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Renaissance des Eifel-Lichtspieltheaters

Renaissance des Eifel-Lichtspieltheaters

"Ende. Kino verpachtet", lautete der letzte Eintrag. Am 26. Juni 1977 schlossen die Eifel-Lichtspiele ihre Pforten. Die gesamte Bühnen- und Audio-Ausstattung des Kinos hat die Tochter der Betreiber nun an das Kommerner Freilichtmuseum übergeben.

Kommern. "Das Wiegenlied vom Totschlag" lautete der Titel des letzten Films, den Albert und Betty Pilger als Kinobesitzer der Eifel-Lichtspiele in Gemünd vom 24. bis 26. Juni 1977 vorführten. Aus der letzten Seite des von 1963 bis 1977 geführten Filmkontrollbuchs geht hervor, dass an diesem Tag schönes Wetter herrschte und das Kino gut besucht war. Der allerletzte Eintrag lautet: "Ende. Kino verpachtet."
Ingrid Kliem, Tochter des Ehepaars Pilger, und ihr Mann Kurt übergaben das Filmkontrollbuch und die gesamte Bühnen- und Audio-Ausstattung des Kinos jetzt an das Freilichtmuseum in Kommern.
Hier soll wieder ein altes Kino aufgebaut werden. Das Gemünder war leider zu groß, um noch Platz auf dem "Marktplatz Rheinland" zu finden, der hier entsteht. Jetzt sucht Museumschef Dr. Josef Mangold nach einem kleineren Kino, das aber nicht so einfach zu finden ist.
Blick zurück ins 20. Jahrhundert

Der letzte Eintrag im Filmbuch der Eifel-Lichtspiele. TV-Foto: Manfred Hilgers


Der "Marktplatz Rheinland" ist für Mangold die logische Fortsetzung des bisherigen Museumskonzepts. 1956 als ältestes regionales Freilichtmuseum Deutschlands gegründet, wurde in Kommern die bäuerliche Welt vom 15. bis ins 19. Jahrhundert in Gestalt von Gebäuden wieder lebendig.
Der ehemalige Museumschef Dr. Dieter Pesch schuf die Ausstellung "Wir Rheinländer", die den Zeitraum von 1794 bis in die 1950er Jahre umfasst. Nun soll der "Marktplatz Rheinland" daran anknüpfen. Unter anderem mit Springbrunnen, gepflastertem Markt, Tante-Emma-Laden, Schreinerwerkstatt im Hinterhof, Tankstelle, Kneipe, Bushaltestelle, Bungalow, Eisdiele und Telefonzelle soll die Zeit von 1945 bis 1980 erlebbar werden.
Die alte Kneipe steht bereits. Sie wurde in Eschweiler demontiert und in Kommern wieder aufgebaut. Teile der Tapete wurden noch im Original gefunden. Sie soll nachgedruckt werden. Ein altes Sparkästchen, eine Musikbox und die alten Bilder, die in der Kneipe hingen, hatte die Besitzerin Gerti Vermasen schon verschenkt. Als sie hörte, dass das komplette Inventar in Kommern benötigt wird, holte sie die Utensilien zurück.
Als nächstes soll in der zweiten Jahreshälfte ein alter Bungalow aus den 1960er Jahren aufgebaut werden. Die komplette Wohneinrichtung ist auch schon vorhanden. "Chippendale vom Feinsten", sagt Mangold. Der Vorgarten des schicken Bungalows wird mit einem Jägerzaun eingefasst. Der Käfer vor der Garage darf nicht fehlen. Eine kleine Gartenzwerg-Sammlung wird dem Vorgärtchen dann den letzten Schliff verleihen. Ein früher Supermarkt, ebenfalls aus den 1960er Jahren, und ein Eissalon sind schon vorhanden.
Im kommenden Jahr wird das Gasthaus eingerichtet. Dahinter wird ein Biergarten "mit wunderschönem Blick in Richtung Mechernich und dem ganzen Tag Sonne" angelegt, erklärt Mangold. In Gasthaus und Biergarten gibt es "zeittypische Kost" und Getränke.
Wenn man von der "Rheinland"-Halle in Richtung Ausgang geht, führt der Weg an einer alten Bunker-Ruine und einem Ein-Mann-Bunker vorbei, die schon auf dem Gelände existieren. Hier befindet sich der Besucher sozusagen noch im Zweiten Weltkrieg. Später gelangt er von dort zu zwei Nissenhütten. Der kanadische Ingenieur Peter Norman Nissen entwickelte diese Wellblechhütten im Ersten Weltkrieg für die britische Armee. Sie kamen im Zweiten Weltkrieg nach Deutschland. Sie und ein frühes Fertighaus aus Holzrahmen mit Betonholzpappe dienten nach dem Krieg als Behelfsunterkünfte.
Die Bunker, die Behelfshäuser, ein alter Umspannungsmast aus Vogelsang und ein Wasserhochbehälter der Stadt Mechernich aus den 1950er Jahren, der sich allerdings außerhalb des Museumsgeländes befindet und immer noch in Betrieb ist, stehen für die Nachkriegszeit. Von dort kommt man gleich auf den "Marktplatz Rheinland".
15 bis 20 Gebäude sollen sich im Endeffekt um den Marktplatz gruppieren. Wie schnell dies verwirklicht werden kann, ist noch völlig offen. "Ich habe noch zehn Jahre", sagt Mangold, der hofft, dass er dann schon über den fertigen Marktplatz spazieren kann.