1. Region
  2. Bitburg & Prüm

Rein ins Rettungsboot, raus aus dem Freibad-Streit

Rein ins Rettungsboot, raus aus dem Freibad-Streit

Es stand Spitz auf Knopf. In letzter Minute hat die Ortsgemeinde Oberweis im Dauerstreit um das Freizeitzentrum, das die Verbandsgemeinde Bitburg-Land samt dem defizitären Schwimmbad an den Pächter Alwin Köhler verkaufen möchte, eingelenkt.

Bitburg/Oberweis. Es gab schon viele Fristen. Doch bisher sind alle ergebnislos verstrichen. Dass sich Ortsgemeinde Oberweis und Verbandsgemeinde Bitburg-Land im Dauerkonflikt um das Freizeitzentrum Oberweis irgendwie noch einigen würden, schien fast aussichtslos. Nach Jahren des Rechtsstreits waren die Fronten so verhärtet, dass noch nicht mal mithilfe eines Streitschlichters eine Lösung möglich war. Schließlich beschloss der Verbandsgemeinderat einstimmig, das Freizeitzentrum samt Freibad und Sportplatz für rund 300 000 Euro an den derzeitigen Pächter Alwin Köhler zu verkaufen - ob das der Ortsgemeinde nun passt oder nicht. Eine Kampfansage aus verzweifelter Lage.
Die Verbandsgemeinde (VG) will und kann nicht mehr Jahr für Jahr die Verluste von gut 200 000 Euro decken, die die Campinganlage vor allem wegen des Freibads macht. An dieser Verkaufsabsicht hat sich vor sieben Jahren der Streit entzündet, weil die Ortsgemeinde dabei den Verlust von für sie wichtigen Sportstätten befürchtet. Schließlich liegt der Fußballplatz mitten in der Anlage.
Das Problem: Da der Pächter zusätzliche Flächen braucht, um die Anlage so erweitern zu können, dass er sie wirtschaftlich betreiben kann, lief es auf zwei Möglichkeiten hin aus: entweder die Ortsgemeinde verpachtet oder verkauft Köhler gemeindeeigene Grundstücke wie etwa den Uferrandstreifen, oder aber die Verbandsgemeinde stellt Köhler den Sportplatz zur Verfügung. "Wir haben uns mit einem knappen Mehrheitsbeschluss im Gemeinderat darauf geeinigt, diesen Kompromiss mitzutragen", sagt Ortsbürgermeister Erwin Schmidt.
Guter Grund zum Feiern


Das heißt: Die Familie Köhler zahlt nach eigenen Angaben rund 2500 Euro Pacht im Jahr für die Grundstücke der Gemeinde. Trotz dieser Pacht sagt Orts-Chef Schmidt: "Wir haben unsere Ziele nicht ganz erreicht, aber um des Friedens willen lenken wir ein." Eigentlich wollte die Gemeinde, dass der Sportplatz in ihr Eigentum übergeht - nun bleibt er im Eigentum der VG. Bereits 2008 entschied das Bundesverwaltungsgericht, dass die Ortsgemeinde, die bis 1975 Eigentümerin von Camping- und Sportplatz war, kein Recht mehr hat, diese zurückzufordern.
Nun also der Kompromiss, der im Kern genau das beinhaltet, was Anfang April der Streitschlichter vorgeschlagen hatte - doch da war die Ortsgemeinde noch nicht bereit einzuwilligen (der TV berichtete). In etlichen Hintergrundgesprächen wurde nach TV-Informationen über die Höhe der Pacht für die Grundstücke der Gemeinde verhandelt und über die Frage, wer Eigentümer des Sportplatzes wird. "Ich bin überglücklich, dass es nun eine Einigung gibt", sagt VG-Bürgermeister Josef Junk, als er auf der Rückreise aus Polen gestern Vormittag von der Lösung in dem jahrelangen Konflikt erfahren hat. "Ich bin schon erleichtert. Aber hätte sich die Ortsgemeinde nicht so eingesetzt, hätten wir den Sportplatz wohl verloren", sagt Orts-Chef Schmidt. "Das ist doch jetzt eine Gewinnsituation für alle", sagt Alwin Köhler. Zur Freude über die Einigung plant er ein Schwimmbadfest, zu dem er die Oberweiser Vereine sowie Orts- und Verbandsgemeinde einladen will: "Jetzt ist die Blockade aufgelöst." Auch Junk sagt: "Jetzt sollten wir die Vergangenheit ruhen lassen und ein neues Kapitel aufschlagen."Meinung

Endlich!
Was ist passiert, dass nun auf einmal doch noch eine Lösung im Schwimmbad-Streit möglich war? Die Verbandsgemeinde war entschlossen, im Zweifelsfall auch die Rolle des Buhmanns zu übernehmen und den Verkauf des Freizeitzentrums Oberweis durchzuziehen. Es war also Druck im Kessel. Auf der anderen Seite haben sich Ortsgemeinde und Pächter aufeinanderzubewegt. Was unterwegs auch alles schief gelaufen sein mag: Nun sollten alle den Blick nach vorn richten, sich über die Einigung freuen, von der alle profitieren. d.schommer@volksfreund.de