1. Region
  2. Bitburg & Prüm

Rechenspiele an der Landebahn

Rechenspiele an der Landebahn

Das Tauziehen um den Flugplatz beginnt: Der Stadtrat legt am Dienstag fest, wie viel Geld die Stadt Bitburg bieten wird, um die Anteile von Frank Lamparski an der GmbH zu bekommen. Die werden am 5. Juni versteigert. Es steht viel auf dem Spiel. Nur mit diesen Anteilen kann die Stadt die Geschicke der GmbH steuern.

"Sehr geehrte Damen und Herren, bitte stellen Sie Ihre Sitze wieder nach vorne und schließen Sie die Sicherheitsgurte. Wir setzen nun an zum Landeanflug auf Bitburg.": Mit Blick auf die kommenden zwei Wochen könnte eine Stewardess, die ein paar frische Getränke für lange Sitzungen parat hat und die Notausgänge erklärt, nicht schaden. Denn einfach wird der große Einstieg in die Flugplatz GmbH, den der Stadtrat Ende April beschlossen hat, (siehe Extra) wohl nicht. Es gibt einige Klippen und Hürden zu meistern. Allen voran die Versteigerung der ehemaligen Geschäftsanteile von Frank Lamparski am Mittwoch, 5. Juni.

Spiel mit offenem Ausgang: Das Mindestgebot liegt bei 23 100 Euro. Das entspricht dem Verkehrswert der Anteile, die Lamparski entzogen bekam, weil er finanziellen Verpflichtungen nicht nachgekommen war (der TV berichtete). Geboten werden kann bei der öffentlichen Versteigerung in Schritten von 500 Euro. Wie weit wird die Stadt Bitburg für ihr Ziel gehen, das Sagen in der GmbH zu übernehmen? Das wird Thema in einer Sondersitzung des Stadtrats am kommenden Dienstag. Bürgermeister Joachim Kandels bestätigt: "Wir müssen uns über die Modalitäten der Versteigerung unterhalten. Dabei wird es sicher auch um Geld gehen." Fest steht: Die Anteile erwirbt der mit dem höchsten Gebot. Und der erwirbt auch alle damit zusammenhängenden Rechte und Pflichten. Letzteres ist interessant, da nach TV-Information noch eine Nachzahlungspflicht in sechsstelliger Höhe auf den neuen Anteilseigner wartet.

Piloten könnten dabei sein: Flugplatz-Geschäftsführer Günter Krahé hat sich für eine Versteigerung statt eines Verkaufs der Lamparski-Anteile entschieden, um "einen möglichst hohen Erlös für die GmbH zu erzielen". Er geht davon aus, dass es außer der Stadt Bitburg auch noch andere Interessenten gibt. "Wer das ist, zeigt sich dann an Tag und Ort. Jetzt wäre das nur Spekulation", sagt Krahé. Es ist aber davon auszugehen, dass auch die Pilotengruppe, die Anfang des Jahres bereits ein Angebot für die Anteile des Eifelkreises unterbreitet hat, weiter an einem Einstieg in die GmbH interessiert ist - und zwar mit dem Ziel, den Flugbetrieb aufrechtzuerhalten. Doch dafür gibt es derzeit keine offizielle Bestätigung. Keiner will sich in die Karten gucken lassen.

Initiative gegen Fliegerei: Aus völlig anderen Gründen wiederum gab es zuletzt im Stadtrat eine Mehrheit, nicht nur die Anteile des Eifelkreises, sondern auch jene von Lamparski zu erwerben. Die Stadt will in der GmbH das Sagen übernehmen, um diese von innen heraus umzuändern - und für Grüne, SPD und zuletzt auch FBL bedeutet das: dem Flugplatz derart die Flügel zu stutzen, dass Schluss ist mit der Fliegerei.

Die entscheidenden Anteile: Aber ohne die Lamparski-Anteile von rund 40 Prozent kommt die Stadt nicht auf eine 75-Prozent-Mehrheit in der GmbH. Die ist aber nötig, um Änderungen der Satzung - etwa die Festlegung eines neuen Geschäftsziels - durchzusetzen. Vom Ausgang der Versteigerung hängt zudem auch eine weitere Entscheidung ab: Will die Stadt im Zweifelsfall die Anteile des Eifelkreises von 38 Prozent auch dann noch kaufen, wenn sie im Rennen um die Lamparski-Anteile das Nachsehen haben sollte? Bürgermeister Kandels sagt: "Wenn wir in der GmbH keine Mehrheit bekommen, um wirklich gestalten zu können, macht der Kauf der Kreis-Anteile eigentlich keinen Sinn."

Weitere Interessenten: Theoretisch hätte die Stadt, die rund 16 Prozent an der GmbH hält, allein durch den Erwerb der Kreisanteile eine einfache Mehrheit von 54 Prozent. Theoretisch. Praktisch scheint sich auch das anders zu gestalten. Nach TV-Informationen sind die Unternehmer Adolf Hess und Hermann Köppen, die zusammen mit rund fünf Prozent beteiligt sind, ebenfalls an den Kreisanteilen interessiert. Eine offizielle Bestätigung gibt es dafür nicht - einer der beiden ist verreist, der andere war bis Redaktionsschluss nicht erreichbar.

Kreis-Anteile reichen nicht: Gesetzt den Fall, Hess und Köppen wollten tatsächlich ihren Einfluss in der GmbH ausbauen, dann würden die Kreis-Anteile auf die beiden Unternehmer und die Stadt nach dem Verhältnis ihrer derzeitigen GmbH-Anteile aufgeteilt werden. Das entspricht in etwa einem Verhältnis von 1:3. Heißt: Von den 38 Prozent des Eifelkreises gingen je rund 13 Prozent an Hess und Köppen, die als Befürworter eines Flugbetriebs gelten, und gut 24 Prozent an die Stadt - die dann aber nur auf 40 Prozent der Anteile käme. Im Ergebnis bedeutet das Rechenbeispiel: Ohne die Anteile von Frank Lamparski ist die Stadt in der GmbH machtlos und kann ihr Ziel, die Gesellschaft nach ihren Vorstellungen umzukrempeln, nicht umsetzen.

Position des Bürgermeisters: Im Vorfeld der Sondersitzung am Dienstag sagt Kandels: "Das ist natürlich noch die große Unbekannte: Zu welchem Preis werden die Lamparski-Anteile versteigert, und wie hoch will die Stadt mitbieten?" Angesichts der Entscheidungen, die nun anstehen, sagt Kandels: "Das sind keine kleinen Brötchen, die wir hier backen." Es geht um Grundsatzfragen - allen voran die Frage: Wird von Bitburg aus weiter geflogen oder nicht? Kandels könnte sich eine kleine fliegerische Nutzung des Areals durchaus vorstellen: "Mit einer verkürzten Landebahn und ohne öffentliche Zuschüsse." Der Bürgermeister war zuletzt, wie auch die komplette CDU-Fraktion, dafür, die städtischen Anteile an der GmbH zu verkaufen. Doch die Mehrheit des Rats hat für den großen Einstieg in die GmbH gestimmt.Meinung

Das wäre ein teuer erkauftes Ende
Die Flugplatz GmbH macht Jahr für Jahr Verluste. Rund 180 000 Euro waren es 2012. Will die Stadt wirklich groß in diese Gesellschaft einsteigen, nur um sie lahmzulegen? Der Erwerb von Kreis- und Lamparski-Anteilen würde mindestens 50 000 Euro kosten. Hinzu kommt eine Nachzahlungspflicht von Minimum 100 000 Euro, mit denen die Lamparski-Anteile belastet sind. Bis die GmbH aufgelöst wäre, hätte die Stadt einige Jahre alle Verluste zu tragen. Viel Geld, um sich bei Lärmgegnern beliebt zu machen. Und es bleibt die Frage, ob ein kleiner Flugbetrieb für Bitburg langfristig nicht auch ein Standortvorteil sein könnte - zumal, wenn die Piloten diesen selbst finanzieren. Bei den anstehenden Entscheidungen gilt es, sich nicht von Stimmungen leiten zu lassen, sondern einen kühlen Kopf zu bewahren. d.schommer@volksfreund.deExtra

Die Anteilseigner: Frank Lamparski, der 2010 gut 40 Prozent an der GmbH gekauft hat, bekam seine Anteile Anfang 2013 entzogen, weil er finanziellen Verpflichtungen nicht nachgekommen ist. Der Eifelkreis hält rund 38, die Stadt Bitburg knapp 16 Prozent und die Unternehmer Hermann Köppen und Adolf Hess je 2,5 Prozent. DerKreistag hatte erstmals im Mai 2012 beschlossen, dass er aus der GmbH raus will. Mitte März folgte die Entscheidung, den Verkauf der Anteile europaweit auszuschreiben. Am 6. Mai wurde beschlossen, an die Stadt Bitburg - sowie etwaige weitere interessierte Altgesellschafter - zu verkaufen. Sollte das bis zum 10. Juni nicht gelingen, kündigt der Kreis fristgerecht Ende Juni als Gesellschafter der GmbH. Der Stadtrat hat am 25. April beschlossen, die Kreis-Anteile zu kaufen und die Lamparski-Anteile zu erwerben. Der Beschluss sah folgende Regelung vor: "Details zur Vorgehensweise und insbesondere den monetären Rahmenbedingungen für ein abzugebendes Gebot werden in separater Sitzung festgelegt." scho