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Regionaler Nahverkehr im Eifelkreis soll verbessert werden - Keine guten Linien ohne die schlechten

Regionaler Nahverkehr im Eifelkreis soll verbessert werden - Keine guten Linien ohne die schlechten

Mit einem regionalen Nahverkehrsplan will der Eifelkreis das ÖPNV-Angebot verbessern. Der Beschluss hat auch Kritiker.

Wie abstrakt Verwaltungssprache sein kann, wird bei Tagesordnungspunkt drei der Kreistagssitzung deutlich. In der dazu gehörenden Beschlussvorlage ist von "Gefäßgrößen" die Rede. "Ein ganz schreckliches Wort", meint dazu SPD-Fraktionssprecher Bernd Spindler, der sich damit dem gemeinsamen Antrag der CDU- und der FWG-Fraktion anschließt, den Ausdruck durch ein anderes Wort zu ersetzen. Denn mit Gefäßgröße ist in diesem Fall nichts anderes gemeint als die Größe eines Busses, gemessen an der Zahl seiner Sitzplätze. Man könnte also auch Busgröße sagen. Dann weiß jeder, was gemeint ist.
Schließlich sind Busse keine Gefäße, die man einfach so mit Menschen füllt, bis sie randlos voll sind. Einzige Ausnahme sind vielleicht die rollenden Gefäße, die jeden Tag die Schulen im Kreisgebiet ansteuern. Es scheint, als gebe es im Öffentlichen Personennahverkehr des Eifelkreises nur zwei Extreme: Entweder der Bus ist überfüllt mit Schülern oder aber so gut wie menschenleer. Manche Linien sind demnach durchaus lukrativ, andere dafür umso weniger. Weswegen man sich nicht wundern muss, wenn bei den Ausschreibungsverfahren für die einzelnen Linien das Interesse der Busunternehmen unterschiedlich groß ist.
Wer sein Unternehmen wirtschaftlich betreiben will, sucht sich nun mal am ehesten die Linien heraus, mit denen am meisten zu verdienen ist. Das ist nachvollziehbar, führt aber in der Regel dazu, dass die eher defizitären Linien und deren Finanzierung der öffentlichen Hand überlassen werden. Um das zu ändern und gleichzeitig das ÖPNV-Angebot in der Fläche deutlich zu verbessern, arbeitet der Eifelkreis mit dem Zweckverband Verkehrsverbund Region Trier (VRT) an der Umsetzung eines lokalen Nahverkehrsplanes.
70 Prozent mehr ÖPNV-Versorgung für nur 16 Prozent mehr Kosten lautet das Ziel, das unter anderem durch eine Bündelung der Linien erreicht werden soll. Insgesamt vier Linienbündel sind für die Ausschreibung vorgesehen und werden vom Kreistag in der Sitzung schließlich auch in dieser Form genehmigt. (siehe Infobox). Und in jedem dieser Bündel sind sowohl gute als auch schlechte Linien.
"Die Zusammenfassung von Linien zu Linienbündeln schafft die Voraussetzung für eine wirtschaftliche, kundengerechte und betrieblich sinnvolle Verkehrsgestaltung", begründet die Kreisverwaltung dieses Vorgehen. Dadurch werde verhindert, dass es zur "Rosinenpickerei" komme, die Unternehmen sich also nur die wirtschaftlichsten Linien heraussuchten.
Im Zuge eines Beteiligungsverfahrens hatten Behörden, Verbände und Unternehmen die Möglichkeit, zur geplanten Ergänzung des lokalen Nahverkehrsplanes ihre Stellungnahme abzugeben. Und längst nicht alle, die sich dabei zu Wort gemeldet haben, begrüßen das Vorhaben. So kritisiert der Omnibusverband Süd-West unter anderem, dass die Linienbündelung der "rechtlichen Zielsetzung des Mittelstandsschutzes" widerspreche, weil dadurch kleinere und mittlere Betriebe nicht die Möglichkeit hätten, sich an dem Verfahren zu beteiligen.
Nach Auffassung der MB Moselbahn Vertriebsgesellschaft lässt das Vorhaben nicht erkennen, "welche Verbesserungen mit dem Konzept angestoßen werden sollen". Die Bildung der Bündel sei weder objektiv messbar noch von nachvollziehbaren Kriterien abgeleitet, so die Moselbahn. Und die Industrie- und Handelskammer (IHK) begrüßt das Vorhaben an sich, bemängelt aber die nach ihrer Sicht bislang unzureichende "Beteiligung der Unternehmen und relevanten Verbände". Die ansässigen Verkehrsunternehmen seien frühzeitig beteiligt worden, erklärt dazu hingegen die Kreisverwaltung und verweist auf die erste Informationsveranstaltung, die bereits im Juni 2014 stattgefunden habe.
Und was die Linienbündel betreffe, so seien diese gemäß der rechtlichen Vorgaben gebildet worden. Zudem orientiere sich die Bündelgröße an den vorhandenen Unternehmensstrukturen.Extra: DIE VIER GEPLANTEN LINIENBÜNDEL


Insgesamt sollen vier Linienbündel ausgeschrieben werden. Im Linienbündel Schneifel sind die ausbildungsrelevanten Linienverkehre zu den Grundschulen in den Gemeinden Arzfeld, Bleialf (inklusive Standort Auw), Daleiden, Lützkampen, Pronsfeld, Prüm und Wallersheim sowie zu den weiterführenden Schulen in Bleialf, Prüm und Niederprüm enthalten. Das Linienbündel Waldeifel umfasst die Linien zu den Grundschulen in Bickendorf/Seffern, Bitburg, Burbach, Dudeldorf, Kyllburg, Neidenbach, Oberkail,Preist, Rittersdorf (in Teilen), Schönecken, Spangdahlem und Speicher sowie zu den weiterführenden Schulen in Bitburg, Prüm und Niederprüm. Zum Linienbündel Südeifel gehören die Linien zu den Grundschulen in den Gemeinden Bettingen, Bitburg, Bollendorf, Idesheim, Irrel, Körperich, Mettendorf, Neuerburg und Wolsfeld sowie zu den weiterführenden Schulen in Bitburg, Neuerburg, Biesdorf und Irrel. Und im Linienbündel Neuerburger Land wurden die Linienverkehre zu den Grundschulen in Arzfeld, Bettingen, Bitburg, Daleiden, Karlshausen, Körperich, Mettendorf, Neuerburg, Rittersdorf, Waxweiler sowie zu den weiterführenden Schulen in Bitburg, Biesdorf und Neuerburg zusammengefasst.