Regino-Gymnasium Prüm fördert Begabungen

Schule : Talent gedeiht auch mal im Stillen

Pädagogische Grundlagenarbeit in Prüm: Als eine von 17 Pilotschulen im Land wird das Regino-Gynasium, wissenschaftlich begleitet, unentdeckte Begabungen seiner Schützlinge ausfindig machen und fördern. Das führt zu teils völlig neuem Unterricht.

Man führt gelegentlich Gespräche, aus denen man ein wenig beschwingter herauskommt, als man hineingegangen ist. Weil man spürt: Die haben richtig was vor, diese Leute, sie sind unterwegs auf vielversprechender Spur – und es könnte etwas sehr Gutes dabei herauskommen.

„Die“, das sind in diesem Fall Lehrer und Eltern der Schüler am Regino-Gymnasium Prüm. Das Thema: Begabung. Nicht Hochbegabung, ein wichtiger Unterschied. In Prüm geht es um all das, was in Kindern und Jugendlichen an Talenten, Fähigkeiten, Möglichkeiten noch nicht entdeckt ist – und was vielleicht im Regelunterricht mit seinen herkömmlichen Methoden der Beurteilung nicht bemerkt und nicht gewürdigt werden kann. Die geläufige Leistungsmessung, sagt Regino-Direktor Albrecht Petri, „bildet nur einen Teil des Begabungsprofils ab, das die Schüler mitbringen“.

Auf den Tag genau vor einem Jahr berichteten wir bereits über das Thema, das Regino-Gymnasium war damals vom Land dafür zur Pilotschule auserkoren worden.

Jetzt ist man schon deutlich weiter. Das zeigt sich beim erneuten TV-Termin in der Schule. Mit dabei sind Albrecht Petri, Orientierungsstufenleiter Rainer Mäling, ihre Kollegin aus der Arbeitsgemeinschaft Begabung Julia Laschefski, Schulelternsprecherin Sabine Rehm und ihr Stellvertreter Stephan Elgas.

Die Lehrer haben schon Fortbildungen durchlaufen, darunter eine mit dem Gießener Hochschulprofessor Wolfgang Hallet, der das Projekt wissenschaftlich begleitet. Die Eltern sind ebenfalls eingespannt und wissen, worum es geht: Auch sie, bekennt Sabine Rehm, habe im ersten Moment gedacht, „so etwas mit Hochbegabung und Gedöns muss wirklich nicht sein“, erzählt sie und lacht. Aber schnell sei klar gewesen: „Damit hat das nichts zu tun.“ Und deshalb, bekräftigt Stephan Elgas, stünden die Eltern auch dahinter.

Zuerst wird ohnehin vor allem den Lehrern einiges abverlangt, denn sie müssen teils ihren Unterricht ganz anders planen. „Wir setzen schon in der Orientierungsstufe an“, sagt Rainer Mäling. Und dann versuche man Räume zu schaffen, in denen die Schüler, jeder auf seine Weise, zum Zuge kommen können. Gerade auch jene Kinder, die nicht so sehr auffallen: „Wir haben ganz viele“, sagt Petri, „die Einsen und Zweien schreiben. Im mündlichen Unterricht sind sie aber eher drei bis vier.“ Diesen Kindern neue Möglichkeiten zu eröffen, sagt Mäling, „bringt interessante Ergebnisse“. Zugleich, ergänzt Elgas, überlasse man nicht allein jenen das Unterrichtsfeld, „die sowieso immer vorne sind“.

Wie aber baut man solche Räume? Beim Entwerfen der Stunden geht es unter anderem um das, was Wolfgang Hallet später im Telefonat mit dem TV als „komplexe Aufgabe“ bezeichnet. Wobei „komplex“ nicht bedeutet: Schwierig fürs Kind. Sondern differenziert in der Planung und Konzeption: „Die Idee ist: Aufgaben zu kreieren, die sehr herausforderungsreich und Situationen, die der Lebenswelt sehr ähnlich sind“, sagt Hallet und liefert gleich ein griffiges Beispiel: So könne man etwa im Englischunterricht Comics entwerfen oder eine Talk-Show vorbereiten. Dabei könnten die Schüler unterschiedliche Parts übernehmen, von der Vorbereitung bis zur Umsetzung – „und man kann zugleich vielfältige Talente entdecken“. Es gehe darum, „möglichst viele Fähigkeiten, Interessen und Begabungen aufzurufen“.

Die „komplexe Aufgabe“, sagt deshalb auch Petri, sei für alle gleich, biete aber „Freiheiten auf dem Weg zur Lösung“. Und so, im Idealfall, offenbart ein Schüler dann im Sprachunterricht ein musisches, vielleicht ja darstellerisches Talent. Oder eine Schülerin zeigt in den Naturwissenschaften, dass sie besonders gut im Organisieren ist. Oder in der Teamarbeit vermittelnd agieren kann.

Das alles sei zeitintensiv, sagt Petri. Deshalb lobt er auch die Elternschaft, die dahinter stehe: „Da sind wir in einem guten Miteinander.“ Dass die Schule fürs Projekt ausgewählt worden sei, sagt Julia Laschefski, habe auch damit zu tun, dass man bereits jenseits des Unterrichts Begabungen fördere – siehe, unter anderem, bei Jugend forscht, in der Musik, in der Sprachenförderung oder bei der Theater-AG. Jetzt aber gehe es um das, „was im Unterricht passiert“.

Noch sind sie am Anfang, probieren aus, experimentieren, begleitet von Hallet und dessen Mitarbeitern. Fünf Jahre dauert die erste Phase. Am Ende, sagt Mäling, gehe es um die Frage: „Wo stehen wir?“ Dann folgt Phase zwei, in der die neuen Unterrichtsangebote verfeinert und verbessert werden – und auf andere Schulen ausgeweitet. Damit alle davon profitieren können.

Wolfgang Hallet, der bereits eine Reihe von Schulen im Projekt besucht hat, erkennt überall „sehr nach vorn denkende und ganz engagierte Kollegien“. Nicht zuletzt in Prüm: Da habe er einen sehr schönen Eindruck vom hohen Engagement der Pädagogen erhalten und, ganz unprofessoral ausgedrückt, gesehen, „wie viel da reingebuttert wird“. Sollte den Prümern runtergehen wie Öl.