Rentner betreiben Ladenlokale in Bitburger Abrisszone

Stadtentwicklung : Bit-Galerie: Verkaufen, bis der Bagger kommt

Für den Bau der Bit-Galerie müssen einige Geschäftsgebäude abgerissen werden. Die letzten Ladenlokale wurden bereits geräumt, das erste wird inzwischen schon wieder genutzt.

Ein wenig sieht man dem Raum im ehemaligen Hotelgebäude noch an, wofür er zuletzt genutzt wurde. An einer der Wände steht ein großes Regal aus furniertem Holz. Und die Wand gegenüber lässt erahnen, dass dort einmal ein Durchbruch war. Früher gehörte dieser Raum zur Petrus-Apotheke. Genau genommen wurde die Apotheke 1963 in diesem abgetrennten Bereich des Hotels Plein eröffnet.

Einige Jahre später kaufte der Apotheker dann das unmittelbar daran angrenzende Wohn- und Geschäftshaus und erweiterte mit einem Durchbruch in der Zwischenwand sein Geschäft. Weil aber das ehemalige Hotel zu den Gebäuden gehört, die für den Bau der Bit-Galerie verschwinden sollen, die benachbarte Apotheke aber weiterhin bestehen bleibt, wurde die Zwischenwand vor wenigen Monaten wieder zugemauert und der zum Hotel gehörende Teil des Ladenlokals geräumt. Geblieben ist nur das hohe, beleuchtete Apotheker-Regal.

„Die Beleuchtung im Regal ist unsere einzige Stromquelle“, sagt Peter Schmitz grinsend. Gemeinsam mit seinem langjährigen Freund Edmund Schmitt steht er in dem Raum, der einst eine Apotheke war und jetzt mit Antiquitäten und altem Krimskrams gefüllt ist. Ende letzten Jahres haben die beiden Männer das Ladenlokal übernommen, verkaufen dort seitdem alte Möbel, Lampen, Bilder und vieles mehr. An drei Tagen die Woche ist der Laden für jeweils ein paar Stunden geöffnet.

„Es wird ganz gut angenommen“, sagt Schmitt. „Wir haben allerdings festgestellt, dass wir die Tür offenstehen lassen müssen, damit die Leute auch reinkommen“, fügt er hinzu. Dass allerdings habe den Nachteil, dass es dann im Ladenlokal recht frisch werde, ergänzt sein Kollege. Eine Heizung gibt es nämlich nicht mehr. Doch die beiden Rentner wissen sich zu helfen. Sie sind dick angezogen und haben einen kleinen Heizstrahler. „Das geht schon“, sagt Schmitz.

Das Gute ist: Das Ladenlokal ist zwar nicht wirklich gemütlich, dafür aber umsonst. „Wir haben Herrn Kutscheid gefragt, ob wir die Räume nutzen können, weil sie ja ohnehin leer stehen“, erklärt Schmitt. Und dieser habe direkt eingewilligt. Stefan Kutscheid ist Projektentwickler des geplanten Einkaufszentrums und zudem Geschäftsführer der dafür gegründeten Einkaufszentrum Bit-Galerie Verwaltungs-GmbH.

Wann genau die Galerie an der Ecke von Karenweg und Trierer Straße gebaut wird, hängt von mehreren Faktoren ab. Nicht zuletzt aber vor allem vom Genehmigungsverfahren und der Fertigstellung des innerstädtischen Verkehrskonzepts, an dem derzeit gearbeitet wird (der TV berichtete).

Für die Einkaufspassage sollen sämtliche Gebäude zwischen der Kreissparkasse in der Trierer Straße und der Petrus-Apotheke im Karenweg verschwinden. Einige Gebäude in diesem Bereich standen schon länger leer, andere wurden im vergangenen Jahr nach und nach geräumt. So wirklich Einkaufslaune versprüht dieser Bereich deshalb nicht.

Dessen ist sich Kutscheid durchaus bewusst. „Wir haben uns auch schon Gedanken gemacht“, sagt der Projektentwickler. „Etwas Leben hinter den Fenstern wäre uns natürlich auch lieber, als die Scheiben einfach nur zuzukleben“, fügt er hinzu. Kutscheid könnte sich gut vorstellen, die leer stehenden Ladenlokale im Wechsel Bitburger Vereinen zur Verfügung zu stellen, damit diese sich dort präsentieren können. Es habe dazu auch schon eine Anfrage des Bitburger Musikvereins gegeben. Demnach würde dieser dort gerne mit ausgestellten Instrumenten um Nachwuchs werben, erklärt er. Die Vereine leisteten einen wichtigen Beitrag für die Attraktivität der Stadt, so Kutscheid. Deswegen wäre ihm eine Nutzung der Räume durch Vereine auch lieber, als sie übergangsweise Händlern zur Verfügung zu stellen.

Die beiden Rentner in den ehemaligen Räumen der Apotheke hingegen könnten sich auch eine andere Übergangslösung vorstellen. „Es wäre doch toll, wenn hier noch ein paar weitere Läden wie unserer dazukämen“, sagt Schmitz. Er verweist auf den ehemaligen Schmuckladen in dem Haus, das nur wenige Meter weiter auf der anderen Seite an das Hotel Plein grenzt. Dort stehen ebenfalls Antiquitäten im Schaufenster. Ein Bitburger Antikwaren-Händler macht damit Werbung für seinen Betrieb auf dem Flugplatzgelände.

Schmitz und Schmitt haben keine anderen Geschäftsräume, sondern nur diesen einen Raum im Karenweg. Und den nutzen sie so gut es geht. Zwar mussten auch sie zunächst ein Gewerbe anmelden, um ihre über Jahrzehnte angesammelte Ware überhaupt verkaufen zu können. Ansonsten aber hält sich der Aufwand in Grenzen. Sollte der Abriss also irgendwann akut werden, haben sie ihren Laden auch schnell wieder geräumt. „Da machen wir uns wenig Gedanken“, sagt Schmitt. „Wir schauen einfach, wie lange es läuft.“

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