse der Wähler unterstützen müssen."

Manfred Schwickerath (Grüne): "Wir haben die Uhr nicht nur von Sommerzeit auf Winterzeit umgestellt, sondern auch polkitisch die Uhr zurückgedreht. Wir verweigern uns einer Zusammenarbeit mit dem neuen Bürgermeister nicht. Aber Voraussetzung dafür ist, dass Rainer Wirtz seiner Fraktion einen angemessenen Umgang mit politisch Andersdenkenden vermitteln kann. Bedauerlich ist, dass wir mit Bernd Spindler viel Erfahrung und Kompetenz verlieren." scho