Rasant durch die "Ritz”

In der beengten Straße klagen Anwohner über Autofahrer, die viel zu schnell unterwegs sind. Die Polizei will demnächst mal mit der Laserpistole vorbeikommen.

Prüm Sie ist nur ein kurzes Sträßchen, dazu noch eng bebaut, und dennoch scheinen sich viele Autofahrer nicht daran zu stören: die Prümer Ritzstraße. Ein Anwohner hat sich nun beim TV gemeldet und das Gerenne kritisiert: "Das liegt mir schon länger am Herzen", sagt Werner Klaus Polotzek, der aus seiner Wohnung gegenüber der Tankstelle von Familie Jary direkt auf die Straße blickt. "Die rasen hier wie auf dem Nürburgring. Total wahnsinnig. Hier gilt überall Tempo 30, und kein Mensch hält sich daran."
Ralf Jary von der Tankstelle bestätigt das - vor allem abends, sagt er, "ist das hier die reinste Rennstrecke". Nicht zuletzt für Fußgänger, sagt der 68-jährige Polotzek, sei das hochgefährlich: "Da laufen jede Menge Schulkinder rüber", weil sie nämlich zum nahen Regino-Gymnasium müssen. Und er wundere sich darüber, dass in der Straße keine Geschwindigkeitskontrollen vorgenommen würden.
Anruf bei der Polizei: "So weit ich weiß, haben wir da noch nicht gemessen", bestätigt Christoph Cremer, Chef der Inspektion Prüm. Das sei mit einem Radarwagen allerdings auch schwierig: "Dafür muss es eine ausreichend lange, gerade Strecke sein." Und dafür sei die Ritzstraße eben zu kurz. Nichts zu machen also? Doch: "Als einzige Möglichkeit bliebe die Lasermessung", sagt Cremer. "Die können wir selber machen, wenn wir Zeit und Leute haben. Und die Laserpistole nicht gerade weg ist zum Eichen." Das müsse sein, damit die Ergebnisse auch vor Gericht standhielten.
Cremer hat gerade weitere Beschwerden zum Tema Raser auf dem Schreibtisch - unter anderem aus Fleringen und aus Lissendorf. Dort wie auch in Prüm gehe man der Sache nach. "Nach der Grenzlandschau werden wir das ins Auge fassen."
Das Problem, sagt Werner Klaus Polotzek, habe übrigens "überhaupt nichts" mit der Umleitung wegen der Hahnplatzbaustelle zu tun: "Das war schon vorher so. Und das wird auch in Zukunft so sein."
Fest steht aber, dass wegen er Umleitung jetzt mehr Autos durch die Ritzstraße fahren - und im weiteren Verlauf durch Spiegel- und Unterbergstraße, die beide nicht für so viel Verkehr ausgelegt sind. Wie viele Fahrzeuge genau dort unterwegs sind, kann niemand sagen - allerdings wurden bereits vor sechs Jahren bei einer Zählung im Zusammenhang mit den Hahnplatz-Planungen rund 10 000 tägliche Verkehrsbewegungen in der Abteistadt registriert: eine hohe Belastung, die in den genannten Straßen jetzt besonders zu spüren ist.
Er habe auch Stadträtin Monika Rolef, die schräg gegenüber wohnt, auf das Thema angesprochen, sagt Polotzek - sie wolle das Problem demnächst im Rat ebenfalls ansprechen. "Wir wohnen ja Zeit unseres Lebens da", sagt Monika Rolef. "Und wir hatten schon immer das Problem." Auch im Gerberweg, sagt sie: Dort beklagten sich Passanten, darunter viele Schüler, darüber, dass sie kaum über die Straße kämen.
Auch für die Stadtbürgermeisterin ist das Raserproblem nichts neues: "Jeden Tag", sagt Mathilde Weinandy, kämen bei ihr solche Beschwerden an. Sie zählt weitere Prümer Straßen auf: "Wandalbertstraße, Achterweg, ganz schlimm ist es auch in der Oberbergstraße" - sie führt am Hotel Tannenhof vorbei aus der Stadt hinaus, Richtung Campingplatz und Dausfeld. "Jeder fährt da, so schnell es geht", sagt Mathilde Weinandy. "Und man gefährdet nicht nur sich, wenn ein Unfall passiert, sondern auch andere."
Was kann die Stadt tun? Wenig: höchstens Schilder aufstellen, sagt die Bürgermeisterin. Monika Rolef plädiert für Querungshilfen und weitere Elemente, die den Verkehr langsamer machen könnten. PI-Chef Christoph Cremer verspricht jedenfalls, dass die Polizei tätig werde: "Wir gehen dem schon nach. Das kann man nicht auf sich beruhen lassen."Meinung

Das ewige Thema
Schnell, schnell, schnell, Auto, Auto, Auto: Es ist das ewige Thema in Prüm, nicht erst seit den Arbeiten am Hahnplatz. Dadurch wird es nur noch deutlicher, weil jetzt auch die kleinen Straßen höher belastet sind. Und, Prognose: Wenn mal alles fertig ist, wird sich das nicht bessern. Denn Kreisel, wie auch der in der Prümer Mitte, machen den Verkehr noch schneller. Was bleibt? Kontrollieren, Appellieren. Immer wieder. An alle. Auch an uns selbst: Denn wir alle kranken ja am gelegentlichen Bleifuß. f.linden@volksfreund.de