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Rettung der Runkellaterne vorerst geglückt

Rettung der Runkellaterne vorerst geglückt

In der Eifel werden kaum noch Rübenlaternen geschnitzt - auch weil Bauern kaum noch Runkeln anbauen. Die Ortsgemeinde Schönecken kämpft aber fürs Brauchtum. Es wurden eigene Rüben angepflanzt, die jetzt bei einem Schnitzabend zu Laternen verarbeitet wurden.

Schönecken. Kräftig presst Christian (5) seinen Löffel in die Mitte einer aufgeschnittenen Runkelrübe. Nichts tut sich. Der Junge drückt noch fester - ratsch, ein dicker Rübenschnitzel fliegt durch den Raum. Zufrieden blickt der Kleine auf sein Werk. Gut, der Löffel ist verbogen, aber das passiert schon mal. Großvater Rudi Schmidt biegt das Werkzeug wieder grade und schon geht es für den Jungen weiter bei der Runkellaternen-Schnitz-Aktion der Ortsgemeinde Schönecken.
Weit mehr als 30 Kinder und Erwachsene folgten der Einladung des Ortsbürgermeisters Matthias Antony zum gemeinsamen Schnitzen der einst in der ganzen Eifel zwischen Allerheiligen und Sankt Martin verbreiteten Rübenlaternen - den sogenannten Troulichtern. "Früher wurden überall Runkellaternen geschnitzt. Ausgehöhlt, mit einem Gesicht versehen und auf einem Holzstab aufgespießt wurden sie bei Martinszügen getragen oder einfach auch mal in ein Fenster gestellt. Nach und nach verschwand dieser Brauch", sagt Antony. Vor einem Jahr sei das Verschwinden der Troulichter ihm und Freunden aufgefallen. "Warum keine Laternen mehr geschnitzt werden ist nicht klar. Vielleicht ist Halloween mit den Kürbissen Schuld daran, vielleicht aber auch einfach die Tatsache, dass kaum ein Bauer noch Rüben anbaut", sagt der Ortschef. Kurzerhand habe man beschlossen, etwas dagegen zu tun und einen eigenen Rübenacker angepflanzt (der TV berichtete).
"Damit war es ja aber nicht getan. Es mussten genügend Interessierte fürs Schnitzen gefunden werden. Ich war aufgeregt und wusste nicht, ob genug Leute mitmachen", sagt Antony. Die Sorge war unberechtigt.
In trauter Einigkeit schnitzen im "Forum im Flecken" Jung und Alt an ihren Laternen. "Meine letzte habe ich sicher in den 60er Jahren gemacht", sagt Rudi Schmidt. Es gehe nach wie vor leicht von der Hand, versichert er. Kindheitserinnerungen kämen hoch. Es sei toll, seinen Enkeln mal zeigen zu können, was man früher so gemacht habe und diesen Brauch am Leben zu halten. Enkel Alexander (7) blickt ihn mit großen Augen an und sagt: "Ich mache das jetzt aber schon zum zweiten Mal." Seine erste Runkelrübe habe er schließlich einen Tag zuvor in der Schule geschnitzt - ein alter Hase also.
"Zwei Klassen haben von uns Rüben bekommen und sich am Vortag der Aktion schon mal ans Werk gemacht. Auch bei ihnen kamen die Runkellaternen gut an", sagt Matthias Antony. Er ist erleichtert. Wenn niemand gekommen wäre, hätte man sich leicht lächerlich machen können, fürchtet er. Hat man aber nicht.
"Im nächsten Jahr geht es sicher weiter", verspricht er, während wieder ein Schnitzel an ihm vorbeifliegt. Schnell wird das Stück von Kinderhand aufgehoben. Es darf ja nichts verkommen - die Schnitzreste bekommen die Kaninchen eines Ehrenämtlers.