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Reif für die Pinsel: Ein Mann malt weiter

Reif für die Pinsel: Ein Mann malt weiter

Später Beginn, stetige Entwicklung: Helmuth Barthel aus Prüm geht auf die 90 zu - und malt kräftig weiter. Am Sonntag, 25. Oktober, beginnt seine Ausstellung mit vielen Bildern aus den vergangenen Jahren.

Prüm. Als der TV zuletzt über ihn berichtete, war Helmuth Bartel 84 Jahre alt. Er plante damals eine Ausstellung mit Bildern, die er seit der Pensionierung gemalt hatte, rief deshalb in der Redaktion an - und ging nicht mehr aus der Leitung, bis der Artikel darüber vereinbart war.

Helmuth Barthel steht inzwischen im 90. Lebensjahr. Und er hat wieder angerufen.

Da gibt man gerne klein bei, denn Barthel, vor dem Ruhestand in der Textilbranche tätig, liefert ein so schönes Beispiel dafür, wie man zu jedem Lebenszeitpunkt noch einmal neu durchstarten kann. Und dabei lernen.

"Ich habe meine Malerei umgestellt", sagt er. "Ich habe quasi noch mal neu angefangen." Wohlgemerkt: mit Mitte achtzig. Wer stellt denn da noch einmal etwas um, außer vielleicht die Ernährung? Barthel hat es getan. Expressiv gehe es auf seinen Leinwänden zu, sagt er. Und eher abstrakt. "Aber das ist schwer zu erklären. Das muss ich Ihnen zeigen."

Und es geht wirklich ganz schön heftig zu auf Barthels farbenstarken Bildern. Man spürt, dass da jemand einen Weg eingeschlagen hat und ihm konsequent folgt, gerne auch ins gestalterische Risiko. Das ist mutig, gelingt nicht immer, bringt aber manchmal erstaunliche Ergebnisse.

Trotzdem, sagt seine freundliche Frau Martha-Monika, wolle ihr Mann den Eifelern auch noch ein paar eher gegenständliche Bilder zeigen. "Weil die sich ja doch eher verkaufen lassen." Kann sein, müsste er eigentlich aber nicht. Unbedingt zeigen muss - und wird - er aber das Bild, das auch die Einladung zur Ausstellung ziert: Es präsentiert das Prümer Wahrzeichen. In blau. Kann sein, dass da mancher Basilikafreund rot wird.

Er zeigt es allen - ab 25. Oktober im Prümer Konvikt. Viele Bilder werden dort zu sehen sein. Sehr viele, Barthel nimmt gleich die Kapelle und den Flur in Beschlag. Wie viele es genau sind? "Das können Sie gar nicht in der Zeitung schreiben", findet er.

Gut, schreiben wir etwas anderes: Dass er zum Beispiel in den vergangenen Jahren sehr viele Kurse und Seminare belegt hat. In der Volkshochschule, der Kunstakademie Steffeln, auf der Burg Lissingen, in der Europäischen Kunstakademie Trier und bei anderen Malern. "Ich brauche die Atelierluft. Und die Gespräche", sagt er.

"Ich werde nächstes Jahr 90! Ich bin eine alte Mumie", ruft er am Ende mit einer Verve, dass man fast in Deckung gehen möchte. Anders gesagt: Wenn alle Mumien so jung wirkten (und so frisch malten) wie Helmuth Barthel, es wäre wunderbar.

Die Eröffnung ist am Sonntag, 25. Oktober, 11.30 Uhr, mit Grußworten von Bürgermeister Aloysius Söhngen und Stadtbürgermeisterin Mathilde Weinandy. Die Einführung in Barthels Bilder gibt der Ehrenvorsitzende des Kunstkreises Beda, Werner Schumacher. Die Ausstellung ist täglich geöffnet bis Sonntag, 22. November, immer von 10 bis 18 Uhr (im Flur, die Kapelle ist Montag, Mittwoch und Freitag geöffnet von 15 bis 18 Uhr). Wer eine Führung wünscht, kann Helmut Barthel anrufen (er telefoniert gern). Nummer: 06551/2371.