1. Region
  2. Bitburg & Prüm

Regionalmarke Eifel sucht Fachkräfte mit neuer Aktion

Kreisentwicklung : Im Zweifel zurück in die Eifel?

Es fehlen Fachkräfte in der Region. Aber woher nehmen? Mit einer neuen Kampagne wirbt die Regionalmarke Eifel nun Menschen an, die in ihre Heimat zurückkehren wollen. Ob sie damit Erfolg haben werden?

Fünf Mittzwanziger halten ihre ausgestreckten Daumen in die Kamera. Die Männer tragen Sackos, die Frauen Blazer. Sie sind top frisiert, gut angezogen und grinsen  – so als wollten sie sagen: „Schau mich an: So jung und so erfolgreich wie ich könntest du auch sein.“ Es sieht aus wie ein Werbeplakat für einen Job als Bank- oder Versicherungskaufmann. Doch stattdessen steht zwischen den Köpfen der Slogan: „Ex-Eifeler gesucht“.

Das Bild ist Teil einer Kampagne der Regionalmarke Eifel. Die Idee dahinter: Menschen, die aus der Region weggezogen sind, zur Rückkehr in die Heimat zu bewegen. Warum sie das tun sollten, verrät Geschäftsführer Markus Pfeifer: Vor allem für junge Familien biete die Gegend rund um Bitburg, Prüm und Daun viele Vorzüge. Wohnraum sei bezahlbar, die Natur direkt vor der Haustür, die Luft sauber und die Karrierechancen gut. Nur müssten das die Menschen erst mal merken.

 Diese Fachkräfte fehlen in der Eifel besonders: Wer Autos reparieren, Senioren pflegen oder handwerklich arbeiten kann, wird eingeladen, zurück in die Eifel zu kommen.
Diese Fachkräfte fehlen in der Eifel besonders: Wer Autos reparieren, Senioren pflegen oder handwerklich arbeiten kann, wird eingeladen, zurück in die Eifel zu kommen. Foto: picture-alliance/ dpa/Tim Brakemeier

Das Foto zur Aktion hat die Regionalmarke in verschiedenen Medien veröffentlicht und im Online-Netzwerk Facebook gepostet. 1000 Gefällt-mir-Angaben und hunderte Beiträge unter dem Bild sind ein deutliches Signal. Das Thema bewegt. Allerdings gibt es für die Aktion nicht nur Zuspruch. In der Kommentarspalte wird auch Zweifel laut, ob es sich bei der Eifel wirklich um eine „Zukunftsregion“ handelt, wie Pfeifer es ausdrückt. Nutzer beklagen etwa einen Mangel an Kita- und Bauplätzen sowie an Jobs für Akademiker. Außerdem merken manche an, dass Handwerker zu schlecht bezahlt würden.

 Diese Fachkräfte fehlen in der Eifel besonders: Wer Autos reparieren, Senioren pflegen oder handwerklich arbeiten kann, wird eingeladen, zurück in die Eifel zu kommen. Fotos (3): Dpa
Diese Fachkräfte fehlen in der Eifel besonders: Wer Autos reparieren, Senioren pflegen oder handwerklich arbeiten kann, wird eingeladen, zurück in die Eifel zu kommen. Fotos (3): Dpa Foto: picture alliance / dpa/Sven Hoppe

Das wirkt schon fast wie ein Kontrast zu dem Bild, das Pfeifer von der Eifel zeichnet. Es gebe eine große Anzahl an Kitaplätzen, teilt er mit, gute Preise und Plätze für Eigenheime.  Und, und, und. Aber Pfeifer muss ja auch die Werbetrommel rühren. Schließlich gilt es, den Fachkräftemangel in der Region zu bekämpfen.

 Diese Fachkräfte fehlen in der Eifel besonders: Wer Autos reparieren, Senioren pflegen oder handwerklich arbeiten kann, wird eingeladen, zurück in die Eifel zu kommen. Fotos (3): Dpa
Diese Fachkräfte fehlen in der Eifel besonders: Wer Autos reparieren, Senioren pflegen oder handwerklich arbeiten kann, wird eingeladen, zurück in die Eifel zu kommen. Fotos (3): Dpa Foto: picture alliance / dpa/Markus Scholz

Es ist ein Problem, das viele ländliche Ecken Deutschlands kennen. Die Jugend studiert statt eine Lehre zu machen. Sie ziehen in Städte, nehmen Jobs im Ausland an. Folglich gebe es jede Menge offener Stellen, sagt der Geschäftsführer. Die Statistik der Trierer Agentur für Arbeit gibt ihm Recht. Die Zahl der gemeldeten Stellen im Eifelkreis hat sich in den vergangenen zehn Jahren von etwa 1700 auf 2200 erhöht. Ähnlich sieht es in der Vulkaneifel aus: Hier gibt es einen Anstieg von rund 1200 auf 1600 gemeldete Stellen – und das bei gleichbleibend niedriger Arbeitslosenquote.

Und wenn fast jeder einen Job hat, muss auch fast keiner einen suchen. Betroffen vom Mangel seien vor allem die Branchen Pflege, Soziales, Technik, Gastronomie und Handwerk, sagt Pfeifer. Eine Ergänzung der Arbeitsagentur: Vor allem KFZ-Mechaniker werden in beiden Landkreisen offenbar gesucht. In der Summe fehlen rund 170 Autotechniker in der Region. „Es sind nur noch wenige bis gar keine Fachkräfte in der Eifel verfügbar“, zieht Pfeifer sein Fazit.

Die gesuchten Fachkräfte müssen also von außerhalb kommen. Dabei sollen – anders als der Slogan „Ex Eifeler gesucht“ es vermuten ließe – auch Arbeitnehmer aus anderen Gegenden der Bundesrepublik angesprochen werden. Und was hat sich die Regionalmarke bislang einfallen lassen, um sie für die alte oder neue Heimat zu begeistern?

Die GmbH setzt auf eine digitale Strategie. Ende Oktober ging eine neue Internetseite ans Netz: jobs-in-der-eifel.de. Es ist eine Börse auf der Ausbildungs- und Arbeitsplätze in der Eifel gebündelt werden. Über einen Steckbrief können Bewerber die Firmen kennenlernen. Derzeit nehmen 20 Unternehmen (Siehe Info) teil. Damit sei „die kritische Masse“ noch nicht erreicht, sagt Pfeifer. Er wünscht sich, dass sich weitere Betriebe beteiligen. Kennengelernt haben dürften sie die Kampagne schon. Die Aktion hat Wellen geschlagen. Auf denen schwimmt auch der Eifelkreis mit. Kürzlich startete die Verwaltung unter Landrat Joachim Streit einen Suchaufruf für Ärzte – sie mögen doch in ihre Heimat zurückkehren (der TV berichtete). Bislang blieb das Telefon stumm, das Postfach leer. Auch auf  den Aufruf der Regionalmarke habe sich bislang niemand gemeldet, teilt Pfeifer mit.