Rettung im letzten Augenblick

Rettung im letzten Augenblick

Seit vielen hundert Jahren erinnert nur noch eine Kapelle an den 1562 verlassenen Ort Weinfeld. Beinahe wäre auch sie abgerissen worden - wäre da nicht der Pastor Johann Baptist Konter gewesen, der das letzte Zeugnis Weinfelds vor dem Untergang rettete.

Weinfeld/Schalkenmehren. Alte Eschenbäume stehen auf dem Friedhof von Weinfeld. Obwohl es seit 1562 dieses Dorf nicht mehr gibt (siehe Extra), betten die Bewohner des Nachbarortes Schalkenmehren ihre Verstorbenen auf dem Weinfelder Friedhof zur ewigen Ruhe. Er und die kleine Kapelle sind die letzten Zeugen, die an das untergegangene Örtchen erinnern. Stolze Baumkronen werfen Schatten auf ein schlichtes Grab, dicht am hinteren Sakristeieingang des uralten Kirchleins. Ein Priester ruht dort, für den die Erhaltung der Weinfelder Kapelle zur verpflichtenden Lebensaufgabe wurde.
Johann Baptist Konter ist auf dem Grabstein zu lesen, ein Pfarrer, dessen Namen nicht so schnell vergessen werden dürfte. Ihm allein ist es zu verdanken, dass heute noch jenes Zeugnis christlicher Kultur zu bewundern ist und damit die Erinnerung an Weinfeld erhalten bleibt.
Dorf- geschichte(n)


Konter, geboren im Saarland, wurde mit 29 Jahren am 10. Oktober 1867 zum Pfarrer von Schalkenmehren ernannt. Mit jugendlichem Elan ging er ans Werk, ordnete die Kirchenverwaltung der Pfarrei und erbaute in Schalkenmehren ein neues Pfarrhaus.
Doch all dies wäre nicht der Erwähnung wert, wenn sein waches Auge und kluger Verstand nicht die große Gefahr erkannt hätten, die jenem Kirchlein droben am Kraterrand des Maares drohte. Das Weinfelder Gotteshaus war nämlich baufällig. Bereits 1803 hatte der Trierer Bischof Mannay verboten, in ihm Gottesdienste zu halten. Er schlug sogar vor, es abreißen zu lassen, den Friedhof einzuebnen und in Schalkenmehren neu anzulegen. Doch damit waren die Schalkenmehrener absolut nicht einverstanden. Den Abriss der Kapelle, den auch die damalige französische Besetzung erlaubt hatte, hätten sie noch geduldet, aber nicht den Verkauf des Gottesackers, auf dem all ihre Vorfahren und Eltern lagen.
Gleich wie, das war das Todesurteil für die Überreste Weinfelds. Die Kirche verfiel immer mehr zur traurigen Ruine. Die Kreisverwaltung Daun forderte Anfang der 1870-er Jahre die Gemeinde Schalkenmehren ultimativ auf, die Weinfelder Kirche entweder zu renovieren oder wegen gefährlicher Baufälligkeit umgehend abzureißen.
Pastor Konter aber kämpfte für den Erhalt. In Zeitungen und öffentlichen Versammlungen verkündete er seinen Plan von der Wiederherstellung des Kirchleins. Kunstfreunde und Eifelwanderer waren bereit, ihr Scherflein zur Restaurierung beizutragen.
Wohlhabende fromme Damen aus Daun waren die ersten, die hundert Mark spendeten - viel Geld in der damaligen Zeit.
Konter schrieb Freunde, Bekannte, Verwandte und Studiengenossen an, ihm Geld für einen "Baustein" zu liefern. Er verschickte auch ein liebenswürdiges Bittschreiben an jeden, der seinen Namen auf die Kapellenwände gekritzelt hatte. Nahezu alle spendeten. Die Einwohner von Schalkenmehren selbst leisteten Hand- und Spanndienste und brachten obendrein erhebliche Geldmittel auf, um ihre Mutterkirche vor dem Untergang zu retten.
Endlich konnte mit dem Wiederaufbau von Weinfeld begonnen werden. Am 27. September 1887 war es dann soweit. Das kleine Kirchlein erlebte wohl die größte Feier seiner Geschichte. Fast 4000 Menschen eilten aus nah und fern herbei. Dreißig Geistliche aus dem Bistum erlebten die Einsegnung eines festlich geschmücktes Gotteshauses.
Am 11. Oktober 1891, auf den Tag genau 24 Jahre nach seinem Dienstantritt in Schalkenmehren, starb Konter im frühen Alter von 53 Jahren. Seitdem ruht er im Schatten seiner geliebten Kirche, die er vor dem Untergang bewahrte und damit auch die Erinnerung an Weinfeld rettete.
Auf seinem ersten, mittlerweile verschwundenen Grabstein war eingemeißelt: "Ich liebte euch im Leben, gedenket meiner im Tode." Möge sein Wunsch in Erfüllung gehen.
Extra

Weinfeld ist eine Wüstung, also eine verlassene Siedlung, am Weinfelder Maar in der Vulkaneifel. Sie liegt 2,5 Kilometer im Südosten von Daun. Noch im 11. Jahrhundert tauchte Weinfeld als Winelde in Karten und Dokumenten auf, im 14. Jahrhundert als Wyneveldt. Zur Pfarrei gehörten im 15. Jahrhundert die Orte Mehren, Schalkenmehren, Saxler, Udler und drei Häuser in Gemünden. Ein Jahrhundert später war Weinfeld bis zum Jahr 1562 komplett verlassen. Brände, Kriege und der Ausbruch der Pest zwangen die Bewohner ihre Heimat schließlich zu verlassen. aff