Reuther kämpfen weiter

Volles Gemeindehaus, klare Stimmungslage: In Reuth haben etwa 60 Einwohner am Informationsabend zur Kommunalreform teilgenommen. Dass sie dabei zur Verbandsgemeinde Prüm wechseln wollen, werden sie in einem Bürgerentscheid deutlich machen.

Reuth. Kommt ein Mann zum Arzt. Und es ist nicht zum Lachen, was sich dann abspielt: Der Doktor, Amtsarzt in Prüm, erklärt sich für nicht zuständig, weil der Patient, Peter Schmitz, aus Reuth ist - da müsse er nach Daun, in seine neue Kreisstadt. Und warum er sich denn nicht dagegen gewehrt habe, dass sein Dorf bei der vorigen Reform dem Kreis Daun zugeschlagen worden sei. Schmitz erzählt die Geschichte bei der Bürgerversammlung in Reuth mit spürbarer Wut im Bauch. Sein Fazit: "Jetzt werde ich mich wehren!"
Da ist er nicht allein - weder mit seiner entschlossenen Haltung noch mit der Arzt-Anekdote: "Bei meiner Tochter war es vor drei Jahren genauso", erzählt Ortsbürgermeister Ewald Hansen.
Bei der Kommunalreform vor mehr als 40 Jahren wurden die Reuther zum Wechsel gezwungen, vom Altkreis Prüm in den Kreis Daun (heute Vulkaneifel). Diesmal wollen die Landesregierung und der Rat der Verbandsgemeinde (VG) Obere Kyll sie nicht in den Eifelkreis Bitburg-Prüm entlassen, obwohl eine große Mehrheit aller Bürger diesen Wunsch bereits in einer Umfrage klar ausgedrückt hat (der TV berichtete).
Ein Hintertürchen bleibt


Ein Hintertürchen aber steht ihnen noch offen, wenn auch nur einen winzigen Spalt breit: Dazu aber muss der VG-Rat umgestimmt werden und seine Entscheidung vom Dezember zurücknehmen. Die VG will bekanntlich geschlossen mit Hillesheim fusionieren.
Die Mittel, mit denen die Reu ther genau so wie die Bürger von Hallschlag, Ormont und Scheid doch noch nach Prüm gelangen wollen: Druck in der Öffentlichkeit, Kooperation mit weiteren Gemeinden in Rheinland-Pfalz, die ebenfalls nicht den Landesvorgaben folgen wollen - und ein Bürgerentscheid, wie ihn auch die anderen drei Gemeinden planen. Termin für alle vier Dörfer: Sonntag, 25. März.
Es gehe einfach darum, sagt Ewald Hansen, "die letzte Chance zu wahren". Zumal das Landesgesetz zur Reform immerhin einen Passus enthalte, der für das Ansinnen seiner Bürger spreche: Dort stehe nämlich, dass "historische und religiöse Bindungen zu berücksichtigen" seien. Hansens Appell: "Ich bitte Sie alle, am 25. zur Wahl zu gehen - egal, wie Sie sich entscheiden."
Was im Anschluss Landrat Heinz Onnertz sagt, ist Wasser auf die Reuther Mühlen: "Erstens: die gesamte Kommunal- und Verwaltungsreform ist falsch. Zweitens: Sie führt nicht zusammen, sondern sie spaltet." Und drittens werde ein Wechsel der vier Dörfer den Kreis und die VG nicht entscheidend schwächen, denn der werde im nächsten Schritt sowieso verschwinden. "Ihr seid vor 42 Jahren entführt worden", ruft er den Reuthern zu. "Euer Herz schlägt für Prüm - aus meiner Sicht: Gehen Sie!"
Es gebe nur eine Chance, den Kreis zu erhalten - eine völlig anders strukturierte Reform. Onnertz plädiert erneut dafür, die VGs aufzulösen, ihre Aufgaben an den Kreis zu übertragen und Bürgerbüros an den bisherigen Verwaltungssitzen einzurichten. "Aber das kriegen Sie politisch nicht durch."
Was die VG politisch will, das erklären Bürgermeisterin Diane Schmitz und Büroleiter Arno Fasen. Diane Schmitz erinnert noch einmal daran, dass man auch versucht habe, mit der VG nach Prüm zu wechseln. Dann aber habe das Land die Kosten für das Universitätsgutachten übernommen, das die besten Fusionsvarianten präsentieren sollte. "Und wer bezahlt, der sagt auch, wo es langgeht - dadurch war keine Fusionsmöglichkeit mit Prüm darin enthalten". Insofern sei es nun besser, wenn die VG komplett mit Hillesheim zusammengehe. Diane Schmitz: "Ich verstehe Sie - aber ich bitte Sie auch, uns zu verstehen." Fasen erklärt, dass auch ein Wechsel einzelner Dörfer nach Prüm nicht billig werde: So müsste man für Wasser und Abwasser deutlich mehr bezahlen als bisher.
Kommunal- Reform


Den Reuthern, die den VG-Vertretern fair zuhören und am Ende ebenfalls applaudieren, reichen die Argumente trotzdem nicht: "Ich will auf jeden Fall nach Prüm", sagt Georg Winkels. "Mit der anderen Seite haben wir doch nichts zu tun." Zwar sei jedem klar, sagt Mitbürger Alfred Hansen, dass man in Prüm auch nicht "ins gelobte Land" komme. "Aber wenn ich nach Daun muss und habe keinen fahrbaren Untersatz, dann ist das eine Tagesreise. Also gibt\'s für uns nur eins." Und das sei der Wechsel in den Eifelkreis.
Weitere Bürger-Abende: Scheid: Donnerstag, 15. März, 20 Uhr, im Gemeindehaus; Hallschlag: Dienstag, 20. März, 19 Uhr, Dorfgemeinschaftshaus; Ormont: Mittwoch, 21. März, 19 Uhr, Bürgerhaus.

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